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Nach Dancing on Ice
Der gebürtige Bietigheimer Eistänzer Joti Polizoakis will zu Olympia nach Mailand

Joti Polizoakis mit Partnerin Denisa Climova. Foto: Eislauffotos.de
Joti Polizoakis mit Partnerin Denisa Climova. Foto: Eislauffotos.de
Joti Polizoakis arbeitet an seinem Comeback. Der in Bietigheim geborene Eistänzer will nach seiner Teilnahme 2018 bei den Olympischen Spielen in Mailand wieder dabei sein – aber nicht für Deutschland.

Gemmrigheim. Es gibt nicht viele Sportler aus dem Landkreis Ludwigsburg, die an den Olympischen Winterspielen teilgenommen haben. Einer davon ist Joti Polizoakis. Der Sohn einer Tschechin und eines Griechen ist in Bietigheim-Bissingen geboren und in Gemmrigheim im nördlichen Landkreis aufgewachsen. Im Jahre 2018 war er bei den Spielen in Pyeongchang am Start und wurde mit seiner Partnerin Kavita Lorenz 16. im Eistanz. Danach trennten sich die Wege der beiden. Polizoakis schlug einen anderen Weg ein: Das Showgeschäft. Der Leistungssport schien passé.

Nun hat der 27-Jährige aber beschlossen, einen neuen Angriff zu starten. Bei den kommenden Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo will er dabei sein. Allerdings nicht für Deutschland, sondern für Tschechien. „Es ist mit Wehmut verbunden“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch der Reihe nach.

Vorbereitung in den Dolomiten

In Pinzolo in den Dolomiten bereitete sich Polizoakis kürzlich auf seine erste Eislaufsaison seit 2018 vor. Ausdauertraining in den Höhenlagen, technische Arbeit an den Choreographien. „Ich bin recht gut wieder in meine Abläufe und Routinen gekommen“, berichtet er.

Die Trennung von seiner Partnerin Kavita Lorenz hat ihn vor acht Jahren zur Pause gezwungen. Die damals 18-Jährige will damals ihre Karriere beenden. „Wenn man jahrelang auf etwas hinarbeitet und dann hört die Partnerin auf, ist das, als ob man einem den Boden unter den Füßen wegreißt“, blickt Polizoakis zurück. „Ich stand vor dem Nichts.“

Auftritte bei Dancing on Ice

Er versucht, eine neue Partnerin zu finden, trainiert mit mehreren deutschen Eisläuferinnen und verbringt sogar zwei Wochen in Moskau – ohne Ergebnis. „Ich habe mich für eine Wettkampfpause entschieden und immer betont, dass ich meine Karriere nicht beendet habe.“

Abseits des Leistungssportes entdeckt Polizoakis, dass man mit dem Eislaufsport auch Geld verdienen kann. Von seinem bisherigen Trainingsstandort Detroit zieht er nach Berlin. Er baut sich dort eine Heimat auf und finanziert seinen Lebensunterhalt mit der Arbeit als Eislauftrainer und bei Showauftritten bei Holiday on Ice oder dem TV-Event Dancing on Ice. Das bringt mehr Einnahmen als der Leistungssport und mehr Bekanntheit. „Ich habe mich aber fit gehalten und war jeden Tag auf dem Eis.“

Lust auf eine Rückkehr verspürt Polizoakis zunächst nicht. Die Coronavirus-Pandemie und die Aussicht auf Spiele im autoritär regierten China wirken abschreckend. „Als ich erfahren habe, dass die Spiele 2026 in Mailand stattfinden, dachte ich, dass es geil wäre, Olympische Spiele in Europa zu erleben, wo meine Familie zuschauen kann. Das hat eine wichtige Rolle gespielt“, erklärt er.

Befreundet mit Aljona Savchenko

Eine andere Rolle spielt Aljona Savchenko. Mit der Olympiasiegerin von 2018 pflegt der Athlet ein vertrauensvolles Verhältnis. Im Frühjahr meldet sie sich und berichtet, dass die angesehene Trainerin Barbara Fusar-Poli einen Partner für die 19-jährige Tschechin Denisa Cimlova suche. Da Polizoakis die tschechische Staatsbürgerschaft besitzt, lag es nahe, ihn zu kontaktieren. Nach einer Woche Probetraining steht fest: „Es hat alles gestimmt und sich richtig angefühlt.“

Darauf folgt der Verbandswechsel. „Mir ging es nur darum, meine Leidenschaft wieder auszuüben. Dass ich dabei die Nationalität wechseln muss, habe ich erst spät gecheckt“, sagt Polizoakis. Die Deutsche Eislauf-Union habe sich überrascht gezeigt, aber dem Olympioniken keine Steine in den Weg gelegt. Spurlos geht der Wechsel am gebürtigen Bietigheimer nicht vorbei: „Es ist traurig, dass es in einem Land wie Deutschland über Jahre keine passende Partnerin gegeben hat.“