Stuttgart. Immer mehr Menschen in Baden-Württemberg sind nach Angaben von Wohlfahrtsverbänden wegen Wohnungslosigkeit auf Hilfe angewiesen. Die Wohnungsnot im Land habe einen neuen Höchststand erreicht – das zeige sich längst nicht mehr nur am Rand der Gesellschaft, sondern mitten in Städten und Gemeinden, kritisiert die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg.
Nach Angaben des Dachverbands von Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas und dem Paritätischen Baden-Württemberg wurden am Stichtag im vergangenen September 13.795 wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen von Angeboten der freien Wohlfahrtspflege unterstützt. Das sind rund drei Prozent mehr als im Vorjahr.
Für viele ein dauerhafter Zustand
«Dass wir erneut einen Höchststand in der Anzahl der Hilfesuchenden verzeichnen, ist alarmierend», sagte Liga-Vorstand Marco Lang. Wohnungsnot sei längst kein Randphänomen mehr. «Sie zieht sich durch Städte und ländliche Räume und wird für viele Betroffene zu einem dauerhaften Zustand.»
Hinter den Zahlen stehen oft lange Leidenswege, wie die Liga mitteilt. Wohnungsnot bedeute für viele Betroffene längst mehr als den Verlust eines Dachs über dem Kopf. «Sie geht häufig einher mit jahrelangen sozialen Bruchstellen, gesundheitlichen Belastungen und psychischen Erkrankungen», erklärte der Dachverband in Stuttgart. Tagesstätten, Beratungsstellen und Aufnahmehäuser seien oft der erste und manchmal einzige Ort, an dem Menschen noch Unterstützung und Stabilität fänden. Zugleich gerieten diese Angebote wegen finanzieller Engpässe zunehmend unter Druck.
Soziale Daseinsvorsorge unter Druck
Mit Blick auf die anstehende Landtagswahl fordert die Liga, die Überwindung von Wohnungslosigkeit stärker in den politischen Fokus zu rücken. Notwendig seien unter anderem mehr bezahlbarer und sozial gebundener Wohnraum sowie eine verlässliche Finanzierung der Hilfsangebote. Wohnungslosigkeit dürfe nicht nur abgefedert, sie müsse dauerhaft überwunden werden.
Bei einer Stichtagserhebung wird an einem bestimmten Tag ausschließlich die Zahl der Menschen erfasst, die in Einrichtungen der Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe Rat und Unterstützung suchen. Die Bundesstatistik gehe daher für Baden-Württemberg von deutlich höheren Fallzahlen aus, betont die Liga.
Die rund ein Dutzend in der Liga organisierten Verbände sind nach eigenen Angaben die größten Anbieter von Diensten und Leistungen der sozialen Arbeit in Baden-Württemberg.
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