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Kolumne Wirtschaftsnews
Wann sind Aktien-Investments auch ethisch vertretbar?

Blick in den Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse.
Blick in den Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse. Foto: Arne Dedert/dpa
Ob Aktien von Rüstungsunternehmen und US-KI-Firmen dauerhaft rentabel sind, ist die eine Frage. Die andere: Was tun, wenn sich auch das Gewissen meldet?

Kreis Ludwigsburg. Termin bei der Vermögensberatung. Es geht um den Aktienmarkt. Auf dem Bildschirm im Besprechungsraum erscheint die Entwicklung von Aktienkursen der vergangenen Monate. Der Experte erklärt, wie überraschend sich der Markt entwickeln kann. Als Beispiel nimmt er die Aktie von Sandisk. Der Name ist den meisten vertraut als Hersteller von Speichermedien. Dümpelte die Aktie vor einem Jahr noch vor sich hin, hat sie sich mit dem Boom von Künstlicher Intelligenz (KI) und dem damit verbundenen enormen Bedarf an Speichermedien im Wert innerhalb weniger Wochen extrem nach oben entwickelt.

Auf dem Markt rund um KI herrscht momentan eine Art Goldgräberstimmung. Kein Wunder, dass Unternehmen wie OpenAI auch einen Börsengang erwägen. Doch inzwischen gibt es bei Anlegern Vorbehalte. Nicht wegen einer grundsätzlichen Ablehnung von KI, sondern wegen der Vorherrschaft der US-Konzerne. Erst kürzlich hat der US-amerikanische Papst Leo XIV. in seiner Sozialenzyklika „Magnifica Humanitas“ vor den Gefahren der KI aufgrund der Machtkonzentration bei den US-Monopolen gewarnt, weil es dann vor allem um Profitinteressen geht. Deshalb fordert er die „Entwaffnung“ der KI, damit diese dem Gemeinwohl dient.

Bewusstseinwandel bei Rüstungsaktien?

Doch stabil sind die Aktienkurse im Bereich der KI nicht. Denn bisher ist auch für Analysten noch nicht klar, ob sich die milliardenschweren Hoffnungen der Branche erfüllen werden. Ähnlich ist es bei den Waffenherstellern. So ist bis Anfang vergangenen Jahres die Aktie des Rüstungskonzerns Rheinmetall um 1000 Prozent gestiegen. Seit es in Deutschland um „Kriegstüchtigkeit“ geht, die USA sich immer mehr aus Europa zurückziehen und Russland gegen die Ukraine Krieg führt, ist die Rüstungsindustrie zu einem zentralen Faktor der deutschen Wirtschaft geworden. Dafür, dass dies überhaupt in der Gesellschaft breite Akzeptanz findet, hat es im Gegensatz zum Aufstieg von KI eines Bewusstseinwandels bedurft. Lange Zeit war die Rüstungsindustrie sehr umstritten.

Angeprangert wurde von Kritikern zum Beispiel, dass deutsche Waffen in Kriegsgebiete exportiert wurden. Inzwischen hat es einen Meinungsumschwung gegeben. Selbst überzeugte Kriegsdienstverweigerer bezweifeln, ob sie sich heute noch genauso entscheiden würden angesichts der Zahl der Konflikte in der Welt und der Bedrohung der Demokratie weltweit.

Wann ist eine Geldanlage ehtisch vertretbar?

Selbst die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat in ihrer aktuellen Friedensdenkschrift Abschied genommen von ihrem prinzipiellen Pazifismus. Ein Krieg zur eigenen Verteidigung gilt als genauso legitim wie Waffenlieferungen an die Ukraine. Selbst ein überzeugter Pazifist wie der Experte für internationale Beziehungen, Andreas Zumach, ist für Waffenlieferungen an die Ukraine. Das schlägt sich auch auf den Finanzmärkten nieder.

In Deutschland gelten inzwischen Aktien von Rüstungsunternehmen unter bestimmten Bedingungen aufgrund der geopolitischen Verschiebungen als nachhaltig. So dürfen laut EU-Vorgaben Rüstungsunternehmen auch Teil von nachhaltigen ESG-Fonds sein. Laut einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox findet inzwischen eine Mehrheit der deutschen Anlegerinnen und Anleger Investments in Rüstung grundsätzlich als ethisch vertretbar. Doch obwohl Investments in Rüstung hohe Renditen versprechen, weil viele Länder ihre Verteidigungsausgaben erhöht haben, gibt es Gegenwind. Die Diskussion bleibt kontrovers.

Rainer Lang ist Journalist und schreibt regelmäßig in der LKZ.
Rainer Lang ist Journalist und schreibt regelmäßig in der LKZ. Foto: privat

So schließt die Evangelische Bank Rüstungskonzerne aus ihren ethisch-nachhaltigen Geldanlagen weiterhin konsequent aus. Und bei der GLS Bank sind Investitionen in die Rüstungsindustrie bei ethischem Investment ebenfalls strikt ausgeschlossen. Die Bank ist der Überzeugung, dass Waffen und Kriegführung der Nachhaltigkeit widersprechen, weil Waffen auf Vernichtung angelegt sind. Deshalb kritisiert sie konsequent alle Versuche der EU-Finanzwirtschaft, Investitionen in Rüstung als nachhaltig zu deklarieren. Ethische Grundsatzdebatten sind auch in der Finanzbranche wichtig, um bei aller Euphorie über wachsende Profite in boomenden Branchen das rechte Maß und humane Werte nicht aus dem Blick zu verlieren.

Zweifel an der Nachhaltigkeit im Blick auf die Rüstungsindustrie wird inzwischen durchaus auch von Wirtschaftsexperten geäußert. Die Automobilindustrie scheint ihr Heil in der Beteiligung an der Rüstungsindustrie zu sehen. Sowohl Mercedes als auch VW erwägen den Einstieg in die Branche. Doch darin sehen Fachleute keine Lösung der Krise der Branche. Denn damt machen sie sich wie die Rüstungsindustrie von einer Art von Auftraggebern abhängig – den Staaten. Und niemand kann im Moment vorhersagen, wie die nächste geopolitische Wende aussieht.

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