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Basketball

Ludwigsburgs Basketball-Trainer John Patrick folgt dem Ruf aus Japan

Die MHP-Riesen Ludwigsburg haben eine der erfolgreichsten Basketball-Spielzeiten ihrer 62-jährigen Vereinsgeschichte hinter sich. Seit Montag steht aber fest: Erfolgstrainer John Patrick wird den Club in Richtung Japan verlassen.

Ende einer Ära: Trainer John Patrick (rechts) beendet sein Engagement bei den MHP-Riesen Ludwigsburg und wird nach Japan wechseln. Foto: Baumann
Ende einer Ära: Trainer John Patrick (rechts) beendet sein Engagement bei den MHP-Riesen Ludwigsburg und wird nach Japan wechseln. Foto: Baumann

Ludwigsburg. „Ja, ich habe soeben einen Anruf vom General-Manager des japanischen Clubs erhalten. Ich denke, wir werden eine gemeinsame Lösung finden“, räumte Riesen-Präsident Alexander Reil am Montagnachmittag auf Anfrage unserer Zeitung ein. Damit dürfte der Weggang des Erfolgstrainers „JP“, der in den vergangenen neun Jahren in Ludwigsburg eine Basketball-Ära geprägt hat, nur noch eine Formalie sein. Aller Voraussicht nach wird der 54-jährige US-Amerikaner, der auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, im Oktober zum japanischen Club Chiba Jets Funabashi wechseln. Chiba Jets ist ein professionelles Basketballteam aus der Präfektur Chiba östlich von Tokio. Das Team trat 2005 der JBL Super League bei und tritt derzeit in der B-League an. Die 31000 Quadratmeter große Lala Arena Tokyo Bay soll im Frühjahr 2024 eröffnet werden.

Mehrwöchige Spekulationen beendet

Mit dieser Entscheidung findet eine mehrwöchige Spekulation um die Zukunft des Trainers und damit auch um die Zukunft des Vereins MHP-Riesen Ludwigsburg, ihr vorläufiges Ende. Noch am Pfingstsonntag während der Saison-Abschlussfeier der MHP-Riesen in der Rundsporthalle war Patrick der Frage nach seiner eigenen Zukunft „aus Respekt vor der großen Leistung meiner Mannschaft in dieser Saison“ ausgewichen. Ja, er habe ein Angebot aus Japan, aber konkret könne er noch keine Angaben machen. Auf LKZ-Nachfrage räumte Patrick, der bereits in den Jahren 2005 und 2006 beim japanischen Club Toyota Alvark erfolgreich tätig war, allerdings ein, dass er von dem Angebot selbst in den sozialen Medien erfahren habe noch bevor er selbst es erhalten habe. Für ihn sei die Offerte deswegen reizvoll, weil die Saison in Japan erst im Oktober beginnt und er eine mehrmonatige Pause, auch aus privaten und familiären Gründen, dringend benötige. Seinen Vorstellungen nach solle der Kontrakt für eine Saison gelten, auch wenn das Angebot einen Zweijahresvertrag vorsehe. Zudem reize es ihn, in Japan lediglich als Headcoach arbeiten zu können und nicht in weitere Funktionen eingebunden zu sein. Was seine Familie betreffe, so Patrick, werden seine Frau und seine fünf Kinder wohl in Deutschland bleiben. Er selbst könne sich eine Rückkehr vorstellen. „Meine Heimat ist schließlich Ludwigsburg“, so der Erfolgscoach.

Josh King heißer Nachfolge-Anwärter

Für Alexander Reil dürften derweil schwierige Monate beginnen. Sollte Patrick, der seit Beginn seines Engagements im Frühjahr 2013 den Verein von einem Abstiegskandidaten zu einem Club mit nationalem und internationalem Renommee geführt hatte, seinem Entschluss verwirklichen, müssten nicht nur ein neuer Coach, sondern auch ein neuer Sportdirektor gefunden werden. Patrick war in seiner Amtszeit maßgeblich für die Zusammenstellung des Teams verantwortlich. Der Kader musste jedes Jahr nahezu gänzlich neu aufgestellt werden, nicht zuletzt deswegen, weil viele Spieler dank ihrer unter Patrick erworbenen besseren Klasse reizvollen Angeboten folgten. Erster Kandidat für die Patrick-Nachfolge wäre wohl Josh King, der nach seinem Engagement als Co-Trainer in Ludwigsburg im Sommer 2021 als Headcoach nach USK Prag wechselte.

Dass es zwischen Reil und Patrick zu Spannungen kam, weisen beide Protagonisten weit von sich. „Natürlich hätten wir ihn gerne gehalten, es gab keine Probleme. Aber er kam letztlich auf uns zu und bat uns – auch wegen des großen Zeitaufwandes – um Freigabe“, so Reil. Wenn es einen solchen Wunsch gäbe, sei die Konstellation immer schwierig, so Reil, „wir können ihn ja schließlich nicht mit Handschellen an uns ketten.“ Für John Patrick, der bei den Riesen noch einen Vertrag bis 2023 besitzt, ist die Trennung ein tiefer Lebenseinschnitt. Dass er die Riesen und Reil nicht im Zorn verlässt, zeigte sich am Montagabend: Patrick rief bei Reil an und fragte, wo der denn das Halbfinalspiel Bayern gegen Bonn schauen wolle. „Bei mir“, schlug Reil kurzerhand vor. Gesagt, getan.

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