Düsseldorf. Das Mega-Freiluftevent auf Schalke ist ausverkauft, der Deutsche Eishockey-Bund erhofft sich einen Millionengewinn. Doch ob die WM im kommenden Mai wirklich wieder in Deutschland stattfindet, ist unsicher. Gut sieben Monate vor der ersten Heim-Weltmeisterschaft seit neun Jahren hat den DEB und den Weltverband IIHF die befohlene Zulassung Russlands kalt erwischt.
«Ich möchte keine Schwarzmalerei betreiben. Ich möchte auch nicht die Weltmeisterschaft infrage stellen. Aber natürlich müssen wir uns als DEB auch mit der Option befassen, dass wir diese Weltmeisterschaft zurückgeben», sagte der DEB-Vorstandsvorsitzende Frank Lutz am Wochenende bei MagentaSport zu den möglichen Folgen des überraschend deutlichen Urteils des Internationalen Sportgerichtshofes Cas.
Bundesregierung
Der entschied am Freitag, dass die zuvor wegen des andauernden Krieges mit der Ukraine genannten russischen Auswahlteams wieder an Weltmeisterschaften teilnehmen sollen. Ein höchst politisches Thema. «Die Bundesregierung sieht die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs Cas sehr kritisch», teilte ein Regierungssprecher am Sonntag auf Anfrage mit. «Über mögliche Folgen des Urteils, auch auf die Eishockey-WM 2027 in Deutschland, wird sich die Bundesregierung zeitnah mit dem Deutschen Eishockey-Bund austauschen.»
Und wohl auch mit dem Weltverband IIHF. «Und dass es so umfangreich, so schnell umgesetzt werden muss, das war schon überraschend», sagte der frisch gewählte IIHF-Präsident Franz Reindl in einem ran-Interview zum Cas-Spruch.
Keine Visa für russische Spieler?
Am Montag will die IIHF-Spitze über das weitere Vorgehen beraten. Die Männer-WM im Mai ist das Eine, vorher stehen aber andere Turniere an, bei denen eine komplette Organisation vor quasi unlösbaren Aufgaben steht. «Das naheliegendste Turnier ist jetzt die U20-WM und was die kanadische Regierung gesagt hat ... das ist ja noch kein offizielles Statement, das uns oder den Ausrichter erreicht hat», sagte Reindl. Was der frühere DEB-Präsident meint, ist die U20-WM über den Jahreswechsel in Kanada. Die kanadische Regierung lässt aktuell keine russischen Mannschaften einreisen.
Die Bundesregierung behält sich einen solchen Schritt auch vor. «Allgemein wird angemerkt: Seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine setzt sich die Bundesregierung im Kreis der Schengen-Mitgliedstaaten für eine einheitlich restriktive Visumpolitik gegenüber Russland ein», hieß vom Regierungssprecher.
WM-Boykott einzelner Nationen denkbar
Denkbar ist selbstverständlich auch ein Boykott einzelner Nationen. Kanada etwa und einige skandinavische und osteuropäische Nationen sind extrem empfindlich, wenn es um Russland geht. Die Nähe zum riesigen Land hat nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine große Ängste geschürt. «Es besteht natürlich auch die Gefahr, dass Länder sagen, wir können unter diesen Umständen nicht an dem Turnier teilnehmen», sagte Lutz.
Beim DEB ist man jedenfalls in heller Aufregung. Die Gruppen sind eingeteilt, der Spielplan steht, inklusive des geplanten deutschen Auftakt-Events am 13. Mai auf Schalke gegen die Schweiz. DEB-Chef Lutz hofft auf Antworten vor allem und zunächst von der Politik in Sachen Visa sowie von der IIHF. Das ist verständlich, denn der DEB ist zwar Ausrichter der WM, aber nicht der Veranstalter.
«Als Erstes müssen wir von der IIHF erfahren, wie das Teilnehmerfeld zukünftig aussehen soll. Ob sich der Spielplan verändert. Das weiß bisher niemand. Kommt Russland rein? Für wen kommt Russland rein?», sagte Lutz.
Und das könnte besonders heikel werden. Denn sollte die IIHF an ihrem Format mit 16 Teams festhalten, könnte ausgerechnet die Ukraine als zweiter Aufsteiger dafür wieder ausgeschlossen werden.
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