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Radsport
Alexander Kriegers Traum von der Tour de France wird wahr

Alexander Krieger
Alexander Krieger
Hoch im Norden startet die 109. Tour de France am Freitag mit einem Zeitfahren erstmals in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. 3346,6 Kilometer von Kopenhagen bis Paris warten auf die Fahrer. Topfavorit ist Vorjahressieger Tadej Pogačar, der größte Herausforderer sein slowenischer Landsmann Primož Roglič. Mit dem Vaihinger Alexander Krieger startet auch ein Radprofi aus dem Kreis bei der Rundfahrt.

Vaihingen/Enz. Schon „als Kind, wenn man mit dem Radsport beginnt“, ging Alexander Krieger sein großer Traum durch den Kopf. „Jeder, der das Ziel Profi hat, hat auch das Ziel Tour de France“, spürt er schon immer die Strahlkraft der großen Schleife durch Frankreich.

Im reifen Profialter von 30 Jahren wird der Traum Wirklichkeit. Wenn am Freitag in Kopenhagen das Spektakel mit einem Zeitfahren beginnt, gehört der beim RSC Komet Ludwigsburg in den Rennsport eingestiegene Krieger zum achtköpfigen Team seines belgischen Rennstalls. Dieser wechselt just zur Jahresmitte seinen Namen. Aus Alpecin-Fenix wird am Freitag, 1. Juli, Alpecin-Deceuninck.

Die Ansprüche der Trikot-Sponsoren bleiben die gleichen. Der Hersteller von Haarpflegemittel und die Fensterfirma erwarten von dem ambitionierten UCI Pro Team, das den Sprung in die World Tour anstrebt, eine dauerhafte Präsenz in den Medien und in der Öffentlichkeit. „Man steht unter einem gewissen Druck, der nicht immer leicht auszuhalten ist“, beschreibt der Sportler aus Vaihingen/Enz das harte Brot eines Profi-Pedaleurs.

Hoffen auf einen Etappensieg

Das junge Team von Alpecin-Deceuninck hofft auf den einen oder anderen Etappensieg durch die Top-Sprinter Mathieu van der Poel (Niederlande) und Jasper Philipsen (Belgien). Alexander Krieger übernimmt in der entscheidenden Phase eines Tagesabschnitts die Rolle des Anfahrers, der dem aussichtsreichsten Kandidaten des Teams Windschatten gewähren und ihn in eine günstige Position für den Endspurt manövrieren soll.

Seit 2020 steht der 30-Jährige bei den Belgiern unter Vertrag und hat in dieser Zeit alle Höhen und Tiefen erlebt. Einmal wurde er für die Vuelta in Spanien (2021) nominiert, zweimal für den Giro d’Italia (2021, 2022) und nun also die Tour. „Umso höher man kommt, umso mehr wird es Teamarbeit“, stellt Krieger die Mannschaft als Star heraus. Wenn sich der Spitzenfahrer nach einem Erfolg bei ihm für die Unterstützung bedankt, spürt auch der Helfer die Genugtuung über perfektes Teamwork.

Training in heimischen Gefilden

In den vergangenen Tagen hat Alexander Krieger zur Abwechslung mal wieder in heimischen Gefilden im Kreis Ludwigsburg einige Übungskilometer heruntergespult. Gedanklich blendete er dabei zurück auf jenen fürchterlichen Trainingsunfall kurz vor Weihnachten 2020. In Vaihingen-Roßwag, quasi vor der Haustür, wurde er von einem Auto erfasst, erlitt mehrere Knochenbrüche und ein offenes Schädel-Hirn-Trauma.

Mit eiserner Willenskraft kämpfte sich Alex Krieger zurück in den Rennsattel, aber 2021 folgte durch einen unverschuldeten Sturz während der Türkei-Rundfahrt der nächste Rückschlag. Solche emotionalen Achterbahnfahrten lassen natürlich auch Gedanken ans Aufhören aufkommen.

Sie wurden verdrängt durch „die Leidenschaft für den Radsport, die ausgeprägte Kameradschaft und die Ziele, die ich noch habe“. Nach schwierigen Zeiten fühlt sich der Profi gewappnet für die große Tour. Andererseits weiß er, dass er „sehr, sehr leiden wird, spätestens wenn es in die Berge geht“. Wie privilegiert sich die Elitefahrer fühlen dürfen, verdeutlicht Krieger an zwei Beispielen: „Wir haben einen eigenen Küchen-Lkw dabei und einen eigenen Koch. Und jeder schläft auf seiner eigenen Matratze und seinem eigenen Kissen.“

Radsport-Anfänge in Magstadt

Angefangen hatte alles damals in Magstadt, wo er mit seinem Vater ein Crossrennen verfolgte und vom Rennfieber gepackt wurde. Der frühere Vorsitzende Frank Schwartz erinnert sich noch gut, wie Alex seine ersten Versuche mit einem „Rennrädchen“ beim Kriterium des RSC Komet Ludwigsburg unternahm. Jahre später schenkte ihm Schwartz bei einer Vereinsweihnachtsfeier genau jenes historische Mini-Velo, das im Zimmer im väterlichen Haus in Vaihingen einen Ehrenplatz erhielt.

Von jenem Rädchen aus Kindertagen führt die Geschichte zur Hightech-Rennmaschine, mit der Alexander Krieger am Freitag, 1. Juli, in Dänemark ins Abenteuer Tour de France startet. Er ist bereit für das nächste Kapitel.