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Tiere
Ministerin: Wolf «eine der schwersten Entscheidungen»

Umweltministerin Thekla Walker
Man bekomme den Wolf nicht in den Griff, sagt Umweltministerin Thekla Walker (Grüne). (Archivbild) Foto: Philipp von Ditfurth
Wolf
Bis eine Entscheidung im Eilverfahren gefallen ist, darf der Wolf nicht getötet werden. (Symbolbild) Foto: Bernd Weißbrod
Trotz fehlender Angriffe droht einem Wolf im Nordschwarzwald der Abschuss. Leicht sei die Entscheidung nicht gefallen, sagt die Umweltministerin. Warum sie dennoch keine Alternative sieht.

Stuttgart. Im Streit um den geplanten Abschuss eines Wolfs auf der Hornisgrinde im Nordschwarzwald hat Landesumweltministerin Thekla Walker um Verständnis geworben. Die Grünen-Politikerin spricht von einer der schwersten Entscheidungen in ihrer Amtszeit, zumal das Tier keine Menschen angegriffen habe. «Aber jetzt haben wir einfach festgestellt: Wir kriegen das nicht in den Griff», sagte Walker in einem Gespräch mit dem SWR. Es gebe zunehmend Meldungen über Sichtungen. «Und dann muss man letztendlich leider zu der Entscheidung kommen, dass die milderen Mittel nicht ausreichen.»

Wolf verhält sich ungewöhnlich

Der Wolfsrüde nähert sich immer wieder Menschen und sollte nach Überzeugung des Umweltministeriums aus Sicherheitsgründen getötet werden. Über eine Klage von Naturschützern gegen diese Abschussgenehmigung berät derzeit das Verwaltungsgericht Stuttgart. Eine Entscheidung im Eilverfahren soll bald verkündet werden. Bis dahin darf das Tier nicht getötet werden.

Nach einer Statistik des Ministeriums soll sich der Wolf mit der Kennung GW2672m in jüngster Zeit auch wieder häufiger und näher an Menschen herangetraut haben. Es habe in der laufenden Ranzzeit - also in der Paarungszeit - weiterhin kritische Begegnungen gegeben. Darunter seien im Januar auch Sichtungen mit einem Abstand unter zehn Metern gewesen, sagte ein Sprecher Walkers der «Badischen Zeitung». 

Sichtungen in der Ranzzeit

Nach einer Übersicht gab es laut der «Badischen Zeitung» seit Beginn der jüngsten Ranzzeit im vergangenen November 39 Sichtungen. Teilweise habe sich der Wolf erst nach 30 Minuten oder mehr entfernt. Für gewöhnlich tolerieren wilde Wölfe geringe Distanzen von unter 30 Metern zu Menschen nicht und entfernen sich deutlich früher. Auffällig ist daher, dass sich der ungewöhnlich kontaktfreudige Hornisgrinde-Wolf im gesamten vergangenen Jahr sogar viermal auf Distanzen von bis zu fünf Metern genähert haben soll. 

Seit 2024 wurden insgesamt über 180 Sichtungen dokumentiert. In nahezu jedem zweiten Fall hatte ein Mensch einen Hund mit dabei. Experten gehen davon aus, dass der Wolf mangels Artgenossinnen an Hündinnen interessiert ist und erkannt hat, dass diese häufig von Menschen begleitet werden.

© dpa-infocom, dpa:260205-930-645544/1