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Standort Schwieberdingen
Wandel zur E-Mobilität läuft bei Bosch auf Hochtouren

Vom Verbrenner zur Elektromobilität: Bosch investiert viel Geld in die Qualifizierung der Mitarbeiter. Foto: Bosch
Vom Verbrenner zur Elektromobilität: Bosch investiert viel Geld in die Qualifizierung der Mitarbeiter. Foto: Bosch
Bernd Grube, Ralf Schmid und Thomas Pauer (v.l.) am Entwicklungsstandort Schwieberdingen vor einem Bosch-Elektroantrieb. Foto: Ramona Theiss
Bernd Grube, Ralf Schmid und Thomas Pauer (v.l.) am Entwicklungsstandort Schwieberdingen vor einem Bosch-Elektroantrieb. Foto: Ramona Theiss
In Schwieberdingen hat das Unternehmen im September einen neuen Schnellladepark für E-Autos eröffnet. Und auch sonst treibt Bosch die Antriebswende voran.

Schwieberdingen. Betritt man das Bosch-Konferenzzentrum in Schwieberdingen, fallen einem als Erstes die schicke Bar-Theke und die große Bildschirmwand ins Auge, auf der die aktuelle Essensauswahl der Kantine präsentiert wird. Nicht, dass es für die Angestellten einzig und allein aufs leibliche Wohl ankommen würde. Aber es ist neben der guten technischen Ausstattung des Standorts eben ein weiterer Baustein, der die Arbeit in Schwieberdingen für Mitarbeiter attraktiv macht. Und das ist in Zeiten des Fachkräftemangels alles andere als unwichtig. Der Mangel sei durchaus spürbar, erklärt Ralf Schmid, zuständig für Elektrifizierung im Bereichsvorstand des Geschäftsfelds Powertrain Solutions, auch im Bereich E-Mobilität: „Viele Firmen laufen den gleichen Fachkräften hinterher.“

Aktuell arbeiten am Entwicklungsstandort Schwieberdingen 6300 Mitarbeiter, davon mehr als 2500 Softwareentwickler, berichtet Thomas Pauer, der Standortleiter in Schwieberdingen. Immerhin 200 Stellen sind aktuell offen, hauptsächlich aus dem Bereich E-Mobilität. Gleichzeitig habe man im Geschäft mit dem Verbrennungsmotor tendenziell einen sinkenden Personalbedarf, erläutert Bernd Grube, Personalleiter des Bereichs Powertrain Solutions. Bosch investiert deshalb über diverse Qualifizierungsprogramme hinweg in die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter. Zwischen sieben Wochen und zwölf Monaten dauert es etwa, sich im Rahmen des Programms „Mission to move“ weiterzubilden, das mit externen Partnern durchgeführt wird. Ein weiterer Baustein ist das Programm „Transfer 2.0“, in dem Mitarbeiter sich auf Stellen bewerben können, die erst in mittlerer Zukunft entstehen. Die Zwischenzeit kann für die Qualifizierung genutzt werden.

Allgemein könne man beim Thema Qualifizierung viel breiter denken als angenommen, weiß Schmid: Auch Menschen, die schon viele Jahre nicht mehr die Schulbank gedrückt hätten, könne man qualifizieren. Allerdings würden die auch rückmelden, dass die Weiterbildung anstrengend sei: „Die gehen dann wieder richtig auf die Hochschule.“

Viel Geld für Weiterbildung

Konzernweit hat Bosch in den vergangenen fünf Jahren eine Milliarde Euro in die Qualifizierung der Mitarbeiter gesteckt, so Grube. Dieselbe Summe soll in den kommenden fünf Jahren investiert werden. Dennoch, für jeden Bosch-Mitarbeiter aus dem Verbrennersektor ist wohl kein Platz in der neuen Ära der Elektromobilität. Man nutze auch den demografischen Rückgang, um den Abbau im Verbrennerbereich zu bewältigen, sagt Grube.

In den Standort Schwieberdingen fließen im laufenden Jahr elf Millionen Euro, darin enthalten sind unter anderem neue Prüfstände für E-Mobilität und eine Photovoltaikanlage. Zudem ist im laufenden Monat ein DC-Schnellladepark mit 350 Kilowatt Leistung in Betrieb genommen worden. Dort werden nicht nur Firmenautos mit Strom betankt, das Unternehmen testet auch das Zusammenspiel verschiedener Komponenten, etwa die Kommunikation zwischen Ladeeinheit des Autos und der E-Zapfsäule – und nicht zuletzt die Funktionalität der Bosch-Lade-App auf dem Handy.

Verzicht auf seltene Erden

Ganz so einfach wie mit dem gewohnten Zapfhahn ist das Stromtanken eben noch nicht immer und überall. Insgesamt ist der Sektor aber auch noch längst nicht am Ende der Möglichkeiten, wie Schmid erklärt. So habe Bosch ein smartes Ladekabel entwickelt, in das die Funktionalität einer Wallbox komplett integriert worden sei. Und auch bei der E-Antriebsmaschine gibt es noch viel zu tun, nicht zuletzt in Sachen Herstellung. So strebt Bosch nach Möglichkeit den Verzicht auf sogenannte seltene Erden an, bei schweren seltenen Erden habe man schon gute Fortschritte erzielt, so Schmid.

In Schwieberdingen dreht sich aber nicht alles um batteriebetriebene E-Mobilität. Man beschäftige sich auch intensiv mit dem Wasserstoffmotor, erklärt Standortleiter Pauer. Dieser sei besonders für langsamer fahrende Fahrzeuge wie Lkws oder Traktoren interessant.

Und das Thema Lademöglichkeiten, gerade in Städten? Ist lösbar, versichert Elektrifizierungsexperte Schmid. Es sei gar nicht nötig, dass jeder eine eigene Wallbox zu Hause habe, um sein Auto aufzuladen, denn beim Thema Schnellladen gehe es voran. Mit den entsprechenden Anschlüssen bekomme man seine Batterie relativ schnell von 20 auf 80 Prozent, auch wenn dies noch keine fünf Minuten dauere wie an der Tankstelle.

Eines jedenfalls scheint gewiss: Den Tausenden Entwicklern am Standort Schwieberdingen wird die Arbeit in den kommenden Jahren nicht ausgehen.