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Wie ein Oberstenfelder den VfB verbessern will

Ron Merz befasst sich seit Jahren mit der Satzung des Fußball-Bundesligisten – Änderungsantrag soll Mitgliederposition stärken

VfB-Mitglied Ron Merz. Foto: privat
VfB-Mitglied Ron Merz. Foto: privat

Oberstenfeld. Kurz vor Silvester veröffentliche Thomas Hitzlsperger einen Offenen Brief. Der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart attackierte Vereinspräsident Claus Vogt dabei scharf, prangerte seine Amtsführung als vereinsschädigend an und verkündete, selbst Präsident werden zu wollen. Daraus entwickelte sich ein beispielloser Machtkampf, der bis heute an Schärfe nichts verloren hat. Ein Mann aus Oberstenfeld will nun grundsätzlich die Frage klären, ob ein Vorstandschef der Profifußball-AG gleichzeitig Präsident des Vereins sein kann, der 88,25Prozent der AG-Anteile hält.

VfB-Mitglied Ron Merz hat deshalb einen Satzungsänderungsantrag eingereicht. Genehmigt der VfB den Antrag, dürfen die Mitglieder am 18. März darüber abstimmen, ob ein AG-Angestellter des Fußball-Bundesligisten gleichzeitig im Präsidium des Vereins vertreten sein darf. Für eine Änderung der Satzung ist eine Dreiviertelmehrheit nötig.

Im Interview spricht der langjährige Dauerkartenbesitzer, was ihn zu dem Antrag bewegt hat und wie die Vorgänge beim VfB auf ihn als Fan wirken. Der 45-jährige Merz ist zudem als VfB-Blogger aktiv und Vorsitzender des Fanclubs „1893“, dem 44 Mitglieder aus ganz Süddeutschland angehören. Beruflich ist Ron Merz für ein Metzinger Modeunternehmen im Online-Vertrieb tätig.

Herr Merz, was hat Sie dazu veranlasst, diesen Satzungsänderungsantrag zu stellen?

Ron Merz: Mir ist deutlich geworden, dass die Satzung des VfB an vielen Stellen Überarbeitungsbedarf hat. Eines der Themen ist die mangelhafte Trennung zwischen Verein und AG. Die Bewerbung von AG-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger um das Vereinspräsidentenamt hat dieses Problem noch einmal zum Vorschein gebracht. Dass war für mich ein Punkt, um zu sagen: Jemand, der im Präsidium des Vereins sitzt, darf keine Tätigkeit bei der AG haben. Zum anderen war die Motivation, dass diese mögliche Ämterhäufung nicht meinem demokratischen Verständnis entspricht. Ich sehe die Gefahr, dass die Mitgliederinteressen des Vereins immer den monetären Interessen der AG untergeordnet werden. Das kann ich als Vereinsmitglied nicht für gut befinden.

Wie ist der Stand Ihres eingereichten Antrags?

Nachdem ich den Antrag satzungskonform per Einschreiben eingereicht hatte, habe ich eine Eingangsbestätigung erhalten. Jetzt wird das geprüft. Danach wird entschieden, ob der Antrag auf die Tagesordnung kommt oder nicht. Ich rechne mir gute Chancen aus, weil mir nichts einfällt, was dagegensprechen würde.

Woher kommt Ihr Interesse für diese vereinspolitischen Details?

Ich bin kein Jurist, aber ich habe schon vor fünf Jahren angefangen, mich mit der Satzung des VfB zu beschäftigen. Das ging in der Zeit von Präsident Wolfgang Dietrich verstärkt weiter. Ich habe da immer ein Auge darauf und finde es auch wichtig, mich als Mitglied im Rahmen meiner Möglichkeiten zu engagieren. Seit vergangenen Sommer arbeite ich zudem bei der Initiative „Zukunft Profifußball“ mit, die deutschlandweit Fans versammelt, um Konzepte zu erarbeiten. Da bin ich in der Arbeitsgruppe, die sich um das Thema „Verein als demokratische Basis“ gekümmert hat. Teilhabe der Mitglieder und das Verhältnis zu Kapitalgesellschaften war dabei ein großer Punkt. Der komplette Antrag kommt von mir. Ich habe versucht, das möglichst einfach und klar zu formulieren, damit es für alle Mitglieder verständlich ist.

Hitzlspergers Vorstoß war für Sie ein Grund, den Antrag zu formulieren und einzureichen. Wie haben Sie als Fan die Ereignisse seit Hitzlspergers Offenem Brief erlebt?

Mir ging es wie wahrscheinlich allen Fans. Ich konnte erst mal nicht glauben, was da über uns hereingebrochen ist. Bis dahin waren wir froh und haben uns gefreut, dass der Verein endlich mal wieder ein sympathisches Gesicht nach außen hat. Und plötzlich veröffentlicht Hitzlsperger einen Brief in scharfem Ton, mit massiven Vorwürfen, der Claus Vogt auch persönlich angreift. Mittlerweile stellt sich das Bild etwas differenzierter dar, aber nicht unbedingt klar. Am Ende leidet der VfB.

Teil des Machtkampfes ist die Aufklärung der Datenaffäre, die vor allem Präsident Vogt von Beginn an forcierte. Wie groß ist Ihr Vertrauen in die AG-Führung?

Ich habe kein Vertrauen in die AG-Führung. Die Vorgänge im Zuge der Datenaffäre können nicht im luftleeren Raum passiert sein. Mindestens haben Sie in Ihrer Funktion als Führungskräfte versagt. Bei den Summen (mittlerer sechsstelliger Betrag, als Honorar für die Marketing-Agentur, Anm. der Red.), die bewegt wurden, kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand alleine verantwortlich ist.

Die Vorwürfe stehen seit September im Raum. Wie wirkt es für Sie als Fan, dass bisher niemand aus der AG-Führung die Zeit genutzt hat, um offen mit den mutmaßlich begangenen Verstößen umzugehen?

Der VfB war noch nie gut in Sachen Kommunikation. Und offensichtlich gibt es auch keine Unternehmenskultur, die es zulassen würde, mit Fehlern transparent umzugehen und so daraus zu lernen. Dass seit Monaten nicht offen damit umgegangen wird, ist für mich als Mitglied eine Enttäuschung und ein Versagen des Vereins.

Ohne die Realität komplett aus den Augen zu verlieren: Wie würde Ihre Wunschlösung des Konflikts aussehen?

Ich würde mir wünschen, dass Herr Hitzlsperger seiner Entschuldigung für den Brief auch den Rückzug seiner Bewerbung um das Präsidentenamt folgen lässt. Weiter, dass der Vereinsbeirat Claus Vogt und einen zweiten Kandidaten aufstellt und die Mitgliederversammlung in den Sommer verschoben wird, damit eine Präsenzveranstaltung wahrscheinlicher ist.

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