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Basketball

In Emangas Kopf hat’s Klick gemacht

Am US-College bekommt man nichts geschenkt. Diese Erfahrung musste der Marbacher Basketballer Quirin Emanga Noupoue in seinem ersten Jahr in Boston machen. Doch der 19-Jährige hat aus seinen Erfahrungen gelernt. Bald will der ehemalige Spieler der MHP-Riesen Ludwigsburg neu angreifen.

Talentierter Basketballer: Quirin „Kiwi“ Emanga Noupoue.Foto: privat
Talentierter Basketballer: Quirin „Kiwi“ Emanga Noupoue. Foto: privat

Ludwigsburg/Marbach. Seit Quirin Emanga Noupoue 14 Jahre alt war, träumte er von einem Basketball-Stipendium in den USA. Vor einem Jahr bekam der Marbacher einen Platz an der Northeastern University in Boston. Ein Vollstipendium, das Unterkunft, Verpflegung, Studiengebühren, Taschengeld abdeckt – und eine Basketballausbildung auf höchstem Niveau. Doch nach seinen ersten zwölf Monaten in Übersee sagt der Marbacher: „Es war nicht, wie ich es mir vorgestellt habe. Es war schwierig für mich.“

Seit wenigen Tagen ist er zurück aus Boston. Durch die Coronakrise musste er Hals über Kopf aufbrechen, kam aber ohne Probleme zurück in die Heimat, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. Die nächsten Wochen wird er in Marbach bei seiner Mutter und seiner Schwester verbringen. In seinem ersten Jahr in den USA musste Emanga lernen, dass die Erfüllung seines Traumes zunächst einmal harte Arbeit bedeutet: „Ich war viel auf der Bank. Das war sehr frustrierend für mich.“

Nach überragendem Jahr in die USA

Der 19-Jährige kam mit nach einem für ihn überragenden Jahr in Boston an: Leistungsträger im U 19-Bundesliga-Team der Porsche Basketball-Akademie Ludwigsburg, viele Minuten mit starken Auftritten für die MHP-Riesen in der Bundesliga und der Champions League. Überhaupt war es Emanga, den alle liebevoll „Kiwi“ nennen, immer gewohnt zu spielen. In jeder Altersklasse gehörte er zu den Besten und bei den Riesen schenkte im Trainer John Patrick von Beginn an viel Vertrauen, das er dann mit guten Leistungen zurückzahlte. „Es war eine ganz neue Situation für mich“, stellt er fest.

Selbstbewusst trat Emanga sein neues Leben in den USA an, wurde jedoch schnell von den straffen Hierarchien am College ausgebremst. Vier Jahre dauert seine Ausbildung. Das bedeutet, dass er auch mit älteren Spielern in einem Team steht und sich als sogenannter Freshman hinten anstellen muss. „Es macht einen sehr großen Unterschied, ob man neu dabei ist oder bereits die dritte oder vierte Saison spielt“, berichtet er.

Während es im Sommer noch gut lief, wurde es im Herbst ernst. Erst dann stießen die Trainer hinzu, das Spielsystem wurde einstudiert. „Das war wie ein Kulturschock für mich. Ich war zu sehr an Ludwigsburg und den europäischen Basketball gewöhnt“, erklärt er. Während in Deutschland und insbesondere in Ludwigsburg viel Wert auf Körperlichkeit und Defensive gelegt wird, zählen in den USA andere Tugenden. Einzelne Spieler stehen mehr im Mittelpunkt, die Abläufe in der Offensive unterscheiden sich.

„Ich hatte mehr Heimweh, als ich gedacht hätte, auch weil das Jahr nicht einfach war“, gesteht der ehemalige Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums. Über Videotelefonie hält er den Kontakt mit Freunden und Familie in der Heimat. Bereut hat er den Schritt in die USA aber zu keiner Zeit, wie er betont: „Ich bin überglücklich, dass ich auf dem College bin und versuche, nach vorne zu schauen.“

Emanga gab nicht auf. Er tauschte sich mit älteren Spielern des Teams aus, die von ähnlichen Erfahrungen berichteten. Er redete viel mit dem Co-Trainer. „Im Dezember hat es Klick gemacht in meinem Kopf“, blickt Emanga zurück. Fortan versuchte er, sich durch Extraschichten im Kraftraum und beim Werfen sowie noch mehr Einsatz im Training mehr Minuten zu erarbeiten. Sportlich lief es für das Team durchschnittlich. Viele Spiele gingen kurz vor Schluss verloren. Die angepeilte Qualifikation für das nationale March-Madness-Endrundenturnier wurde knapp verpasst. „Es war eine interessante Saison, aber am Ende sehr frustrierend“, berichtet Emanga.

Für eine Studienrichtung entschieden

In den vergangenen Monaten hat Emanga aber nicht nur Basketball gespielt, sondern sich auch auf sein Studium vorbereitet. Nachdem er im ersten Semester Betriebswirtschaftskurse besucht hatte, schnupperte er im zweiten Semester in Grafikdesign. „Ich habe mich entschieden, Grafikdesign und im Nebenfach Sportjournalismus zu studieren“, sagt der angehende Student. Sein Zweierzimmer im Wohnheim wird er nächstes Semester nicht mehr beziehen. Stattdessen wird er mit drei Teamkameraden in einem Appartement auf dem Campus wohnen. Vormittags Unterricht, nachmittags Training, so wird in der Regel sein Alltag aussehen.

Die nächsten Wochen wird Quirin Emanga in Marbach verbringen. Wie lange, das hängt ab von der Coronakrise. Auch wie er sich nun fit halten soll, ist die Frage. Ursprünglich wollte er mit den MHP-Riesen in der Rundsporthalle trainieren. „Ich habe mit David McCray und David Gale viel Kontakt gehalten und auch versucht, so viele Ludwigsburger Spiele wie möglich anzuschauen. Ich freue mich sehr, die Riesen-Familie wieder zu sehen, so bald es möglich ist “, sagt Emanga. Nun muss er wie viele andere Sportler improvisieren. Ohnehin würde er Anfang Juli gerne zurück in die USA. Er will sich so früh und so gut wie möglich auf die neue Saison vorbereiten, sich selbstbewusst zeigen und aus seinem ersten Jahr lernen: „Sobald der Herbst kommt, wird es ernst, dann muss ich mich im Training zeigen.“

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