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Basketball

Ludwigsburg gegen Hamburg Towers: Zittersieg mit Beigeschmack

Mit 88:87 schlagen die MHP-Riesen Ludwigsburg die Hamburg Towers. Für Gesprächsstoff sorgt zum Auftakt der Basketball-Bundesliga mit Oscar da Silva ein Spieler, der gar nicht mal im Kader stand. Es bahnt sich ein Wechsel nach Berlin an.

Von Alter keine Spur: Tremmell Darden beweist seine besondere Athletik. Foto: Baumann
Von Alter keine Spur: Tremmell Darden beweist seine besondere Athletik. Foto: Baumann

Ludwigsburg. Es hätte ein rundum gelungener Auftakt sein können, dieser erste Spieltag der Basketball-Bundesliga-Saison 2021/22 der MHP-Riesen Ludwigsburg. Denn für ausreichend – aus Sicht der Riesen positiven – Gesprächsstoff sorgte zunächst die emotionale Rückkehr von 1860 Zuschauern in die MHP-Arena nach zwei coronabedingten Geisterspielzeiten und 602 Tagen ohne Heimspielatmosphäre. Dann war da noch Tremmell Darden, der mit 39 Jahren in seiner zweiten Saison im gelb-schwarzen Trikot sein wohl bestes Spiel für die Ludwigsburger zeigte. Und letztlich natürlich der spannende 88:87-Heimsieg gegen die Hamburg Towers.

Doch überschattet wurde der fröhliche Samstagabend von einem Mann, der gar nicht in der Halle war: Oscar da Silva. Der Center der Riesen hatte sich laut Angaben von Ludwigsburgs Trainer John Patrick vier Stunden vor Spielbeginn per Textnachricht abgemeldet. „Ich habe heute um 16.30Uhr eine Nachricht gekriegt, dass Oscar auf seinem Weg nach Berlin ist. Das ist das erste Mal, dass mir ein Spieler ohne Verhandlungen oder Papierarbeit eine Nachricht schickt, dass er auf dem Weg zu einem anderen Verein ist“, zeigte sich Patrick verwundert ob eines möglichen Wechsels zu Meister Alba Berlin. Zuvor habe da Silva noch wie an Spieltagen üblich am Training teilgenommen. Am Mittwoch hatte der Deutsche seinen Mitspielern sogar anlässlich seines 23. Geburtstags Kuchen mit ins Training in der MHP-Arena gebracht. Nun der scheinbar schnelle Sinneswandel. Von Alba-Seite gab es bis gestern keine Stellungnahme.

Nun machten sich die Riesen also am Samstag ohne da Silva, dafür aber mit dem kurz zuvor vorgestellten Neuzugang Jaylen Hands auf, in heimischer Halle an die erfolgreiche Saison 2020/21 anzuknüpfen. Das ging anfangs jedoch ordentlich schief. Caleb Homesley schenkte nervösen Riesen in drei Minuten zehn Punkte ein. Beim Stand von 11:20 nahm Patrick eine Auszeit. „Wir haben unseren Job in den ersten Minuten nicht gemacht. Es war ein typisches erstes Saisonspiel“, sagte Patrick über den holprigen Auftakt. „Man hat gesehen, dass wir verkrampft waren.“

Routinier Darden reißt das Spiel an sich

Die Verkrampfung löste sich – wenn auch nur langsam. Darden, der älteste Spieler der Liga, versenkte mit der Schlusssirene des ersten Viertels einen Dreier zum 24:27. In der Folge wurde von beiden Teams Basketball gearbeitet. Riesen-Neuzugang Yoeli Childs erkämpfte sich Rebound um Rebound, traf aber nur einen von sieben Freiwürfen. „Yoeli ist eigentlich ein guter Freiwerfer“, schmunzelte Patrick. Childs’ Präsenz tat dem Riesen-Spiel dennoch gut. Dabei profitierte er vom Ausfall von Towers-Center Maik Kotsar. „Dieses Problem konnten wir nicht lösen“, sagte Coach Pedro Calles.

Absetzen konnte sich dagegen keines der beiden Teams. Führten zur Halbzeit noch die Riesen mit einem Punkt (48:47), gingen die Towers mit einem 69:68 ins Schlussviertel und schnupperten an der Überraschung. Doch Routinier Darden hatte etwas dagegen. Insgesamt 21 Punkte legte er bis zum Spielende auf, hinzu kamen sieben Rebounds und ein wichtiger Block gegen Eddy Edigin beim Stand von 87:82 drei Minuten vor dem Ende. Da beide Offensiven in der Schlussphase stockten, war die Partie nach einem Airball von Hamburgs Jaylon Brown gegen eine giftige Verteidigung von Jonah Radebaugh zugunsten der Riesen entschieden.

„Ich habe großen Respekt und Bewunderung für Darden, nicht nur für das Spiel heute, sondern seine ganze Karriere. Ludwigsburg kann sich glücklich schätzen, ein solches Vorbild im Kader zu haben“, schwärmte Calles. Dabei war es im Grunde keine Überraschung, was noch in Darden steckt. Häufig hat der Routinier schon bewiesen, dass er mit Athletik, Erfahrung und Klasse problemlos mit den jüngeren Spielern mithalten kann. Lediglich mit seinen Einsatzzeiten müssen die Riesen haushalten. „Wie viele Minuten hat er gespielt? 27? Das ist ein bisschen zu viel“, sagte Patrick mit einem Grinsen. Doch dass Darden länger als geplant auf dem Parkett stand, zeigte auch, welchen Einfluss er am Samstag auf das Spiel nahm.

Zwischenzeitlich musste Darden auch als Center aushelfen – was auch an da Silvas Fehlen gelegen haben könnte. Von dessen Fernbleiben war in der Halle nicht viel zu merken. Euphorische Fans rissen sich nach dem ersten Sieg vor Publikum seit 602 Tagen sogar das Shirt vom Körper. Ganz so viel Euphorie kam bei den Riesen-Verantwortlichen nicht auf. Patrick bezeichnete da Silvas Aktion als „enttäuschend“. Ob er wieder für die Riesen spielen werde, wollte Patrick weder bestätigen noch dementieren. Da Silvas Vertrag läuft eigentlich noch bis 2023.

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