Stuttgart. Das bisher letzte Gastspiel des Hamburger SV in Stuttgart hat sich bei VfB-Trainer Sebastian Hoeneß ganz besonders eingeprägt. Und er verbindet damit emotionale und ausschließlich positive Erinnerungen. Wie der damalige VfB-Verteidiger Konstantinos Mavropanos in der Relegation 2023 schon in der ersten Minute zum 1:0 einköpfte, habe er genau vor Augen, erzählte der Coach. «Das Stadion ist explodiert. Das war Wahnsinn», sagte Hoeneß. «Wir haben gemeinsam eine absolute Drucksituation überstanden.»
Das damalige 3:0 vor heimischem Publikum und das 3:1 in Hamburg sei sicher «ein kleiner Baustein» auch für die Dinge gewesen, die dann kamen, so der 43-Jährige. Im Sommer vor drei Jahren stand für die Schwaben gegen den HSV die Existenz in der Fußball-Bundesliga auf dem Spiel.
Die Amtszeit von Hoeneß hatte gerade erst begonnen. Mittlerweile ist Mavropanos längst in die englische Premier League gewechselt. Und der VfB hat sich unter Hoeneß weg von einem Abstiegskandidaten entwickelt und sich in dieser Saison wie 2024 zu einem Champions-League-Anwärter gemausert.
Auch das Hinspiel in Hamburg ist nicht vergessen
So steht der VfB zwar am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN), wenn es wieder gegen die Hamburger geht, auch ein wenig unter Druck - aber mit einem konträren, reizvollen Ziel: Jetzt zählt es, bis zum Saisonfinale am 16. Mai für die angestrebte Königsklassen-Qualifikation zu punkten.
Dabei treibt die Schwaben am 29. Spieltag auch die Wiedergutmachung für die Last-Minute-Niederlage (1:2) im Hinspiel beim Aufsteiger an. «Brachiale Rachegelüste wären übertrieben», sagte Hoeneß zwar. Der Coach betonte aber: «Natürlich haben wir es nicht vergessen. Das hat man nicht so oft gehabt in seiner Karriere. Das war schon ein harter Moment.»

Ende November hatte der Spielverlauf in der Hansestadt in der Schlussphase mehr auf einen VfB-Sieg hingedeutet, bevor das entscheidende Gegentor fiel. Das 1:2 hatten sich die Schwaben nach einer missratenen Freistoßvariante und einem erfolgreichen Konter des HSV eingefangen.
Der Schlussspurt hat es in sich
Angesichts des anspruchsvollen Restprogramms sollte sich der Pokal-Halbfinalist eine erneute Heimniederlage nicht erlauben. Am 19. April steht der Bundesliga-Kracher beim FC Bayern München an. Dann reist Werder Bremen als Abstiegskandidat an den Neckar, ehe noch drei Duelle mit den direkten Konkurrenten um die Königsklasse anstehen: TSG Hoffenheim, Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt.
Mit großem Optimismus schaut Hoeneß auf die entscheidenden Wochen. «Ich traue uns absolut zu, gegen jeden in der Bundesliga dagegenzuhalten, und das wollen wir jetzt beweisen», sagte der Coach, der auf den gesperrten Kapitän Atakan Karazor verzichten muss. «Wir sind gut beraten jetzt erst mal, einen Haken zu machen, und der erste Haken wäre der, zu wissen, dass wir nächste Saison auch international spielen. Da sind wir kurz davor», beschwichtigte er.
Besonderes Spiel für einen gebürtigen Hamburger
Mit der Europa League oder der Conference League kann der VfB fast sicher planen. Doch die Stuttgarter wollen natürlich mehr. Dabei mithelfen soll der gebürtige Hamburger Ermedin Demirovic, dem die lange Trainingswoche ohne internationalen Einsatz gutgetan habe. Er sei nach der WM-Qualifikation und der Feier in Bosnien «platt gewesen», jetzt aber wieder «energetisch» aufgetreten, berichtete Hoeneß. Eine wichtige Voraussetzung, um im Stadion wieder Energie zu entfachen. Wie 2023 beim Kopfball von Mavropanos.
© dpa-infocom, dpa:260410-930-927998/2
