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Neubau

Wohnungsbau mit Sozialauftrag

Städtische Wohnungsbau und private Bauträger haben sich Ziele gesetzt – Oft verzweifelte Suche nach günstigen Wohnungen

Ludwigsburg. Günstige Wohnungen sind in Ludwigsburg rar. Seit langem schon. Selbst in Notfällen ist es schwierig, etwas zu finden. So schildert eine Familie, der gekündigt worden ist, dass sie mit zwei Kindern bei den Eltern in die Dreizimmer-Wohnung einziehen musste. Auf dem freien Markt gibt es nichts. Oft hilft die Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL) weiter, die 2300 Wohnungen verwaltet. Doch auch sie habe nichts anbieten können, so die Familie.

Dass es auf dem Wohnungsmarkt sehr eng zugeht, bestätigt die Wohnungsbau. 1292 Interessenten stehen auf der Warteliste. Allerdings helfe man in Notfällen immer weiter, vor allem wenn auch Kinder betroffen sind. Wenn‘s nicht anders geht, stehen Obdachlosenunterkünfte zur Verfügung, etwa in der Teinacher Straße.

Doch es trifft auch die Mitte der Gesellschaft, so WBL-Geschäftsführer Andreas Veit. Was früher schon von Mietervereinen bemängelt wurde, ist eingetreten. Oft können sich auch Berufstätige trotz regelmäßigem Einkommen keine angemessene Mietwohnung mehr leisten. Das trifft junge Familien, Alleinerziehende und immer mehr auch ältere Menschen, die mit ihrer Rente auskommen müssen.

Wohnen in der Stadt wird zum Luxus. Damit es nicht dabei bleibt, wird der lange vernachlässigte Sozialwohnungsbau wieder angekurbelt. Auch das Land hat dies erkannt, zumal viele günstige Wohnungen aus der Sozialbindung herausfallen – was die Situation weiter verschärft hätte. Bei der Wohnungsbau wären 141 Wohnungen betroffen gewesen, diese können dank der Förderung als Sozialwohnungen gehalten werden. Darüber hinaus wandelt die WBL 131 bestehende Wohnungen – quer über die Stadt verteilt – mit der Förderung in günstige Wohnungen um. Insgesamt hat die WBL damit 800 Sozialwohnungen.

Die WBL hat sich aber auch ein Bauprogramm auferlegt, mit dem Sozialwohnungen und preisgünstige Fair-Wohnen-Wohnungen neu entstehen sollen. Auch private Bauträger ziehen mit und haben sich verpflichtet, bei Neubauprojekten günstigen Wohnraum zu schaffen. Der Gemeinderat und die Verwaltung haben dafür die Grundlagen gelegt. Ein Aspekt dabei ist, dass nicht mehr wie früher – etwa auf der Hartenecker Höhe – die Grundstücke meistbietend verkauft werden.

Erste Bauprojekte in Ludwigsburg sind in Sicht. Am Sonnenberg wird bereits gebaut, dort entstehen 60 Wohnungen, 32 sind Fair-Wohnen-Mietwohnungen, zehn sind Sozialwohnungen. In der Heinrich-Schweitzer-Straße in der Weststadt werden derzeit ältere Gebäude abgerissen, in einem Neubau sollen von 50 Wohnungen 25 Fair-Wohnen-Wohnungen sein. In der Nachbarschaft regt sich Widerstand, nicht überall sind Bauvorhaben willkommen.

Ein Neubau entsteht hinterm früheren Kurhotel in der Marbacher Straße mit 24 Sozialwohnungen. In einem zweiten Schritt soll das Kurhotel (Veit: „Es ist stadtbildprägend“) saniert werden, in dem ehemalige Obdachlose wohnen.

In der Abelstraße sind fünf Wohnungen entstanden, davon ist eine behindertengerecht. Im Gebiet Muldenäcker entstehen 24 Mietwohnungen, mit dem Bau will man dieses Jahr beginnen. Das größte Projekt mit mehreren hundert Wohnungen ist in Grünbühl. Dort werden alte Bima-Wohnblocks abgerissen, Ende 2018 will die WBL bauen. Vorerst 100 bis 110 Wohnungen entstehen auf dem südlichen Teil des Bima-Areals, dazu eine neue Kita. Zu einem Drittel werden es Sozialwohnungen und Fair-Wohnen-Wohnungen sein.

In größerem Stil entstehen ab 2019 in der Jägerhofkaserne Sozialwohnungen. Geplant sind 170 Wohnungen, zur Hälfte werden es Sozialwohnungen. Die Sorge, dass durch die hohe Dichte an einem Ort soziale Einseitigkeiten entstehen, teilt Veit nicht. Es werde einen „guten Mix“ geben, weil auch Berufstätige bereits berechtigt sind, günstigen Wohnraum in Anspruch zu nehmen. Wer ein Jahreseinkommen bis zu 65 600 Euro (Vier-Personen-Haushalt) hat, gelte bereits als anspruchsberechtigt.

Insgesamt hat die WBL 34 Sozialwohnungen und 158 Fair-Wohnen-Wohnungen im Programm, plus Bima-Gelände und Schauinsland, wofür es noch keine konkreten Zahlen gibt. Das alles zu stemmen, sei nicht einfach, so Veit. Die Förderung sei zu gering, die Baukosten seien im letzten Jahrzehnt um 50 Prozent gestiegen. Das Land müsse hier nachbessern, um wirklich in den Städten etwas zu bewegen.

Die privaten Bauträger haben sich ebenfalls dem Programm verpflichtet. Auf dem Baywa-Areal entstehen rund 100 Wohnungen, davon werden 18 im Fair-Wohnen-Modell angeboten. Im Gebiet Muldenäcker wird Wüstenrot bauen, dort soll jede fünfte Wohnung eine Sozialwohnung sein.

Im Neubaugebiet Schauinsland – die Wohnungsbau hat dort vier Grundstücke übernommen – werden auch private Bauträger zum Zug kommen. Dort sollen, diesmal mit einem Anteil von 30 Prozent, Sozialwohnungen entstehen.