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Wir testen das neue Angebot in Ludwigsburg: Mit dem E-Scooter durch die Stadt

Die Stadtverwaltung setzt auf elektrische Roller: Am 12. April startete ein Modellprojekt. Zwei Anbieter bieten seither an wichtigen Verkehrsknotenpunkten in der Stadt 300 E-Scooter zum Ausleihen an.

Wir haben die Scooter in der Innenstadt getestet.
Wir haben die Scooter in der Innenstadt getestet. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. 300 E-Scooter von zwei unterschiedlichen Anbietern stehen seit Anfang der Wochen in Ludwigsburg zum Verleih bereit. In großen deutschen Metropolen gehören die Tretroller mit E-Antrieb bereits seit einer Weile zum Stadtbild. Mancherorts sind sie als Stolperfallen verschrieen, weil die Nutzer sie kreuz und quer abstellen. Spielerei für Touristen oder sinnvolle Ergänzung zum Mobilitätsangebot? Wir wollen es wissen und haben den Praxistest gemacht. Zwei Anbieter, zwei Redakteurinnen, zwei Touren: Mit den E-Scootern sind wir durch Ludwigsburg gedüst und haben die modernen Fahrzeuge und alles, was mit ihnen zu tun hat, getestet. Wie funktioniert die App? Wie schnell findet man einen E-Scooter in einem Stadtteil? Wie unterscheiden sich die beiden Modelle von Tier und Zeus? Kann jeder E-Scooter fahren, oder ist das schwierig? Und am Ende wollen wir natürlich auch eines wissen: Was kostet der Spaß?

Die Studentenroute: Von der PH in die Innenstadt

Rund um die S-Bahn-Haltestelle Favoritepark sollen laut der App vom E-Scooter-Anbieter Tier drei Roller stehen. Fast übersehe ich den ersten Roller. Er liegt an der Treppe, die zum Bahnsteig führt, im Gebüsch. In meiner App ist das Gebiet rund um das Bahngleis rot eingezeichnet. „Du kannst deine Fahrt in diesem Bereich nicht beenden“ steht da. Ging wohl doch. Doch für mich kommt der achtlos hingeworfene Roller nicht in Frage: Die App zeigt eine geringe Reichweite an. Ich bin mir nicht sicher, ob es damit in die Innenstadt reicht. Das ist an diesem Tag meine Strecke: Wie komme ich mit dem E-Scooter von den Hochschulen zum Marktplatz?

Schließlich finde ich ein passendes Gefährt. Ich scanne den QR-Code, danach erklärt mir die App mit einfachen Bildern, wie ich starte, Gas gebe und parke. Vorsichtig nehme ich mit einem Bein Schwung, mit der rechten Hand drücke ich aufs Gas. Und schon fahre ich los. Ich bin begeistert, wie einfach das ist.

Nach ein paar Übungsrunden auf dem Parkplatz bin ich startklar und traue mich auf die Straße. Die Reuteallee entlang fühle ich mich sehr wohl auf dem E-Scooter. Doch dann nähere ich mich der Heilbronner Straße. Die Ampel für Rechtsabbieger zeigt Grün. Ich drücke aufs Gas, gleichzeitig merke ich, wie sich meine Hände um den Lenker verkrampfen. Ich möchte über die Bismarckstraße in die Innenstadt fahren, muss die B27 also überqueren. Ich schaue hin und her, ob auch wirklich kein Auto kommt, und fahre dann mit mulmigen Gefühl auf die große Straße. Sobald ich auf der Bismarckstraße bin, geht es mir besser. Erleichtert düse ich die Straße entlang, weiche souverän einem entgegenkommenden Laster aus und wundere mich, wie viele Schlaglöcher und Unebenheiten eine Straße haben kann. An einer Ampel stehe ich an erster Stelle. Hinter mir höre ich ein Auto. Der Fahrer spielt mit dem Gaspedal, was mich nervös macht. Ich schaffe es, die Asperger Straße hoch, auch wenn der Roller immer langsamer wird. Über den Holzmarkt holpert es ziemlich. Mit dem E-Scooter über Pflastersteine zu fahren – das macht keinen Spaß.

Am Marktplatz beende ich die Fahrt. Die App zeigt an: 2,28 Euro wurden meinem Paypal-Konto abgezogen. Und das, obwohl ich 20Freiminuten hatte. Für mich als sparsame Schwäbin ist eins klar: Die Fahrt mit dem E-Scooter macht schon Spaß. Das nächste Mal nehm ich aber lieber wieder meine eigenen Füße. Mit denen dauert es zwar etwas länger, aber sie buchen mir wenigstens keine 19 Cent pro Minute ab.Keine gute Idee: Carolin Schneider fährt über Pflastersteine.

Mein Fazit:

  • Potitiv: App einfach zu bedienen
  • Positiv: Code für Freiminuten auf www.ludwigsburg.de/e-scooter
  • Negativ: Pausieren der Fahrt kostet gleich viel wie das Fahren: 19 Cent pro Minute
  • Negativ: Handzeichen beim Abbiegen schwierig, da gleichzeitig Gas gegeben werden muss

Von Stadtteil zu Stadtteil

Tretroller bin ich zuletzt als Kind gefahren, jetzt bin ich gespannt auf die Variante mit E-Antrieb. Die App von Zeus habe ich mir am Abend vorher aufs Smartphone geladen. Zur Begrüßung gibt es zehn Euro Bonus geschenkt. Das gefällt mir. Mit elf Euro Guthaben in der App und meinem Helm unterm Arm starte ich am nächsten Morgen. Der Plan: In Neckarweihingen einen E-Scooter suchen, am Neckar rumkurven und dann den Berg hoch in die Innenstadt. In den Stadtteilen gibt es zwar keine ausgewiesenen Scooter-Stellplätze, doch die Stadtverwaltung hatte versprochen, dass diese dort täglich verfügbar sein sollen. Doch an diesem Tag wird mir in der App weder in Neckarweihingen noch in Hoheneck ein Zeus Scooter angezeigt. Also passe ich meine Route dem Angebot an. In der Innenstadt stehen genug E-Scooter bereit, am Blüba-Haupteingangs werde ich fündig. Ich scanne den QR-Code, die App weist mich darauf hin, dass ich mindestens 14 Jahre alt sein sollte, empfiehlt mir einen Helm – und schon kann es losgehen. Die erste Überraschung: Der E-Scooter ist richtig schwer. Vorsichtig mache ich auf dem Gehweg die ersten Fahrversuche. Eigentlich ist Fahren auf dem Gehweg nicht erlaubt, aber zum Üben will ich nicht auf die Straße. Es ist ein bisschen wie Autoscooter fahren – die erste Runde ist noch etwas holprig und dann macht es richtig Spaß.

Eigentlich wollte ich ja den E-Antrieb bergauf testen, jetzt fahre ich auf dem Radweg am Schloss vorbei. Das ruckelt heftig, denn der Belag ist nicht mehr der Beste. Auf dem Radweg an der Marbacher Straße läuft es angenehmer, nur die Nähe zu Autos und Lastwagen ist mir unangenehm. Fast eine Stunde kurve ich nun auf diesem dreirädrigen E-Scooter-Modell rum und es macht immer mehr Spaß. Bis zu 20 Stundenkilometer schnell kann ich damit fahren. Wenn ich mir unterwegs etwas anschauen oder ein Foto machen will, kann ich in der App die Pausetaste drücken. Die Pause kostet mich nur 5 Cent, statt 19 Cent pro Fahrtminute. Und da die Zeit so schnell vergeht, freut sich der Geldbeutel über diese Funktion. Nach einer Stunde Rollerspaß klicke ich auf Fahrt beenden. Ich muss noch ein Foto hochladen und damit beweisen, dass ich ordentlich geparkt habe.

Wem das Spazierengehen in Coronazeiten langweilig wird, kann mit einer E-Scooter-Tour für Abwechselung an der frischen Luft sorgen. Für einen Familienausflug eignen sich die E-Scooter nur, wenn die Kinder mindestens 14 Jahre alt sind. Bevor es auf die Straße geht, sollte man eine Übungsrunde drehen.

Mein Fazit:

  • Positiv: Großer Fahrspaß
  • Positiv: Pause-Funktion minimiert Kosten bei Stopps. Wer häufiger fährt, kann mit Wochenpass oder Monatskarte sparen.
  • Negativ: Bei unebenem Belag und größerem Tempo ruckelt es heftig.
  • Negativ: Keine Möglichkeit das Smartphone einzustecken.

Wie der Test sonst gelaufen ist und weitere Eindrücke erhalten Sie im Video:

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