Spa-Francorchamps. Kurz nach der nächsten weltmeisterlichen Fahrt widmete Kimi Antonelli den sechsten Formel-1-Saisonsieg seinem Vater. «Happy Birthday Dad», schrieb der WM-Spitzenreiter nach dem Großen Preis von Belgien auf die Flasche mit dem Sieger-Champagner. Marco Antonelli hatte schon am Samstag im Fahrerlager seinen 62. Geburtstag gefeiert - und dabei auch von seinem Sohn eine Torte ins Gesicht bekommen. Die beiden könnten in den kommenden Monaten noch öfter jubeln: Kimi Antonelli, gerade mal 19 Jahre alt, ist dem besten Weg zum ersten WM-Titel.
«Es ist großartig, wieder oben zu stehen nach ein paar schwierigen Rennen», sagte der Italiener. Auf dem Traditionskurs in Spa-Francorchamps profitierte der Teenager zwar auch vom frühen Ausfall seines Mercedes-Teamkollegen George Russell, doch er selbst zeigte auch auf dem Traditionskurs in Spa-Francorchamps einen fehlerfreien Auftritt.
Hinter Antonelli schafften es Charles Leclerc im Ferrari und der viermalige Weltmeister Max Verstappen im Red Bull auf das Podest. «Hier auf dem Podium zu sein ist top, ich habe alles gegeben», sagte Verstappen. In der Gesamtwertung hat Antonelli, das Supertalent des deutschen Werksteams, nun 45 Punkte Vorsprung vor dem zweitplatzierten Rekordweltmeister Lewis Hamilton im Ferrari. Knapp dahinter folgt Russell, der Rang zwei abgeben musste.
Für Russell ist schon in der sechsten Kurve Schluss
Antonelli verlor seinen ersten Platz nach dem Start und ließ Verstappen vorbeiziehen - nur um kurz danach wieder clever die Spitze zu übernehmen. Dahinter hatte Teamkollege Russell viel Pech. Der Brite fuhr aggressiv gegen die Konkurrenz und berührte mit seinem Mercedes das Auto von Ferrari-Star Lewis Hamilton. Der Silberpfeil von Russell drehte sich nach dem Kontakt mit seinem früheren Stallrivalen und rutschte ins Kiesbett. Damit war das vorletzte Rennen vor der Sommerpause für ihn schon früh vorbei.
«Ich hatte wieder keine Leistung. Das ist inakzeptabel, Leute. Das ganze Wochenende!», funkte der wütende Russell an sein Team und offenbarte Batterie-Probleme. Er habe auf der Geraden vor Kurve sechs seine komplette Leistung verloren, sagte der Brite. Während Russell gefrustet ausstieg und Hamilton für den Crash eine Fünf-Sekunden-Strafe erhielt, begann es in der folgenden Safety-Car-Phase kurz zu regnen. Das blieb aber ohne Folgen.
Viel Action hinter Spitzenreiter Antonelli
Auch nach dem fliegenden Neustart behielt Antonelli problemlos die Führung, dahinter wurde hart um die Positionen gekämpft. Leclerc schnappte sich im Ferrari schnell Verstappen und war Zweiter. Kurz darauf tauschten beide schon wieder die Plätze und schenkten sich nichts. Auch Leclerc und Hamilton lieferten sich in den Wäldern in den Ardennen harte Zweikämpfe.
Auf dem mit 7,004 Kilometern längsten Kurs in Formel-1-Kalender war viel Action mit jeder Menge Überholmanövern geboten. Durch die umfassenden Regeländerungen mit dem neuen Energiemanagement ist es nicht mehr möglich, ohne Pause nur Vollgas zu fahren. Nur wer die zur Verfügung stehende Energie gut einteilt, kann um den Sieg fahren. Vollblut-Rennfahrer wie Verstappen haben diesen Umstand immer wieder kritisiert.
An der Spitze zeigte Antonelli erneut, dass er am besten mit dem Reglement zurechtkommt. Fünfmal hatte der Teenager in dieser Saison zuvor schon nacheinander gewinnen können, zuletzt sammelte er durch technische Probleme aber nicht mehr so viele Punkte. Auch vor zwei Wochen in Silverstone kostete ihn ein Defekt eine bessere Platzierung.
Leclerc nach Reifenwechsel ganz vorne
Verstappen war in England gar nicht ins Ziel gekommen. Der Niederländer rutschte in der Schlussphase ins Kiesbett und hatte danach über sein Auto geschimpft. In seinem Geburtsland lief es nun wieder besser. Durch einen Windschatten-Trick hatte er sich zunächst den zweiten Startplatz gesichert, im Grand Prix hielt er sich zunächst auch noch clever auf dem zweiten Platz. Dreimal schon hatte Verstappen in der Vergangenheit auf dem Traditionskurs gewonnen.
In der 18. von 44 Runden holte sich Verstappen als erster der Topfahrer neue Reifen, direkt danach folgte Antonelli. Silverstone-Sieger Leclerc übernahm die Führung und profitierte von einer virtuellen Safety-Car-Phase. Nach seinem Reifenwechsel blieb der Monegasse knapp vor Antonelli. Der Silberpfeil-Fahrer machte sich auf die Verfolgung und kam langsam immer näher.
Zehn Runden vor dem Ende war der Mercedes dann so nah am Ferrari, dass sich Leclerc gegen das Überholmanöver nicht mehr wehren konnte. Allerdings konnte Antonelli nicht wie erwartet problemlos wegfahren, stattdessen blieb Leclerc bis zum Ende gut in seinem Rückspiegel sichtbar. Der einzige Deutsche im Feld, Nico Hülkenberg, verpasste im Audi im Gegensatz zu seinem brasilianischen Teamkollegen Gabriel Bortoleto (8.) klar die Punkte und landete auf dem 13. Platz.
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