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Basketball

Alexander Reil von den MHP-Riesen Ludwigsburg im Interview: „Wir bleiben bei unserer Philosophie“

Riesen-Boss Alexander Reil über das Champions-League-Final-Four und den Umgang mit dem möglichen Preisgeld

Alexander Reil in der erneut nicht ausverkauften MHP-Arena: Der 1. Vorsitzende der Riesen hofft zukünftig auf mehr Zuschauer bei Ludwigsburger Heimspielen. Foto: Baumann
Alexander Reil in der erneut nicht ausverkauften MHP-Arena: Der 1. Vorsitzende der Riesen hofft zukünftig auf mehr Zuschauer bei Ludwigsburger Heimspielen. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Vor den Play-offs der Basketball-Bundesliga steht für die MHP-Riesen Ludwigsburg von Freitag bis Sonntag in Bilbao der Saisonhöhepunkt an. Beim Final Four der Champions League soll der erste internationale Titel der Vereinsgeschichte her. Im Interview spricht der Präsident der BBL und 1. Vorsitzende der Riesen, Alexander Reil, über den Spagat zwischen Bundesliga und Champions League, wie man mit dem Preisgeld umgehen würde und die langsame Rückkehr der Fans.

Am Sonntag haben die Riesen deutlich gegen Oldenburg verloren und Platz vier in der BBL abgeben müssen. War diese Niederlage dem kommenden Final Four in Bilbao geschuldet?

Alexander Reil: Es ist ärgerlich und wahrscheinlich haben wir den Heimvorteil in den Play-offs-verspielt. Wir haben aber sicher nicht gesagt, wir nehmen die Niederlage in Kauf, weil Bilbao wichtiger für uns ist. Trotzdem hat man bei dem einen oder anderen Spieler das Gefühl gehabt, dass er nicht wirklich auf dem Feld stand.

Nun ist das Final Four der Saisonhöhepunkt. Wie setzen Sie die Prioritäten zwischen BBL und Champions League?

Grundsätzlich hat für mich die Liga immer Priorität, weil sie länger läuft und das Interesse daran größer ist. Jetzt haben wir uns aber für das Final Four qualifiziert und können mit zwei Siegen einen Titel gewinnen. Das ist in der Liga nicht so einfach. Deswegen hat dieses Wochenende schon eine gewisse Priorität. Wir müssen es hinkriegen, den Schalter wieder umzulegen.

Glauben Sie, dass die Mannschaft das schafft? Sie hat bisher in entscheidenden Spielen immer starke Auftritte gezeigt.

Das Finalturnier ist für jeden Spieler etwas Besonderes. Ob man dann dem Druck gerecht wird, kann ich schlecht abschätzen. Ich erinnere mich an das Final Four in Athen vor vier Jahren. Damals hatten wir das Pech, dass zwei Leistungsträger ausgefallen sind, aber auch, dass andere Leistungsträger mit dem Druck nicht umgehen konnten und wir sang- und klanglos im Halbfinale untergegangen sind.

Beinahe zwei Jahre waren die Fans während der Coronapandemie außen vor, die Rückkehr verläuft nun schleppend, was die Zuschauerzahlen angeht. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung?

Natürlich haben wir gehofft – insbesondere aufgrund der Erfolge der letzten drei Jahre – dass der Zuspruch größer ist. Anders gesagt: Was hätten wir eigentlich noch mehr aufs Parkett bringen müssen, damit die Resonanz höher ist? Wir haben vor sechs Wochen angefangen, frühere Dauerkartenbesitzer, die jetzt nicht mehr kommen, telefonisch zu befragen, wieso das so ist. Da ist bei über 70 Prozent der Hauptgrund die Angst vor Corona.

Haben die niedrigen Zuschauerzahlen auch noch andere Gründe?

Klar, hinzu kommt ein gewisser Gewöhnungseffekt. Viele sagen, dass es eben so schlecht nicht war, daheim auf dem Sofa die Spiele zu schauen.

Wenn man zum Eishockey oder Handball schaut, scheint es, als würden dort die Zuschauerzahlen schneller wieder an jene von vor Corona herankommen.

Es gab mal jemanden, der gesagt hat, er geht jetzt zu den Bietigheim Steelers. Dort sei es etwas Besonderes, weil die schließlich die letzten Jahre nie erste Eishockey-Liga gespielt haben. Bei uns sei es ja nicht so schlimm, wir würden ja jedes Jahr Basketball-Bundesliga spielen. Wir hatten in den letzten drei Jahren tolle Erfolge, aber dadurch, dass das relativ stabil war, ist da eine gewisse Selbstverständlichkeit da. Und man sieht auch in der ganzen Liga: Der Zuschauerzuspruch ist dort am höchsten, wo es keine Konkurrenz gibt. In Oldenburg, Bamberg, Bonn und Ulm – und selbst bei denen kommen weniger Zuschauer als vor der Pandemie.

Man erinnert sich auch an die Anfänge in der MHP-Arena. Damals hat es gute drei Jahre gedauert, bis der Zuspruch da war und die Halle voll wurde. Sind Sie optimistisch, dort wieder hinzukommen?

Ja, wenn uns Corona nicht jedes Jahr einen Strich durch die Rechnung macht. Wenn wir gezwungen sind, im Herbst oder Winter wieder nur 30 Prozent in die Halle zu lassen und alles wieder von vorne anfängt, wird es irgendwann auch schwierig für die Clubs, das alles zu überstehen.

Wie schätzen Sie die Bedeutung der Champions League ein im Vergleich mit anderen internationalen Wettbewerben?

Die Euroleague ist sicher der stärkste internationale Wettbewerb. Danach schenken sich die Champions League und der Eurocup nichts mehr. Es gibt in beiden Wettbewerben Topteams, ich finde aber den Spielmodus in der Champions League deutlich besser als im Eurocup, wo die Teams 14 Vorrundenspiele haben. Da verliert ein Spiel schnell an Bedeutung.

Wie sieht es in der nächsten Saison aus? Werden die Riesen wieder in der Champions League spielen?

Wenn wir uns qualifizieren, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir auch mitspielen werden. Was andere Wettbewerbe angeht, kann ich mir aktuell schwer vorstellen, dass wir nach so vielen Jahren in der Champions League beispielsweise in den Eurocup wechseln. Das wäre utopisch.

Genauso utopisch wäre auch die Teilnahme an der Euroleague?

Diese Frage würde sich nur stellen, wenn wir deutscher Meister werden würden. Aber bei dem aktuellen System ist das sehr unrealistisch. Eine Best-of-Five-Serie in den Play-offs beispielsweise gegen Bayern München zu gewinnen, ist kaum möglich.

Die Champions League hat einen hohen finanziellen Anreiz. Eine Million Euro bekommt der Sieger. Wie wichtig ist es aus rein finanziellen Gründen, in der Champions League weiter zu kommen?

Da wir nicht so abgehoben sind und die Million eingeplant haben, bekommen wir keine finanziellen Schwierigkeiten, wenn wir das Turnier nicht gewinnen. Solch einen Betrag mitzunehmen, würde uns aber auch nach der Coronazeit weiterhelfen.

Wie würde der Betrag die Riesen weiterbringen? Gäbe es die Option, Starspieler so womöglich länger zu binden?

Wir bleiben bei unserer Philosophie: Wenn wir die Million gewinnen, werden wir keineswegs alles in Spieler investieren. Man muss auch immer überlegen, ob man zwei Spieler in der Mannschaft haben möchte, die das Gehaltsgefüge sprengen. Das Geld würde uns helfen, aber niemals die Grundlagen des Vereins verändern.

Gibt es auch Prämien Ihrer Sponsoren im Fall eines Champions-League-Sieges?

Wir haben fünf oder sechs Partner, die schon mehr bezahlen, wenn wir international spielen. Dazu gab es auch eine gewisse Prämie für das Erreichen des Final Four. Wenn wir jetzt Vierter werden, können wir sagen, dass das ganze Champions-League-Geschäft eine Schwarze Null schreibt.

Wie wären die Prämien für die anderen Plätze in der Champions League?

Wir liegen jetzt gerade bei rund 150000 Euro Prämien in der bisherigen Champions-League-Saison. Durch einen vierten Platz käme da nicht viel hinzu. Wenn wir Zweiter werden würden, wären es insgesamt 350000 Euro an Prämien.

Würde man Teile der Prämie nutzen, um einen Spieler wie Jonah Radebaugh, der sich hervorragend entwickelt hat und bei den Fans sehr beliebt ist, zu halten?

Ich würde liebend gerne mit ihm verlängern. Wir führen auch Gespräche, aber was glauben Sie, welche Angebote der hat? Wenn das nur ansatzweise zu tragen kommt, sage ich für uns: keine Chance.

Aber der Wille ist da, ihn zu halten?

Klar! Aber ein Extrembeispiel: Wenn ein Spieler bei einem anderen Verein 500000 Euro netto verdienen könnte, würden wir da niemals mitziehen, auch wenn wir uns das für ein Jahr leisten könnten. Wir würden niemals einen Spieler im Team haben, der so viel mehr als die anderen verdient.

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