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Vogt: „VfB-Mitglieder sind der wichtigste Ankervertreter“

Nach einer langen Bewerbungstour stehen die zwei Präsidentschaftskandidaten fest, die sich am 15. Dezember den Mitgliedern des VfB Stuttgart zur Wahl stellen: Der Böblinger Unternehmer Claus Vogt (50) stellt sich im LKZ-Interview als Erster den Fragen, der Chef der Buchhandelskette Osiander, Christian Riethmüller, wird folgen.

Will neuer VfB-Präsident werden: Claus Vogt.Foto: Baumann
Will neuer VfB-Präsident werden: Claus Vogt. Foto: Baumann

Herr Vogt, welche Schwerpunkte werden Sie als neuer VfB-Chef setzen?

Claus Vogt: Eine große Herausforderung wird es sein, den Spagat zwischen den Fans und dem Verein zu meistern. Der Verein und die Fans müssen wieder vereint werden. Ich möchte als Präsident hier der Mittler sein, ansprechbar für jeden.

Der Verein benötigt vor allem den sportlichen Erfolg.

Ja, das ist unser aller Ziel. Dafür benötigen wir beim VfB aber wieder Ruhe, Besonnenheit und dass wir alle wieder gemeinsam unsere Aufgaben angehen. Am Aufstieg hängt alles, aber es wird mit Sicherheit kein Selbstläufer.

Sehen Sie den Verein personell gut aufgestellt?

Zunächst brauchen wir Kontinuität. Wir haben jetzt mit Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und Tim Walter drei Experten in unseren Reihen, die auf ihrer Position richtig sind. Wir werden aufsteigen, aber wir sollten jetzt die Ruhe bewahren und uns nicht gleich verrückt machen zu lassen.

Welchen Einfluss werden Sie als Präsident auf das tägliche Geschäft nehmen?

Als Präsident bist du erster Repräsentant des Vereins und seiner Mitglieder. Auf der operativen, sportlichen Seite sind wir kompetent aufgestellt. Der Präsident ist verantwortlich, die Mitglieder im Aufsichtsrat würdig zu vertreten. Natürlich habe ich das Interesse, das Mitspracherecht der Mitglieder mit 88 Prozent im Aufsichtsrat zu stärken, denn die VfB-Mitglieder sind der wichtigste Ankervertreter.

Und die Investoren?

Daimler ist unser strategischer Investor. Gerade in schwierigen Zeiten müssen wir sagen, wir setzen auf die Region, wir setzen auf den schwäbischen Mittelstand. Statt an einen zweiten Investor denke ich zum Beispiel an eine regionale Mittelstandsbeteiligung mit verschiedenen großen Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, die uns guttun würden. Ich glaube, das wäre eine ganz wichtige strategische Ausrichtung, die eine hohe Glaubwürdigkeit für die Region und den VfB Stuttgart bringen würde.

Heißt das, dass es den zweiten Ankerinvestor so nicht mehr geben wird?

Den wird es wahrscheinlich geben, die Frage ist nur wann, wer und zu welchem Zeitpunkt? Ich weiß nicht, ob jetzt in der 2. Liga der richtjge Zeitpunkt ist, einen zweiten Investor oder eine Mittelstandsbeteiligung zu holen, denn die Anteile sind sicher mehr wert, wenn man aufgestiegen ist. Wenn man keinen finanziellen Druck hat, dann muss man es jetzt auch nicht machen. Aber die Hintergründe der finanziellen Situation beim VfB kenne ich im Moment zu wenig.

Können Sie skizzieren, was der Hauptunterschied zu Ihrem Mitbewerber ist?

Ich war erst gestern bei einem der vielen Treffen mit den offiziellen Fanclubs, diesmal in Freudenstadt. Die haben zu mir gesagt, wenn man mal das Private bei euch ausblendet und dass ihr beide Unternehmer seid, dann macht den Unterschied bei dir eigentlich die Vielfalt aus. Was bei mir hinzukommt, ist das bundesweite Engagement für den Fußball über den Verein FC Play Fair. Da stehen mir viele kompetente Menschen zur Seite, die für die Belange der AG wichtig sein könnten. Auf der anderen Seite steht meine jahrelange Tätigkeit im Mitgliederausschuss des VfB. Das heißt, ich bin schon ehrenamtlich beim VfB tätig, bringe für die AG Erfahrung aus dem FC Play Fair mit und habe dazu noch ein Fundament als Unternehmer und Familienvater. Ich kann, glaube ich, mit einem guten Mix an Erfahrungen aufwarten.

Wie wollen Sie diese Vielfalt den Mitgliedern vermitteln?

Viele sagen, eine Rede auf einer Mitgliederversammlung ist zu wenig und reicht nicht aus, Präsident des VfB zu werden. Da gehört schon mehr dazu. Da muss man nicht nur ein Besserwisser, sondern ein Bessermacher sein. Bei mir weiß man, der macht seit Jahren bereits ehrenamtliche Arbeit beim VfB und er setzt sich bundesweit für den Fußball ein. Das schafft eine hohe Glaubwürdigkeit. Ich rede nicht über Werte, ich lebe sie.

Wie bringen Sie die Hauptgedanken ihres Vereins FC Play Fair – weniger Kommerzialisierung im Fußball – mit den Anforderungen an den Präsidenten des VfB Stuttgart unter einen Hut?

Da sehe ich überhaupt keinen Spagat, denn die Erkenntnisse und Projekte von Play Fair haben wir auf der Basis einer Studie gemacht. Das war nicht meine Meinung, sondern die Meinung von 20 000 Menschen, die sich an der Studie beteiligt haben. Genauso ist es beim VfB. Ich muss nicht meine eigene Meinung dort vertreten, sondern die Meinung der Mitglieder. Bei der Studie kam klar heraus, dass sich der Fußball leider immer mehr von der Basis entfremdet und entfernt. Er ist dabei, ein Stück weit seine Seele zu verkaufen. Ich bin sicher kein Kommerzkritiker, denn ich bin ja selber Unternehmer mit Gewinnabsicht. Das wichtigste ist, dass nicht der Kommerz über dem Sport steht, sondern der Sport muss immer Priorität vor dem Kommerz haben.

Die sportlichen Erwartungen an den VfB sind groß. Sind sie zu hoch?

Ich bin guten Mutes, dass der Aufstieg mit uns zu tun haben wird. Aber momentan spielen wir in der 2. Liga. Ganz viele denken, wir gehören eigentlich woanders hin. Aber die Realität sieht anders aus. Als Präsident werde ich schauen, dass man dieses Erwartungsmanagement vernünftig macht, dass nicht unnötig große Erwartungen geschürt werden, die nachher nicht erfüllt werden. Und man dann sofort wieder Reaktionen beim Trainer, beim Scout, beim Vorstandsvorsitzenden ausruft. Wenn wir das machen würden, dann wäre es wie in den letzten zehn Jahren. Dann haben wir nichts gelernt und dann wird sich auch nichts ändern.

Bereits im nächsten Jahr findet die nächste Präsidentenwahl beim VfB statt. Was erwarten Sie bis dahin?

Ich möchte sicher kein Übergangspräsident sein, sondern mich zu hundert Prozent einbringen. Schön wäre es, wenn irgendwann gesagt würde: Als Claus Vogt Präsident war, stand nicht der Präsident im Mittelpunkt, sondern der VfB Stuttgart.

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