Vorrunde
Ludwigsburg | 09. Dezember 2017

Bietigheimer Fest geht zu Ende

Nach einer Woche endet die WM-Gruppenphase und damit auch die Partien in der Ege Trans-Arena

Jamina Roberts. Foto: Baumann
Jamina Roberts. Foto: Baumann
Die Schwedin Daniela Gustin (links) im umkämpften Duell um den Ball mit der Argentinierin Macarena Sans. Foto: Baumann
Die Schwedin Daniela Gustin (links) im umkämpften Duell um den Ball mit der Argentinierin Macarena Sans. Foto: Baumann

Bietigheim. Selbst sieben Stunden nach dem Handball-WM-Spiel der Ungarinnen am Donnerstagmittag standen zwei Fans in grün-weiß-roter Kleidung mitten auf der Tribüne der Ege Trans-Arena und sangen munter weiter. Zu diesem Zeitpunkt lief bereits das Abendspiel zwischen Norwegen und Tschechien. „Die meiste Stimmung kommt tatsächlich aus Ungarn“, bestätigt Thilo Dittmann, Vorsitzender des Lokalen Organisationskommitees (LOK), „obwohl zahlenmäßig die Fans aus Skandinavien überlegen sind.“

Die Vorrunde der WM ist nun beendet und somit auch die Spiele in der Ege Trans-Arena. Zuvor spielten Norwegen, Schweden, Ungarn, Tschechien, Polen und Argentinien in Gruppe B ums Weiterkommen.

Als vor rund zwei Jahren bekanntgegeben wurde, dass die Bietigheimer Arena einer der Spielorte bei der WM wird, begann für das LOK die Planung. „Zu Beginn haben wir optimistisch mit insgesamt 20 000 Zuschauern gerechnet, das wurde aber übertroffen“, erzählt Dittmann. Von 30 000 Besuchern ist aktuell sogar die Rede.

Nicht nur Dittmann zollt der Atmosphäre bei der Heim-WM Respekt, auch für international erfahrene Handballspielerinnen ist die Resonanz bisher außergewöhnlich. Selbst Sabina Jacobsen, die über 100 Länderspiele für Schweden absolviert hat, gab sich ob der Bietigheimer Festspiele überrascht: „Die Atmosphäre ist wirklich sehr gut. Mit so vielen Fans hätte ich nicht gerechnet“, so die 28-jährige Rückraumspielerin. Auch an ihrer Teamkollegin Jamina Roberts ging die Unterstützung nicht spurlos vorbei: „Man merkt sogar, dass auch neutrale Zuschauer uns anfeuern.“ „Die Stimmung ist wirklich klasse. Ich bin vielleicht voreingenommen, aber auch wenn ich Übertragungen aus anderen Hallen sehe, ist das hier in Bietigheim außergewöhnlich“, schwärmt auch Dittmann. Nach all dem Aufwand konnte er das Ereignis ohnehin erst ab dem zweiten Spieltag genießen, „davor war es eher mit Anspannung verbunden“, bescheinigt er. Umso mehr hätte ihn gefreut, weitere WM-Partien in der Ege Trans-Arena zu sehen. Stattdessen fiel gestern Abend mit dem Spiel Norwegen gegen Schweden der Vorhang auf der ganz großen Bühne in der Arena und das Abenteuer WM in Bietigheim ging zu Ende.„Finalspiele wären natürlich eine tolle Sache gewesen, aber wenn man sieht, dass Hamburg schon ausverkauft ist, haben wir hier keine Chance“, so Dittmann. Er habe ohnehin ein lachendes und ein weinendes Auge, dass die Woche so schnell rum ging.

Zum Projekt Heim-WM gehörte für die Bietigheimer auch ein enormes Rahmenprogramm. Unter anderem wurde eine Fanzone in der Halle am Viadukt errichtet, wo neben einer Eröffnungsparty und Public Viewing nahezu täglich Bands und andere Künstler für kulturelle Highlights sorgten. Nur in diesem Aspekt wirkt Dittmann ein wenig traurig, denn „das Rahmenprogramm wurde zwar angenommen, aber nicht so stark, wie wir erhofft hatten.“ Womöglich, das vermutet der Leiter des LOK, war die Entfernung zur Halle am Viadukt zu groß. „Denn wer dort war, war sehr zufrieden“, bescheinigt er.

Am Ende bleibt trotzdem eine sehr positive Bilanz. Und womöglich haben die Besucher sogar den zukünftigen Weltmeister gesehen. Denn mit den Norwegerinnen spielte der Titelverteidiger in der Gruppe B stark auf und beeindruckte sowohl die Fans als auch Organisator Dittmann: „Sie sind für mich klarer Favorit. Sie haben eine unglaubliche Dynamik.“

Philipp BÖhl
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Handball-Tabellen
Sporttabellen Handball