Leitende Geschäftsführerin der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg
Damit die hiesige Wirtschaft wieder auf einen Wachstumspfad gelangt, sind wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Produktivitätsstärkung nötig. Deutschland braucht dringender denn je eine Wende durch Reformen. Bislang lässt der breit angelegte Aufschwung 2026 noch auf sich warten, das zeigen ganz aktuell die Ergebnisse der vom Institut der deutschen Wirtschaft zum Jahreswechsel 2025/2026 befragten 46 Wirtschaftsverbände und das berichten uns auch unsere Unternehmen hier im Landkreis.
Die geplanten Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung sowie die geringe Zahl der Feiertage könnten positive Wachstumsaussichten sein. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer erwartet einen kleinen Zuwachs von 0,7 Prozent. Die Rückmeldungen zur Geschäftslage der im IHK-Bezirk Ludwigsburg befragten Unternehmen sind seit dem Frühsommer 2024 negativ. Die Kombination aus lang anhaltender Nachfrageschwäche bei gleichzeitig hohem Kostendruck zehrt an der Substanz der Betriebe. Handelskonflikte, Protektionismus und diverse geopolitische Krisen belasten die Weltwirtschaft und bremsen unsere exportorientierte Industrie aus, was deren Zulieferer und Dienstleister mit trifft. Verunsicherte Konsumenten erhöhen ihre Sparneigung und verschieben größere Anschaffungen. Das bekommen der Handel und die Konsumgüterproduzenten zu spüren.
Die Unternehmen warten dringend darauf, dass im Geschäftsalltag konkrete Entlastungen spürbar werden, beim Bürokratieabbau und bei den Kostenfaktoren Arbeit, Energie und Steuern. Ohne positive Perspektive bleibt es bei einer ausgeprägten Investitionszurückhaltung: Bei unserer letzten Umfrage zur Wirtschaftslage standen lediglich 14 Prozent „zunehmen“ rund 35 Prozent „abnehmen“ Rückmeldungen zu den inländischen Investitionsplanungen gegenüber.
Es besteht kein Zweifel, die Lage ist sehr ernst und 2026 wird nach drei Jahren der Stagnation ein ganz entscheidendes Jahr. Es gilt jetzt, schnell die strukturellen Probleme bei den Energie- und Arbeitskosten in den Griff zu bekommen und die Staatsmodernisierung auf allen Ebenen anzugehen. Nur so wird es wieder mehr Grundvertrauen in unseren Standort geben, werden sich Investitionen hier besser rechnen und neuen volkswirtschaftlichen Schwung bringen.
Unser Wirtschaftsraum ist geprägt von einer guten Mischung aus kleineren, mittelgroßen und größeren Unternehmen unterschiedlicher Branchen, die bei förderlichen Standortbedingungen eine hohe Anpassungs- und Innovationsfähigkeit haben und neue Märkte erschließen können. Nicht zuletzt durch die duale Ausbildung und die darauf aufsetzenden Aufstiegsweiterbildungen haben wir ein in der Breite hoch qualifiziertes Fachkräftepotenzial.
Was speziell in unserer Wirtschaftsregion zu tun ist, um die Weichen in Richtung Zukunftsfähigkeit zu stellen, kann man im aktuellen Strukturbericht Region Stuttgart 2025 in Form von Handlungsempfehlungen nachlesen. Diese betreffen die drei miteinander verzahnten Aktionsfelder zielgruppenspezifische Fachkräftesicherung, erfolgreiche Gestaltung der Transformation durch Innovation sowie zukunftsorientierte Infrastruktur. Die Aufforderung am Ende des Strukturberichts bringt es auf den Punkt: Es gilt – im Schulterschluss der Agierenden in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft – den Wandel aktiv zu steuern, Innovation zu leben und Potenziale zu nutzen. In diesem Sinne blicken wir mit Zuversicht auf ein gutes, besseres Jahr 2026!
