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Fußball-Nationalmannschaft
Psychologe Hans-Dieter Hermann spricht sich für Julian Nagelsmann aus: „Zweite Chance eine grandiose Möglichkeit“

Von 2004 bis 2024 in Diensten der DFB-Elf: Hans-Dieter Hermann.
Von 2004 bis 2024 in Diensten der DFB-Elf: Hans-Dieter Hermann. Foto: Federico Gambarini/dpa
Hans-Dieter Hermann, der langjährige Sportpsychologe des DFB, spricht sich im LKZ-Podcast News Couch für eine zweite Chance für Julian Nagelsmann aus.

Ludwigsburg. Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann hat sich im Gespräch mit unserer Zeitung für einen Verbleib von Julian Nagelsmann als Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ausgesprochen. Im LKZ-Podcast News Couch, der am Samstagmorgen erscheint, sagte der langjährige Psychologe des DFB-Teams am Donnerstag: „Aus psychologischer Sicht ist die zweite Chance eine grandiose Möglichkeit, jemanden, der anerkanntes Potenzial hat, etwas korrigieren zu lassen.“

Der gebürtige Ludwigsburger Hermann arbeitete von 2004 bis 2024 als Teampsychologe der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und hat in dieser Phase sowohl die Arbeit von Jürgen Klinsmann als auch von Joachim Löw, Hansi Flick und zuletzt Nagelsmann begleitet.

„Wunsch, dass er weitermachen darf“

Letzterer steht nach dem Aus gegen Paraguay bei der Weltmeisterschaft enorm unter Druck – und scheinbar vor dem Aus beim DFB. „Würde man mich fragen, würde ich sagen, das ist eine gute Gelegenheit, eben nicht den Mechanismen des Fußballs zu folgen“, sagte der 66 Jahre alte Hermann über die scheinbar bevorstehende Trennung vom zuletzt scharf kritisierten Bundestrainer. „Julian hat die Kraft, sich und Systeme zu verändern, und mein Wunsch wäre es, dass er weitermachen darf.“

Hermann erinnerte sich dabei gerne an die Zeit zurück, in der Nagelsmann zunächst das deutsche Team auf die Heim-Europameisterschaft 2024 vorbereitete und anschließend Worte sprach, die deutschen Fußballfans bis heute ins Gedächtnis gebrannt sind. „Dass man zwei Jahre warten muss, bis man Weltmeister wird – das tut auch weh“, hatte Nagelsmann nach dem Viertelfinal-Aus gegen Spanien in der Stuttgarter EM-Arena gesagt. Eine von vielen Fans und Experten rückblickend als großspurig empfundene Herangehensweise, die Hermann allerdings nicht als negativ abstempeln will: „Julian Nagelsmann wurde vor allem auch deshalb sehr geliebt, weil er sich einfach getraut hat. Es ist vielleicht nicht so typisch deutsch, dieses ‚Think Big‘“, berichtete Hermann nun. „Ich habe ihn aber als Trainer erlebt, dem die Spieler sehr gern gefolgt sind, der grandiose Mannschaftsansprachen gehalten hat.“

Davon war zuletzt allerdings wenig übrig. Nach dem Aus gegen Paraguay wirkte Nagelsmann in vielen TV-Interviews trotzig, dünnhäutig und kaum selbstkritisch. Einen Rücktritt hatte er zunächst ausgeschlossen. Die Art, wie Nagelsmann kommunizierte, überraschte auch seinen Befürworter Hermann. „Viele Dinge, mit denen er fest gerechnet hat, dass sie funktionieren, haben nicht so gepasst – und das scheint ihn etwas verunsichert zu haben“, sagte der Sportpsychologe.

„Ich habe jetzt auch einen anderen Julian Nagelsmann in der Öffentlichkeit erlebt. Denn er ist eigentlich ein großartiger Trainer, ein kraftvoller Trainer mit viel Energie, der auch eine ganze Mannschaft mitreißen kann.“

LKZ-Podcast News CouchDer ganze Podcast mit dem Ludwigsburger Hans-Dieter Hermann über seine Erfahrungen als Sportpsychologe der DFB-Elf erscheint am Samstagmorgen auf lkz.de/podcasts und überall, wo es Podcasts gibt.

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