Berlin/Heidelberg. Er packt Gründungen auf den Lehrplan und zeigt, wie KI im Unterricht Sinn machen kann: Ein Informatiklehrer aus Heidelberg ist mit dem renommierten Deutschen Lehrkräftepreis ausgezeichnet worden. Steffen Haschler unterrichtet an einem privaten Gymnasium. «Es ist eine große Ehre für mich», sagte der 46-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.
Vorgeschlagen hatten ihn Schülerinnen. Sie hatten am Gründer-Seminarkurs «Business, Entrepreneurship and Math» - kurz: BEAM - des Pädagogen für das Abitur teilgenommen und waren wohl ziemlich begeistert. Der Kurs wird inzwischen an rund 40 Schulen und auch im Ausland umgesetzt.
«Damit dies ging, habe ich selbst die gemeinnützige "sparks4school Foundation gGmbH" gegründet, die Lehrkräfte mit frei nutzbaren Materialien und Praxisleitfäden für innovativen Unterricht unterstützt», so Haschler. Er wurde in der Kategorie «Ausgezeichnete Lehrkräfte» mit neun weiteren Preisträgerinnen und Preisträgern ausgezeichnet.
Großes Lob von Schülerinnen
«Herr Haschler ist kein gewöhnlicher Mathematik-, Physik- und Informatiklehrer mit mehr als 15 Jahren Lehrerfahrung», heißt es in einem Lob anlässlich der Preisverleihung. Ebenfalls sei er «ein Gründer, Erfinder und Hacktivist mit unglaublich viel Innovationskraft und Engagement».
Die Nominierung sei eine Art Wertschätzung für die Arbeit gewesen, sagte Haschler. Er nehme seine Schülerinnen und Schüler gerne mit in die echte Welt, etwa zu Veranstaltungen rund um das Thema KI. «Das macht doch viel mit den jungen Leuten, wenn sie einfach mal ernst genommen» werden, wie der Pädagoge sagte.
Zeigen, was KI alles kann
Das Thema Künstliche Intelligenz werde am Gymnasium Englisches Institut in Heidelberg der KBW-Gruppe Stuttgart schon seit Jahren behandelt. «Ich beschäftige mich damit seit 2015 ungefähr», sagte der Familienvater.

Im Rahmen eines Informatik-Projekts mit Lungenbildern hätten seine Schüler etwa die KI trainiert, virale und bakterielle Infektionen voneinander zu unterscheiden. «Ich war immer der "kreidefreie" Lehrer sozusagen.» Aktuell unterrichte er zwei 9. Klassen und die Oberstufe.
Für mehr sei keine Zeit, weil er für seinen Schulträger ein KI-Tool etwa für Berufsschulen entwickelt und begleitet, das Selbstlernkurse ermöglicht. Auch für die fünfte Klasse arbeite er an einem «SchulGPT». «Da wird jetzt ein KI-Tool erprobt, was helfen soll, das Grundwissen in den Hauptfächern besser zu lernen und zu vertiefen.»
Dass er seine Affinität zur Technik ausleben könne, sehe er als Privileg. «Ich bin natürlich super privilegiert. Ich bin an einer Privatschule in Heidelberg gelandet am Gymnasium.» Dort sei er seit seinem Referendariat 2009 tätig.
Weitere Preisträger aus dem Südwesten
Haschler ist nicht der einzige Preisträger aus dem Südwesten. In der Kategorie «Vorbildliche Schulleitung» wurde die Direktorin der Grundschule Kuppelnau, Roswitha Malewski, ausgezeichnet.
Im Wettbewerb um den innovativsten Unterricht ging der Sonderpreis «Kulturelle Bildung» an Dieter Maucher und Marcus Pfab der Dollinger-Realschule Biberach. Sie hatten mit ihren Schülern 500 Jahre Bauernkrieg in einem Theaterstück verarbeitet.
«Dass gleich drei Preise nach Baden-Württemberg gehen, freut mich wirklich riesig», erklärte Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne). Solche Lehrkräfte und Schulteams seien echte Vorbilder.
Worum geht es bei dem Preis?
Der Lehrkräftepreis wird vom Deutschen Philologenverband und der Heraeus Bildungsstiftung verliehen. Schüler können Vorschläge machen. Er gilt als renommierteste Auszeichnung für engagierte Lehrerinnen und Lehrer. Vergeben wird er einmal im Jahr in Berlin. Es gibt mehrere Kategorien.
© dpa-infocom, dpa:260223-930-722237/1
