Serie (III)
Ludwigsburg | 17. März 2018

Als Wolfgang Holoch 07 in die 2. Liga schoss

Vor 40 Jahren qualifizierte sich die SpVgg 07 Ludwigsburg für die neue Oberliga Baden-Württemberg, sieben Jahre zuvor gelang sogar der Sprung in die zweithöchste deutsche Spielklasse. Die Schwarz-Gelben waren über Jahrzehnte gesetzt in der höchsten Amateurliga. Was ist aus den einstigen Größen geworden, was treiben sie heute?

Wolfgang Holoch nach dem letzten Meisterschaftsspiel 1971 in Ulm und der damit verbundenen Qualifikation der SpVgg 07 Ludwigsburg für die Aufstiegsrunde. Foto: Archiv
Wolfgang Holoch nach dem letzten Meisterschaftsspiel 1971 in Ulm und der damit verbundenen Qualifikation der SpVgg 07 Ludwigsburg für die Aufstiegsrunde. Foto: Archiv

Ludwigsburg. Wolfgang Holoch ist maßgeblich für den steilen Aufstieg von 07 verantwortlich, gleichzeitig aber auch für den sportlichen Absturz der Schwarz-Gelben: Erst sorgte er 1971 mit dem Aufstieg in die zweitklassige Regionalliga für eine enorme Fallhöhe, später führte er als Funktionär den SGV Freiberg an den Ludwigsburgern vorbei und beendete die 07-Dominanz als Platzhirsch im Kreis.

Württembergische Fußballgeschichte schrieb Wolfgang Holoch ganz nebenbei: Er stand im Oktober 1975 für die Stuttgarter Kickers gegen den VfB Stuttgart auf dem Feld und war mit seinem Führungstreffer beim 2:0-Erfolg entscheidend beteiligt am bis dato einzigen Derbysieg der Blauen in einem Punktspiel.

Holoch hat im ausverkauften Ludwig- Jahn-Stadion vor 15 000 Zuschauern gespielt. „Die Grundlage für meine Karriere habe ich in Ludwigsburg gelegt“, erinnert sich der heute 70-Jährige, „ohne 07 hätte ich nie für die Kickers und den 1. FC Nürnberg gespielt – die Aufstiegsmannschaft 1971 war eine ganz besondere Truppe. Noch heute treffen wir uns einmal im Jahr.“

Begonnen mit dem Kicken hat der Junge aus dem Stuttgarter Osten in der Jugend beim VfB Stuttgart. Damals schwärmte er für den 54-Weltmeister Max Morlock. Später wechselte er zum SC Stuttgart, spielte dort in der 2. Amateurliga drittklassig und wechselte 1968 auf den Fuchshof. „Der Verein hat viel in seine Mannschaft investiert“, erinnert er sich. „Ich kam als 20-Jähriger und wir sind als Aufstiegsfavorit gleich gescheitert.“ Am lediglich 1,70 Meter großen Mittelstürmer lag es nicht, er traf in seinen drei Spielzeiten fast immer, auf beinahe 20 Tore kam er regelmäßig. Er traf im Sitzen und im Liegen, wie seine Vorbilder Uwe Seeler und Gerd Müller. „Schnell und wieselflink“, wurden Holoch in den Gazetten stets als Attribute zugeschrieben. „Für meine Größe habe ich auch viele Kopfballtore gemacht“, sagt er, „ich war ein echter Strafraumstürmer und habe mich im Gewühl ganz vorne wohlgefühlt.“

07 rauschte durch die Decke: Erst der Aufstieg in die 1. Amateurliga und als Neuling sofort in die Regionalliga Süd. Mit 22 Toren überflügelte Holoch in der Aufstiegssaison 1970/71 sogar seinen kongenialen Sturmpartner Günther Schuh mit seinen 19 Treffern. „In Ludwigsburg herrschte in der Aufstiegsrunde eine unglaubliche Euphorie“, schwärmt der heutige Freiberger: „Gegen den Topfavoriten Waldhof Mannheim und den FC Singen hatten wir je 15 000 Zuschauer. Mehr gingen damals gar nicht rein.“

Mit seinem Spezi Schuh, dem Vater des heutigen Stürmer-Talents Timo Werner, wechselte Holoch nach dem Triumph zu den Stuttgarter Kickers – und legte eine solide Bundesligakarriere hin: In knapp 200 Zweitliga-Einsätzen machte er über 60 Tore, wie etwa das 1:0 beim Kickers-Erfolg 1975 gegen den VfB.

„Steak und Salat war das Ernährungs-Allheilmittel. Nudeln haben wir vor dem Spiel keine gesehen“, berichtet Holoch von einer anderen Zeit. „Getrunken wurde fast nichts. Bei den Kickers haben wir in der 2. Liga mittags um 16.30 Uhr nach der Arbeit trainiert. Eine Familie konnte man vom Kicken damals nicht ernähren.“ Aus seinem Kurzgastspiel beim Club in Nürnberg erinnert er sich an vogelwilde Trainingsmethoden: „Zweimal am Tag ging es in den Kraftraum, dazwischen haben wir acht, neun 400-Meter-Läufe gemacht – einmal musste ich mich beim Training vor Überanstrengung übergeben.“

Die FCN-Episode sollte eine kurze bleiben. 07 wollte ihn unbedingt zurück. Doch in einer Umbruchsaison, in der der Aufstieg ausgesetzt war, fehlte Holoch der sportliche Anreiz. Obwohl er im Versicherungsbereich wieder im Kreis Ludwigsburg arbeitete. Es verschlug ihn nach Freiberg. Dort kickte er noch ein Jahr für den SGV, ehe er den Verein als Fußball-Abteilungsleiter und später als Gesamtvereinsvorsitzender in der Oberliga an 07 vorbeiführte.

Heute kann Wolfgang Holoch von Einsätzen in Traditionsmannschaften an der Seite von Gerd Müller, Franz Beckenbauer oder Uwe Seeler berichten – und eben der großen 07-Zeit: „Wer erlebt hat, was in Ludwigsburg möglich ist, fragt sich, was heute aus 07 geworden ist.“

von klaus Teichmann
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