Stuttgart. Ein grauer Schleier liegt in diesen Tagen über Baden-Württemberg, doch dieses Mal ist es keine Wolke und auch kein Nebel. Es ist die Sahara, aus der – quasi per Luftpost – Millionen Tonnen Wüstenstaub bis nach Europa geschleppt worden sind. Klingt dramatischer, als es ist – aber ein paar Dinge sollte man trotzdem wissen:
Wie entsteht Saharastaub eigentlich?
In der Sahara kann der Wind so stark wehen, dass er riesige Mengen Sand vom Boden aufwirbelt und hoch in die Luft trägt. Dort oben bleibt der Staub – je nach Wetterlage in zwei bis sieben Kilometer Höhe, manchmal sogar bis zu zehn Kilometer hoch. In dieser dünnen Luft kann er laut Deutschem Wetterdienst (DWD) monatelang schweben, ohne herunterzufallen. Dreht sich dann das Wetter günstig, nimmt der Staub einfach mit, was der Wind ihm anbietet: In wenigen Tagen geht die Reise von Nordafrika über Marokko und Frankreich bis nach Deutschland.
Wie oft kommt er nach Baden-Württemberg?
Saharastaub kommt vor allem zwischen März und Juni sowie Oktober und November nach Deutschland. Das passiert 5- bis 15-mal im Jahr, deutlich häufiger in Süddeutschland als im Norden des Landes. Meistens bekommen wir das überhaupt nicht mit. Aber bei außergewöhnlich hohen Konzentrationen ist der Saharastaub wie in diesen Tagen nicht zu übersehen: Er liegt wie ein Filter vor der Sonne, die dann manchmal von einem Hof umgeben ist, der etwas heller scheint.
Wann trifft es Baden-Württemberg am Wochenende?
Meteorologen erwarten die höchsten Konzentrationen bis zum Sonntag, wenn die Staubwolke von Südwesten her über Deutschland zieht. Ein stabiles Hoch sorgt zudem dafür, dass der Staub länger hängen bleibt. «Die Sonne könnte dann am Wochenende eher milchig oder eingetrübt vom Himmel scheinen», sagt Jacqueline Kernn von der DWD-Wettervorhersage-Zentrale.
Wird der Himmel jetzt wieder gelb?
Eher nicht – wer auf ein Wüstenpanorama hofft, wird enttäuscht. Denn laut DWD soll es in Baden-Württemberg gar nicht oder nur im Bergland etwas regnen. Durch die trockene Lage bleibt der Staub in höheren Schichten und trübt die Sicht, ohne stark zu sinken. «Ohne Regen wird sich das nicht groß auswirken», sagte ein DWD-Meteorologe. Die feinen Partikel streuen Sonnenlicht also nur in der oberen Atmosphäre und lassen den Tag trüber wirken, ohne dass viel Staub auf Terrassen oder Autos landet. Abends können sie rote Sonnenuntergänge erzeugen.
Ist Saharastaub gefährlich?
Für die meisten Menschen nicht direkt. Laut DWD sind die gesundheitlichen Auswirkungen gering. Der typische Partikeldurchmesser von fern-transportiertem Saharastaub liegt bei 0,1 bis 10 Mikrometer. Besonders problematisch sind die Teilchen, die kleiner sind als 2,5 Mikrometer, da diese besonders tief in die Lunge eindringen. Ist man diesem Staub ein paar wenige Tage ausgesetzt, dürfte das für die Gesundheit langfristig keine große Rolle spielen. Wer vorbelastet ist, sollte die Lage dennoch im Blick behalten.
Soll ich vor dem Wochenende noch schnell Fenster putzen?
Lieber nicht. Schmutzige Fenster, Scheinwerfer und Rücklichter können zwar die Sichtbarkeit beeinträchtigen. Wirklich sinnvoll ist Reinigen aber erst, wenn der Staub wieder abgezogen ist. Denn wer jetzt noch schnell Scheiben putzt oder das Auto durch die Waschanlage schickt, hat danach doppelte Arbeit. Und wer auf seiner frisch polierten Motorhaube mit einem trockenen Tuch hantiert, wenn der Staub darauf liegt, riskiert Kratzer.
Wie reinige ich das Auto denn richtig?
Mit viel Wasser. Denn die feinen Sandpartikel, die sich auch nach diesem Wochenende in sehr leichten Schichten auf dem Lack ablagern können, wirken wie Schmirgelpapier und hinterlassen böse Kratzer. Deshalb ist es wichtig, das Auto vorzureinigen – also mit Wasser abzuwaschen oder per Schlauch abzuspritzen. Danach empfiehlt sich die Waschanlage: Vor dem eigentlichen Waschgang sollte das Fahrzeug gründlich mit Wasser abgespült werden, um die feinen Sandkörnchen zu entfernen und Kratzspuren zu verhindern.
Ist Saharastaub überhaupt nützlich?
Ja. Wo sich heute die Sahara befindet, war früher ein riesiger Süßwassersee, der austrocknete. Der Staub ist daher nährstoffreich und dient vor allem in den nährstoffarmen Böden Südamerikas als Dünger - etwa für die Regenwälder des Amazonas. Aber auch Spaniens Böden profitieren spürbar vom Calcium und Magnesium aus der Wüste. Pro Jahr werden etwa eine Milliarde Tonnen Staub verblasen.
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