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Interview

„Als Trainer bist du der Erste, der geht“

Als Interimstrainer hat der Kirchheimer Markus Lang die SG Sonnenhof Großaspach in der dritten Fußballliga gehalten. Im Interview spricht der ehemalige Spieler des SGV Freiberg und des TSV Schwieberdingen über seine Ambitionen, die fehlende Fußballlehrerlizenz und Straßenfußballer.

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Großaspach. Mit zwei Siegen aus den letzten zwei Spielen haben Sie als Interimstrainer die SG Sonnenhof Großaspach vor dem Abstieg in die Regionalliga bewahrt. Sie waren nach dem Schlusspfiff im letzten Saisonspiel sichtlich ergriffen. Wie groß war der Druck, der da von Ihnen abgefallen ist?

Markus Lang: Das war ein Riesendruck. Mit dem Abstieg wäre nicht nur das Sportliche verbunden, da würden auch Arbeitsplätze dranhängen und vieles mehr. Ich hatte eine große Verantwortung in diesen zwei Wochen. Auch von der Intensität und vom Umfang war das viel. Wenn das dann erfolgreich beendet wird, löst sich die Anspannung und das sieht man auch.

Aktuell sind Sie Sportlicher Leiter Talentförderung, waren Trainer der ersten Mannschaft und sind Trainer der U.19. Zudem kooperieren Sie mit Ihrer Fußballschule Elfwerken mit der Dorfklub-Fußballschule der SG Sonnenhof – ist das überhaupt miteinander zu vereinen?

Die Elfwerken - Dorfklub Fußballschule ist eine tolle Sache. Dennoch waren diese zwei Wochen, in denen ich Trainer der ersten Mannschaft war, sehr zeitintensiv. Ich war morgens um acht auf dem Vereinsgelände und bin abends um halb elf vom Hof gefahren. Und daheim wartet mein Schreibtisch mit meiner eigentlichen Arbeit, denn die Fußballschule ist mein Standbein. Zwei Wochen konnte ich das so machen, auf Dauer ist das kein Zustand.

Wie sieht Ihre Arbeit mit der Fußballschule aus?

Wir machen nicht nur Fußballtraining, sondern auch Gesundheitsprogramme an Grundschulen und in Kindergärten. Zudem bieten wir Nachmittagsbetreuung und Fußballstützpunkte an. Hinzu kommen Torwartprogramme sowie eine Kinderballschule. Das Geschäft läuft, mittlerweile im zwölften Jahr. Da wäre es fatal, das für einen Trainerjob, der womöglich nur kurzfristig ist, aufzugeben.

Das Interesse von Vereinen wäre aber da?

Ich habe schon zwei, drei Mal die Möglichkeit gehabt, Mannschaften zu trainieren, wo es dann daran gescheitert ist, dass mir die Fußballlehrerlizenz fehlt. Das ist schade, wenn man einen Job nicht antreten kann, weil die Voraussetzungen dafür nicht vorhanden sind.

Sie haben versucht, die Fußballlehrerlizenz zu erhalten, haben jedoch keinen Kursplatz bekommen.

Genau. Ich habe die Prüfung vor sechs Wochen bestanden, der Platz wurde mir aber leider nicht zugeteilt. Nächstes Jahr werde ich es erneut versuchen. Mit der Referenz der zwei Spiele in der dritten Fußball-Liga sind meine Chancen sicherlich gestiegen.

Haben die Drittligaspiele Lust auf mehr gemacht?

Das ist ein schmaler Grat, wenn man überlegt, dass man in der dritten Liga für ein Auswärtsspiel in Köln 48 Stunden unterwegs ist, um 90 Minuten Fußball zu spielen. Ich habe daheim drei Kinder zwischen sieben und elf Jahren. Wenn ich jetzt sage, ich setze alles auf die Karte Fußballtrainer, muss ich abwägen, ob es für mich infrage kommt: Unterschreibe ich für ein Jahr beispielsweise in Ostdeutschland, werde dort womöglich nach einem halben Jahr gefeuert, wohne bis dahin im Hotel, weil meine Frau sagt, sie bleibt zu- hause? Zudem bin ich mit 43 nicht mehr der Jüngste. Die zwei Wochen zum Saisonende waren eine Ausnahmesituation. Jetzt aber zu sagen, ich gehe ein Jahr als Trainer weiter weg, dafür bin ich zu bodenständig.

Sie haben als Spieler unter anderem für den SGV Freiberg und den TSV Schwieberdingen gespielt. Was hat Ihnen zum Fußballprofi gefehlt?

Der Ehrgeiz.

Bereuen Sie das?

Natürlich. Wenn man älter wird und ins Trainergeschäft wechselt, weiß man, was man damals hätte anders machen müssen.

Versuchen Sie heute, diesen Ehrgeiz Ihren Spielern beizubringen?

Ein Spieler mit 18 oder 20 muss wissen, was er will. Den Jungs wird ja auch sehr viel abgenommen. Die haben eine Trainingseinheit am Tag, dann geht man etwas essen, vielleicht in Behandlung. Das ist nicht einmal ein richtiger Arbeitstag. Es ist schade, zu sehen, wie manche damit umgehen.

Wenn Sie die Wahl hätten zwischen einer großen Karriere als Trainer oder als Spieler: Wofür würden Sie sich entscheiden?

Für die Spielerkarriere, weil man viel weniger Verantwortung hat. Das ist der Unterschied zum Trainerdasein. Als Spieler gehe ich samstags um 14 Uhr zum Spiel, absolviere die 90 Minuten, ärgere mich, wenn wir verloren haben, freue mich, wenn wir gewonnen haben und dann ist das Ding zu Ende. Als Trainer bist du aber der Erste, der geht, wenn es nicht läuft.

In Ihrer Zeit als Trainer der TSG Backnang haben Sie die Mannschaft von der Landes- in die Oberliga geführt, sind dann aber gegangen – wieso?

Da gab es mehrere Gründe. Ich habe mir aber auch gesagt: Jetzt bist du in vier Jahren zweimal aufgestiegen. Ich bin keiner, der gerne gegen den Abstieg oder um die goldene Ananas spielt. Ich brauche eine Perspektive und die habe ich nach dem Oberligaaufstieg nicht mehr gesehen. Das ist wie ein kleines Lebenswerk, das ich dann positiv beenden konnte…

…was Trainern nur selten gelingt.

Ich entscheide gerne selbst, wann eine Trainertätigkeit zu Ende ist. Ich würde mich nicht gerne rausschmeißen lassen. Das war auch noch nie der Fall. Der Tag wird aber sicher irgendwann kommen. Das wird mich auch hart treffen, weil ich da viel Herzblut reinstecke.

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