SpVgg 07 Ludwigsburg
Ludwigsburg | 11. Oktober 2017

Hoffnung keimt trotz drohender Insolvenz

Im April 2016 übernimmt eine neue sportliche Führung den Fußball-Landesligisten SpVgg 07 Ludwigsburg. „Den schlafenden Riesen wecken“ lautet das Motto. Ein Jahr später steht der Gesamtverein vor der Insolvenz. Der neue Vorstand muss in den kommenden Tagen 30 000 Euro aufbringen.

Am Ende der außerordentlichen Mitgliederversammlung keimte wieder ein wenig Hoffnung auf. Nach einer langen Aussprache mit Schuldzuweisungen und Unschuldsbeteuerungen wurde am Montagabend ein neuer Vorstand für die SpVgg 07 Ludwigsburg gewählt. Olaf Hötzel, bisher Präsident des Fanclubs Brigade Schwarz-Gelb, erklärte sich bereit, den Gesamtverein in der schwierigsten Lage seiner 110-jährigen Geschichte zu übernehmen. Ihm springen Wolfgang Metzger, Silvester Apro und Marijo Martincic bei, die schon bisher im Vorstand waren. Neu dazugekommen sind Alexandra Marzano und Holger Pressel.

Zwei bis drei Wochen bleiben dem Gremium nun, um zu prüfen, ob eine Insolvenz noch abzuwenden ist. „Das ist eine einzige Katastrophe. Es wird sehr schwierig werden“, sagte Gerd Maser. Der Ehrenpräsident leitete die Veranstaltung, in deren Verlauf das Ausmaß der Misere am Fuchshof deutlich wurde.

Wie genau es so weit kommen konnte, ist schwer zu durchschauen. Im April 2016 übernahmen die Unternehmer Klaus Zürn und Jürgen Friedrich die Geschicke des ehemaligen Fußball-Zweit- und Drittligisten. Gleichzeitig wurde unter dem Motto „Den schlafenden Riesen wecken“ eine Marketingoffensive gestartet. „Wir wollten mit 07 in die Oberliga“, sagt Zürn heute. Apro, damals 2. Vorsitzender, habe sich nach eigenem Bekunden von der Euphorie benebeln lassen, wie er am Montag berichtete. Mit einem Etat, höher als bei manchem Oberligisten, und einer Startruppe, ging es in die Saison 2016/17. Doch der Aufstieg in die Verbandsliga misslang deutlich. Und auch im Vorstand rumorte es.

Es bildeten sich zwei Fraktionen. Die langjährigen Funktionäre Metzger (Instandhaltung), Martincic (Jugend) und Apro (2. Vorsitzender) auf der einen, die Unternehmer Thomas Rettig (1. Vorsitzender), Klaus Zürn (Sportlicher Leiter), Jürgen Friedrich (Sport und Organisation) auf der anderen Seite. Thorsten Majer (Recht und Vertragswesen) und Philipp Maier (Marketing) hielten sich laut eigenen Aussagen heraus und schmissen genervt hin. Bis Mitte August war der Verein schließlich völlig führungslos. Darüber, wer wann zurücktrat, gibt es heute unterschiedliche Angaben.

Auch warum die deutliche Etatüberschreitung nicht beglichen wurde, ist umstritten. Zürn berichtete gestern, dass er, Friedrich, Rettig und der ehemalige Vorstand Erik Bayer jeweils 10 000 Euro spenden wollten, um das Finanzloch zu stopfen. Zürn hat den Betrag nach eigenen Angaben auch bezahlt. „Nach meiner Spende sind Martincic, Apro und Metzger zurückgetreten, obwohl es anders ausgemacht war“, sagte Zürn. Dann haben Friedrich, Rettig und Bayer von ihrer Spende Abstand genommen. „Dass Geld fehlt, wenn man die zahlungskräftigen Unternehmen vom Hof jagt, braucht einen nicht zu wundern“, meinte Rettig gestern. Metzger und Co. widersprechen dieser Version und werfen der sportlichen Leitung Intransparenz vor. Wie es genau ablief und wer Recht hat, wird sich kaum mehr aufklären lassen.

Die Folgen sind allerdings eindeutig. Wie Metzger erzählte, bekamen alle Vorstände im Sommer Post vom Finanzamt. Die Behörden erstatteten wegen der schlechten Buchführung Anzeige wegen Steuerhinterziehung. Gerd Maser, der ein Steuerberaterbüro führt, arbeitete die vergangenen Monate in den zurückliegenden Wochen akribisch auf. Das Verfahren ist mittlerweile eingestellt und der Verein bekam sogar etwas Geld zurück. Masers Urteil fiel am Montag dennoch vernichtend aus. Je tiefer er ins Detail ging, desto stiller wurde es in der vollbesetzten Sportgaststätte. „Alle Konten sind derzeit abgeräumt“, sagte der frühere Vorsitzende und meinte damit das Konto des Gesamtvereins und der 1. Mannschaft. Das Geld floß in die 1. Mannschaft. Zudem seien 30 000 Euro offen, die nun bezahlt werden müssen. Bis August 2018 fielen weitere Kosten im unteren sechsstelligen Bereich an, so Maser. Angesichts dieser Lage werten es viele schon als Erfolg, dass sich am Montag überhaupt eine neue Führungsriege gefunden hat. Während Rettig, Friedrich und Zürn abwesend waren und nicht entlastet wurden, gaben die Mitglieder Apro, Metzger und Martincic erneut das Vertrauen. Der neue Vorsitzende Hötzel ist ebenso neu in der Führungsriege wie Pressel und Marzano. „Mir geht es darum, den Verein am Leben zu halten. Das wichtigste, was wir im Moment brauchen, sind Leute, die Herz für 07 haben“, sagte Hötzel. Am Donnerstag kommt das neue Gremium erstmals zusammen.

Marco Jaisle
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