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Interview

„Dorfklub wird gelebt und ist authentisch“

Vor 25 Jahren ging die SG Sonnenhof Großaspach aus der Fusion des FC Sonnenhof Kleinaspach und der Spvgg Großaspach hervor. Heute Abend feiert der Fußball-Drittligist dieses Jubiläum mit seinen Fans. Einer der Väter des Erfolgs ist Spielerberater und Hotelier Uli Ferber. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er über den steilen Aufstieg des Dorfvereins.

Ein Mann mit Weitsicht: Uli Ferber.Foto: Baumann
Ein Mann mit Weitsicht: Uli Ferber. Foto: Baumann

Aspach. Die Jubiläumsfeier heute Abend im Stadion des Fußball-Drittligisten soll zur SG Sonnenhof Großaspach passen. „Ohne Bankett, im dörflichen Rahmen“, sagt Uli Ferber im Interview mit unserer Zeitung über die Veranstaltung, die um 18.30 Uhr beginnt. Der Hotelier, Spielerberater und Ehemann von Schlagerstar Andrea Berg hat den steilen Aufstieg des Dorfklubs von der Bezirksliga bis in die 3. Liga entscheidend mitgestaltet.

Mit welchen Ambitionen erfolgte vor 25 Jahren der Zusammenschluss zwischen dem FC Sonnenhof Kleinaspach und der Spvgg Großaspach?

Uli Ferber: Das waren zwei von vier fußballtreibenden Vereinen hier in der Gemeinde. Es war ein Ansinnen, das Ganze kompakter zu machen. Erst war ein FC Aspach im Gespräch, aber da gab es zu viele Gegenströmungen. Schließlich haben der FC Sonnenhof und die Spvgg Großaspach von ihrer jeweiligen Mitgliederversammlung die Mehrheit bekommen, Fusionsgespräche zu führen. Das Ziel war damals nicht, möglichst weit nach oben zu kommen.

Die Verbands- oder Bundesebene war bei den Fusionsgesprächen damals also noch gar kein Thema?

Die Verbandsebene schon. Die TSG Backnang oder die Spvgg 07 Ludwigsburg waren damals Vereine, an denen wir uns orientiert haben und wo wir uns gefragt haben, was wir besser machen könnten. Damit haben wir diese Traditionsvereine kontinuierlich überholt und das hat am Ende zu den Aufstiegen geführt. Ein großes Thema war auch die Infrastruktur, denn es war viel zu wenig Platzkapazität vorhanden. Mit unsere ersten Projekte nach der Fusion waren der Bau eines Kunstrasens und die Modernisierung des Vereinsheims. Die Anlage war in einem sehr desolaten Zustand.

Gab es eine Weggabelung, an der sich der Verein die Grundsatzfrage Leistungssport oder Breitensport stellte?

2009 sind wir in die Regionalliga, also die vierthöchste Spielklasse, aufgestiegen. Da gab es schon enorme Auflagen. Das war der erste Punkt, an dem wir Gespräche führen mussten, ob wir das wollen und es hinbekommen. Das Wollen war keine Frage, aber wir hatten kein Stadion. Das war eigentlich ein K.-o.-Kriterium. Also haben wir geschaut, wie das auf privatem Wege umsetzbar ist. Wir haben ein Konzept ausgearbeitet, das auf vielen Füßen steht: Musik, Events, Gastronomie, Fußball. Obwohl sich die ersten Kosten-schätzungen auf 20 Millionen Euro beliefen, haben wir es geschafft, ein Stadion für 13,8 Millionen Euro zu bauen, das sich hervorragend in die Landschaft einfügt. Das war alles nur möglich, weil viele sich ehrenamtlich eingebracht haben, auch die zwei Architekten, die aus dem Verein kamen. Dazu hatten wir 13 Investoren, die ihr Geld eingebracht haben.

War das Stadion auf dem Weg von der Bezirksliga in die 3. Liga die größte Herausforderung?

Auf jeden Fall. Das hatte uns auch keiner zugetraut. Jeder hat irgendwo mitgeholfen. Alles, bei dem wir sparen konnten, haben wir in Eigenleistung gemacht. Auch aus heutiger Sicht ist das immer noch eine Wahnsinns-Leistung. Ich war 18 Monate lang jeden Tag auf der Baustelle und habe das Projekt gemeinsam mit den Architekten geleitet und koordiniert. Wir hatten unheimlich Zeitdruck und auch eine Verantwortung gegenüber den Investoren. Aber als es fertig war, hat der Stolz überwogen. Jetzt gehen wir ins neunte Jahr, jedes Jahr konnte die Rendite ausbezahlt werden und inzwischen haben wir auch Rücklagen gebildet.

Auch den Vereinen im Kreis Ludwigsburg dient das Stadion als Ausweichmöglichkeit.

Richtig, wenn Bissingen oder Freiberg in der Oberliga Risikospiele oder Aufstiegsspiele austragen müssen, haben sie immer die Zusage bekommen, das bei uns machen zu können.

Viele, die den Verein nicht aus der Nähe kennen, verbinden Sie und Ihr Hotel alleine schon durch den Namen mit dem Erfolg. Inwieweit handelt es sich beim Aufstieg der SG Sonnenhof um erfolgreiches Mäzenatentum?

Der Name Sonnenhof kam durch den FC Sonnenhof Kleinaspach. Das ging auf eine Thekenmannschaft des Hotels zurück. Sonnenhof war immer auch die Region um das Hotel und es war immer nur vom FC Sonnenhof die Rede. Die Großaspacher haben dann das Spvgg aufgegeben und der FC Sonnenhof das Kleinaspach. Ich selbst bin heute Mitglied des neunköpfigen Aufsichtsrates der SG.

Bleibt die Frage nach der finanziellen Unterstützung.

Sicherlich sind wir einer der Sponsoren, aber bei weitem nicht der größte. Mit Sicherheit sind wir auch nicht entscheidend bei der Frage, ob der Verein überlebt oder nicht. Der SG-Partnerpool ist auf mittlerweile 160 Partner angewachsen – darunter befinden sich Weltmarktführer ebenso wie Handwerksbetriebe vor Ort. Wir sehen uns als Teil der gesamten SG-Familie und sind stolz darauf, dass der damalige FC Sonnenhof hier aus einer Stammtischmannschaft entstanden ist, weil mein Bruder, ich und andere – zum Beispiel auch Ralf Rangnick – große Lust am Fußball hatten. Das Wichtigste ist, dass unsere Dorfklub-Werte nicht verloren gehen. Der Verein kann nur im Ehrenamt überleben. Das ist der Herzschlag der SG Sonnenhof Großaspach.

Mit dem Aufstieg der TSG Hoffenheim durch Dietmar Hopp und des RB Leipzig durch Dietrich Mateschitz lässt sich die SG Sonnenhof also nicht vergleichen?

Nein, das sind völlig andere Geschichten. Man kann nicht mal Hopp mit Mateschitz vergleichen. Ich respektiere sehr, was bei Red Bull in den Sport investiert wird, aber hinter RB steckt im Vordergrund eine klare Marketingstrategie und nicht in erster Linie die Leidenschaft am Fußball. Hopp hat mit seinem Verein, bei dem er selbst gespielt hat, eine klare Strategie entwickelt, wo früh klar war, dass die Bundesliga das Ziel ist. Da wurde Top-Arbeit gemacht, aber das ist in keinster Weise mit uns vergleichbar. Wenn Sie mich fragen, wie die nächsten zehn Jahre aussehen, würde ich sagen, dass zwischen der 3. Liga und der Oberliga alles möglich ist.

Trotz des steilen Aufstiegs versucht die SG Sonnenhof, ihr dörfliches Image zu bewahren. Der Name Dorfklub wurde patentiert. Ist diese Authentizität auch Teil des Erfolgsrezeptes?

Es ist relativ einfach. Wir sind ein Dorf. Wir müssen uns nicht verstellen und etwas Künstliches erzeugen. Wir haben eine ländliche Gegend und unser Stadion liegt mitten im Wald. Damit sind alle Kriterien für einen Dorfklub erfüllt. Mindestens 50 Prozent unserer Leute sind im Ehrenamt tätig. Auch das macht einen Dorfverein aus. Der Dorfklub wird gelebt und ist deshalb authentisch.

In der dritten Liga haben viele Clubs finanzielle Probleme. Welchen Weg verfolgt die SG?

Alle, die bei uns arbeiten und mithelfen, sind hier im Ort verwurzelt. Das ist eine ganz andere Herangehensweise. Unser Grundsatz ist: Es darf nichts geben, was den Verein finanziell kaputt macht. Wir gehen da nicht in verrückte Dinge rein. Man kann sich alles schönrechnen. Aber das ist für mich nicht verständlich. Man kann nicht mehr ausgeben, als man hat. Bei Traditionsvereinen ist das aber auch ganz schwierig. Dort herrscht ein ganz anderer Druck. Bei Kaiserslautern wäre der Abstieg womöglich das Todesurteil. Bei uns ist das einfach. Wenn wir uns die 3. Liga nicht mehr leisten können, wird es keine finanziellen Wagnisse geben. Dann würden wir einen Schritt zurück- gehen, um danach gemeinsam wieder einen neuen Anlauf zu nehmen.

Derzeit steht die SG auf einem Abstiegsplatz. Wie sehr trübt das die Feierlaune?

Ich habe ja auch lange Fußball gespielt und wir haben oftmals die besten Feste gefeiert, wenn wir Spiele verloren hatten (lacht). Die 25 Jahre sind trotzdem ein toller Grund, ein schönes Fest zu machen. Auch hier gilt: Wir wollen kein Bankett, sondern mit Mitgliedern, Partnern, Mannschaft, Fans und vielen Ehemaligen eine tolle Party feiern – Dorfklub eben!

Info: Am heutigen Freitag um 18.30 Uhr am Vereinsstammbaum im Foyer der Arena Aspach beginnt die Jubiläumsfeier der SG.

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