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Weltmeisterschaft

Handballer vor schwerer Streitfrage

Die Handball-Bundesliga verzeichnet weitere Spielabsagen. Noch wird am Spielplan festgehalten, doch die zeitlichen Alternativen schwinden zusehends. Schon werden erste Rufe nach einer möglichen WM-Absage im Januar laut.

Sieht wenig Chancen auf einen Kompromiss in der Debatte um die Durchführung der WM: TVB-Coach Jürgen Schweikardt. Foto: Baumann
Sieht wenig Chancen auf einen Kompromiss in der Debatte um die Durchführung der WM: TVB-Coach Jürgen Schweikardt. Foto: Baumann

Köln/Stuttgart. Der Termindruck in der Handball-Bundesliga wächst wegen der Coronakrise täglich, doch noch halten die Verantwortlichen in der Diskussion um eine mögliche WM-Absage die Füße still. „Wir werden das Thema in den kommenden Wochen vertiefen und auf die Verbände zugehen“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann gestern nach einer Telefonkonferenz mit den Vereinen.

Der 55-Jährige gab jedoch zu bedenken, dass die Weltmeisterschaft zu Beginn des kommenden Jahres in Ägypten „eine Veranstaltung nicht ohne Risiko“ sei. „Wenn sich die Pandemie-Lage weiter exponentiell entwickelt, halte ich es für sehr schwer, so ein Turnier durchzuführen“, sagte Bohmann dem MDR.

Auch in den Vereinen wird das XXL-Turnier am Nil mit 32 Mannschaften vom 13.bis 30. Januar 2021 zunehmend kritisch gesehen. „Eine Absage wäre aus Liga-Sicht das Beste, aber in Pandemie-Zeiten muss man auch über den eigenen Tellerrand schauen“, sagte Jürgen Schweikardt im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Geschäftsführer und Trainer des TVB Stuttgart sieht Handball-Deutschland vor einem schwierigen Interessenskonflikt: „Am Ende wird es Verlierer geben.“

Schweikardt sieht neben der fehlenden Zeit für den Ligaspielbetrieb durch die WM eine gesundheitliche Gefahr durch das Turnier: „Die Durchmischung der Spieler ist das größte Problem, wenn es einer im Nationalteam hat, wird es zurückgetragen in die Vereine.“ Andererseits werden die Einnahmen der WM vom Weltverband an die Landesverbände verteilt. Am Ende hängt davon auch die Talentförderung in Deutschland teilweise ab, so der Coach. „Darauf hat ein Ausfall Konsequenzen. Das gehört zur Wahrheit.“ Der TVB ist von den jüngsten Fällen im deutschen Nationalteam selbst betroffen. Torhüter Jogi Bitter hatte sich infiziert. Insgesamt hat der TVB fünf Nationalspieler verschiedener Nationen in seinem Kader.

Beim Zweitligist SG BBM Bietigheim ist derzeit keiner der Akteure Nationalspieler, der Verein sieht sich deshalb nicht so stark von der Diskussion betroffen. Geschäftsführer Bastian Spahlinger hält es sogar für denkbar, im WM-Zeitraum Nachholspiele auszutragen: „Das ist sicher ein Thema für uns, wenn es für den Gegner auch passen würde. Entscheiden müssten das aber Liga und Verband.“

Zuvor hatte bereits Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi erklärt: „Langsam kommt der Zeitpunkt, das Fass WM wieder aufzumachen. Stand heute ist es undenkbar, dass man eine WM reibungslos absolvieren kann.“

Die reguläre Durchführung der Bundesligasaison steht angesichts der sich häufenden Spielausfälle zunehmend auf wackligen Beinen. Nach den vier positiven Coronafällen in der deutschen Nationalmannschaft gab es für das Wochenende weitere Absagen. Neben den Partien MT Melsungen gegen SC Magdeburg und HSC 2000 Coburg gegen GWD Minden wurde auch das Spiel Frisch Auf Göppingen gegen HSG Wetzlar verlegt, weil sich jeweils zwei Spieler aus beiden Teams trotz bisher negativer Tests in vorsorglicher Quarantäne befinden.

Um wenigstens die Präsenz im Free-TV zu sichern, wurde das Samstag-Spiel der Rhein-Neckar Löwen gegen den TBV Lemgo Lippe um knapp zweieinhalb Stunden vorverlegt. Statt um 20.30 Uhr wird die Partie bereits um 18.05 Uhr angepfiffen und live in der ARD übertragen.

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