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Wo ist nur all das Gold vom Raub geblieben?

Rapper Xatar, will über den spektakulären Überfall einen Film drehen

Dieser Werttransporter wurde von den Tätern, die sich als Polizeibeamte verkleideten, von der Autobahn gelockt und in ihre Gewalt gebracht. Foto: Polizei
Dieser Werttransporter wurde von den Tätern, die sich als Polizeibeamte verkleideten, von der Autobahn gelockt und in ihre Gewalt gebracht. Foto: Polizei

Im Goldraub-Nachfolgeprozess beherrscht eine Frage das Geschehen: Wo sind die 120 Kilo Altgold, die vor elf Jahren auf der A81 bei Ludwigsburg geraubt wurden? Dass es in der Urform nicht mehr existiert, davon geht selbst der Staatsanwalt aus. Es müsse wohl in kompakter Form (eingeschmolzen) verwertet worden sein, sagte der Ankläger schon im ersten Verfahren gegen den Rap-Musiker Giwar Hajabi alias Xatar und seine fünf damaligen Mittäter.

Aber gerade jetzt im neuen Verfahren vor dem Stuttgarter Landgericht gegen einen mutmaßlichen siebten Mann aus Bonn, dem Mittäterschaft vorgeworfen wird, weil er eines seiner Speditionsfahrzeuge zum Abtransport der 1,7 Millionen Euro wertvollen Beute zur Verfügung gestellt habe, hat der Zeuge Xatar einen interessanten Hinweis gegeben. Nicht im Zeugenstand, denn da haben es die Richter der 17. Großen Strafkammer sogar vermieden, ihn nach dem Verbleib der Goldbeute zu fragen. Xatar selbst wollte hierzu nicht befragt werden. Aber auf dem Gerichtsflur war der 39-Jährige doch etwas gesprächiger: Das Gold-Geheimnis werde gelüftet, ließ er die Presse wissen.

Auf Rückfrage, wie dieses Geheimnis gelüftet werde, gibt der Rap-Musiker, der seine Strafe längst abgesessen hat, bekannt, dass er als Filmemacher aktiv werde. Ein Spielfilm über den Goldraub, wahrscheinlich unter seiner Regie, soll das Rätsel aufdecken. Das werde im kommenden Jahr 2022 geschehen.

Dass der Rapper dazu in der Lage ist, zeigt sein Werdegang nach seiner Haftentlassung; Er hat bereits mehrere Alben veröffentlicht und seine Autobiografie in Buchform. Als Musik-Manager und Produzent ist er voll im Geschäft. Auch im Schmuck- und Goldhandel ist er aktiv. Die Produktionskosten für den Film könnte er somit offenbar finanzieren. Auf die letzte Frage unserer Zeitung, ob das Gold noch irgendwo lagert, schmunzelt Xatar vielsagend und verlässt das Gerichtsgebäude.

Indes ging am Freitag das – allerdings nur wenige Stunden dauernde – Verfahren gegen seinen mutmaßlichen letzten Mittäter weiter. Der 36-jährige Angeklagte hat seine Unschuld beteuert. Und die verurteilten, wieder freien Akteure vom Ludwigsburger Goldraub haben im Zeugenstand bis jetzt auch nichts zu dessen Beschuldigung beigetragen.

Aber auch die Ludwigsburger Polizei gibt jetzt im Zeugenstand der 17. Großen Strafkammer knirschend zu, dass sie damals, an jenem 16. November 2009, auf einer Streifenfahrt das Geschehen unter einer Autobahnbrücke gänzlich falsch eingeschätzt habe. Man war auf Streifenfahrt zunächst von Asperg kommend in Richtung A81 unterwegs, sagte einer der damaligen Beamten im Zeugenstand.

Dann sah man, dass unter der Autobahnbrücke bei Ludwigsburg-Nord ein schwarzer BMW, dahinter ein weißer Mercedes-Sprinter, angehalten wurden. Die Kollegen von der Zivilstreife seien unterwegs, habe er noch zu seinem Beifahrer gesagt, so der Zeuge. Da standen mehrere Personen auf der Straße, einige in Handschellen. Man sei langsam an der „Kontrollstelle“ vorbeigefahren, sagte der Beamte. Genau diese Szene hatten im ersten Prozess die Angeklagten auch beschrieben und noch betont, wie sie lachend ihre vorbeifahrenden „Kollegen“ mit Handzeichen begrüßt hatten.

Erst viel später erfuhren die echten Streifenkollegen, was tatsächlich dort passiert ist: der Überfall auf den aus Nürnberg kommenden Gold-Transporter. Wie berichtet, hatten die Angeklagten den Transporter als angebliche Zoll- und Steuerfahnder angehalten und das Gold im Wert von 1,7 Millionen Euro geraubt.

Der Prozess ist vorerst bis zum 26. März unterbrochen worden.

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