Metzingen. Die britische Frasers Group hat beim Bekleidungshersteller Hugo Boss nun das alleinige Sagen. Sie hält nun 50,08 Prozent der Anteile an dem Unternehmen, wie die Briten mitteilten. Wenn ein Aktionär die 50-Prozent-Schwelle überschreitet, hat er die absolute Mehrheit und kann durchregieren und auf Hauptversammlungen alle einfachen Beschlüsse wie Gewinnverwendung oder Entlastung des Vorstands mit einfacher Mehrheit allein entscheiden. Frasers' Beteiligung hatte zuletzt 47,89 Prozent betragen, sodass zur Übernahme der Mehrheit nicht mehr viel fehlte.
Damit wurde das am 1. September verkündete Ziel erreicht, nach dem knapp gescheiterten Übernahmeangebot durch den Kauf weiterer Aktien doch noch über 50 Prozent zu kommen. Die Frasers Group gehört mehrheitlich dem britischen Milliardär Mike Ashley. Die wichtigste und bekannteste Marke des Unternehmens ist die Einzelhandelskette Sports Direct. Darüber hinaus hält das Unternehmen zahlreiche Beteiligungen - etwa am Onlineshop Asos.
Aufsichtsratschef Sturm kündigte im September Rückzug an
Als Konsequenz aus dem Übernahmekampf hatte Aufsichtsrastchef Stephan Sturm Mitte September angekündigt, seinen Posten aufzugeben. Das Verhältnis zwischen dem Großaktionär und Unternehmensführung war schon länger angespannt: Frasers hatte Aufsichtsratschef Sturm im Dezember etwa das Vertrauen entzogen. Streit gab es unter anderem um die Dividendenzahlung.
Die Briten versuchten bereits seit Mitte Juni, das Ruder bei den Schwaben zu übernehmen. Im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Angebots bewertete Frasers das Unternehmen mit rund 2,7 Milliarden Euro. Der Bekleidungshersteller mit Sitz im schwäbischen Metzingen hielt den gebotenen Preis von 38 Euro pro Aktie für zu niedrig und empfahl seinen Aktionären, das Angebot abzulehnen.
Frasers in Deutschland schon bei Puma aktiv
Auch in Deutschland sind die Briten keine Unbekannten. So hatten sie Interesse an der Kette Sportscheck, die dann aber nach Italien verkauft wurde. Außerdem wurde im Frühjahr der Einstieg bei Puma bekanntgegeben.
Dem schwäbischen Bekleidungshersteller Hugo Boss hatte im zweiten Quartal die maue Konsumstimmung insbesondere in Europa sowie der laufende Konzernumbau zugesetzt. Der Umsatz ging im Jahresvergleich insgesamt um zehn Prozent auf 905 Millionen Euro zurück. Vor allem in den Kernmärkten wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich verzeichnete Hugo Boss eine geringere Nachfrage. Zudem machten sich Schließungen im eigenen Einzelhandel sowie eine geringere Fläche im Großhandel bemerkbar. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um 28 Prozent auf 59 Millionen Euro. Das Konzernergebnis sank um 32 Prozent auf 34 Millionen Euro.
Hugo Boss war schon im Eigentum von Finanzinvestor
Konzernchef Daniel Grieder ist seit rund fünf Jahren im Amt und hat das Unternehmen durch eine radikale Neuausrichtung zur Lifestyle-Marke umgebaut. Er fokussierte sich auf Digitalisierung, starkes Marketing sowie eine verjüngte Zielgruppe. Der Konzern hat weltweit 20.000 Beschäftigte - davon mehr als 4.400 in Deutschland.
Der Bekleidungshersteller hatte einst auch schon dem Finanzinvestor Permira gehört. Er war 2007 über den Kauf des italienischen Modeunternehmens Valentino zur Hugo-Boss-Mehrheit gekommen. 2009 hatte der Investor den deutschen Hersteller aus dem italienischen Konzern herausgelöst und in die Holding Red & Black eingebracht. Valentino ging 2012 an einen Investor aus dem Golfstaat Katar. 2011 hatte sich Permira dann erstmals von Anteilen an Hugo Boss getrennt. Weitere Anteilsverkäufe erfolgten in den Folgejahren.
© dpa-infocom, dpa:261025-930-891633/2
