München. Nummer 13 könnte sich für Manuel Neuer etwas merkwürdig anfühlen. Der Weltmeistertorwart von 2014 hat schließlich alle seine bisherigen 12 Meisterschaften beim FC Bayern München an der Seite von Thomas Müller gefeiert. Doch der Ur-Bayer, mit 13 Triumphen Rekordmeister beim deutschen Fußball-Rekordmeister, spielt seit dem vergangenen Jahr für die Vancouver Whitecaps in Nordamerika. «Koan» Müller also.
Neuer wird mit Müller gleichziehen. Die klitzekleine Frage ist nur noch wann. Schon an diesem Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) will der FC Bayern gegen Champions-League-Kandidat VfB Stuttgart vor eigenem Publikum in der Allianz Arena seine insgesamt 35. Meisterschaft perfekt machen.
Meisterschaft als «großartiger Abschluss»
Die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany liegt vor dem 30. Spieltag 12 Punkte vor dem längst abgehängten Verfolger Borussia Dortmund und hat die um Lichtjahre - oder 47 Treffer - bessere Tordifferenz. «Das würde diese Woche nochmal abrunden. Das wäre ein großartiger Abschluss», meinte Sportvorstand Max Eberl nach dem Halbfinaleinzug in der Champions League am Mittwochabend gegen Real Madrid.

Neuer hat gegen die Königlichen eine denkwürdige Nacht erlebt. Ein Aussetzer nach gerade einmal 35 Sekunden brachte seine Bayern beim schlussendlichen 4:3 im Rückspiel ins Wanken. Aber ein Münchner steckt Rückschläge eben weg. «Das mache ich ganz gut», meinte Neuer lakonisch.
Seit seinem Wechsel im Sommer 2011 vom FC Schalke 04 hat er als spielender Torhüter eine Ära geprägt - beim FC Bayern und bis zu seinem Abschied 2024 auch in der Nationalmannschaft. «Er hat das Spiel auf eine neue Ebene gehoben, er hat das Spiel neu kreiert als Torhüter», würdigte Weltmeistertrainer Joachim Löw seinen Weltmeisterschlussmann von 2014. «Über so lange Zeit in so einer bestechenden Form immer zu sein, das ist schon großartig.»
Der Faktor Gesundheit
Neuer ist aber mittlerweile 40 Jahre alt. Und da zeigen seine Leistungen auch Schwankungen. Er kann immer noch Weltklasse halten, wie beim 2:1 im Hinspiel gegen Real, oder sich auch Blackouts leisten, wie im Rückspiel. Was also macht Neuer, dessen Vertrag beim FC Bayern Ende Juni ausläuft?
«Das macht alles Spaß dieses Jahr», meinte der zweimalige Triple-Gewinner nur ausweichend auf die Frage, ob so eine Champions-League-Nacht wie gegen Madrid bei ihm Lust auf mehr mache.
Die Gesundheit ist für Neuer ein entscheidender Faktor in der Zukunftsfrage. Wie sehr muss der 1,93 Meter große Athlet seinen Körper noch quälen, um Topleistungen abzurufen? Das muss Neuer für sich beantworten.

«Die Fitness, die geistige Frische, die Lust auf ein weiteres Jahr: Das muss er ein Stück weit signalisieren. Und dann werden wir die Dinge übereinander legen und dann würde es auch wahrscheinlich eine Lösung geben», sagte Eberl bei DAZN. «Es sei denn, die Forderungen sind utopischer Art und Weise. Das kann ich mir ehrlicherweise nicht vorstellen.»
Entscheidungen im April
Die Bayern jedenfalls zeigen bei Neuer Geduld. «Er hat kein Angebot vorliegen», stellte Eberl klar und erläuterte weiter: «Wir sind mit Manu sehr, sehr klar. Manu hat uns gesagt, er möchte diese Spiele im April haben. Die hat er jetzt.»
In diese Zeit fallen noch zwei Bundesliga-Etappen, das Halbfinale im DFB-Pokal am Mittwoch bei Bayer Leverkusen und Ende April das Hinspiel im Halbfinale der Champions League bei Titelverteidiger Paris Saint-Germain. Dann dürfte man mehr wissen über die Zukunft des Rekordmeisters beim Rekordmeister.
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