Logo

«Neues kennenlernen»

Gerhard Delling kündigt Abschied von der ARD an

Gerhard Delling wird nach dem Ende der Saison in der Fußball-Bundesliga die ARD verlassen. Nach über 30 Jahren ist Schluss. Kult wurde er im Duo mit Günter Netzer.

Gerhard Delling und Günter Netzer
Die Sportmoderatoren Gerhard Delling (l) und Günter Netzer 2006 in Hamburg. Foto: Ulrich Perrey

Hamburg (dpa) - Prominent ist, wer parodiert wird - nach dieser Definition hat es Gerhard Delling zu einem Bekanntheitsgrad gebracht, der weit über das übliche Maß selbst eines offentlich-rechtlichen TV-Sportmoderators hinausgeht.

Die legendären Wortgeplänkel mit seinem jahrelangen Moderatoren-Sidekick Günter Netzer lieferten unter anderen die Vorlage für die Radio-Comedy «Detzer & Nelling» bei Dellings Haussender NDR.

Der wortgewandte Delling und der einstige geniale Spielmacher Netzer bildeten von 1998 bis 2010 bei den Fußball-Übertragungen der ARD ein Moderatoren-Duo, das in seiner Art einmalig war und wohl bleiben wird. 2000 erhielten sie den Adolf-Grimme-Preis, acht Jahre später den Medienpreis für Sprachkultur. Nach der WM 2010 machte Netzer Schluss. Ihre kleinen Wortgefechte, gegenseitigen Sticheleien, ihr betontes Siezen waren da längst schon Kult geworden - und mit ihnen auch Delling.

Jetzt hat er via «Bild»-Zeitung seinen Abschied von der ARD nach dieser Bundesliga-Saison im Mai angekündigt. «Ich will nach den vielen Jahren jetzt Neues kennenlernen, will mich ausprobieren, will noch viel lernen», sagte der 59-Jährige.

Er war aber nicht nur 50 Prozent des Duos Delling/Netzer. Auch vor und nach der TV-Ehe hatte der gebürtige Rendsburger in seinen Beiträgen eine eigene Note eingebracht. In seinen Kommentaren ist bei aller fachlicher Kompetenz häufig ein ironischer Unterton zu hören - ohne sich auf Kosten anderer lustig zu machen oder abzuwerten.

Seit 1987 steht er bei der TV-Institution «Sportschau» vor der Kamera. Bei Olympischen Spielen, Fußball-Welt- und Europameisterschaften sowie anderen sportlichen Großereignissen gehörte und gehört er zum ARD-Stammpersonal. Daneben wirkte er aber auch in Sendungen zu Themen wie Politik und Kultur mit.

Jetzt will Delling noch einmal etwas Neues versuchen, wie er angekündigt hat: Im April kommenden Jahres wird er 60. Digitale Angebote würden ihn reizen, sagte er der «Bild». «Ich denke über die Entwicklung einer Fußball-App nach. Und ich will noch ein Buch schreiben - vielleicht sogar einen Roman», beschrieb er seine Pläne.

Sein einstiger TV-Partner Netzer schickte Delling schon einmal einige nette Worte zum Abschied: «Er war das perfekte Glück, das ich beruflich gefunden habe», sagte der 74-Jährige in der «Bild». Er sei sich sicher, «dass die TV-Zuschauer meinen Freund, den Herrn Delling, niemals vergessen werden».