Stuttgart/Offenburg. Zwei Tage lang kommen die Grünen in Baden-Württemberg an diesem Wochenende zu einem Parteitag in Offenburg zusammen: Auf der Tagesordnung steht dieses Jahr auch die Wahl des neuen Landesvorstands.
Wer sind die Favoriten bei der Wahl zum Parteivorstand?
Die bislang einzigen zur Wahl stehenden Kandidaten für die Partei-Spitze der Grünen in Baden-Württemberg, und damit die aussichtsreichsten Anwärter auf das neue Amt, sind Clara Wellhäußer und Jan-Lukas Schmitt. Gegenkandidaten gibt es bislang keine.
Clara Wellhäußer ist 27 Jahre alt, studierte Juristin, und wird dem linken Flügel der Partei zugeordnet. Die gebürtige Schwäbin lebt in Freiburg und ist dort als Stadträtin aktiv. Von 2020 bis 2023 arbeitete sie für den Europaabgeordneten Michael Bloss. Außerdem engagierte sie sich bereits als Sprecherin der Grünen Jugend, im Kreisvorsitz in Freiburg und dem Landesparteirat. Aktuell schreibt die Stipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung ihre Promotion im Verfassungsrecht.
Unter anderem möchte Wellhäußer Frauen dabei fördern, ihren Weg in kommunale Räte, Parteifunktionen oder Parlamente zu gehen. Außerdem will sich die 27-Jährige dafür einsetzen, dass die Parteistrukturen für die fast 25.000 Mitglieder so angepasst werden, dass jedes Mitglied sich schnell und einfach einbringen und wirksam werden kann.
Der zweite Kandidat um die Partei-Spitze ist Jan-Lukas Schmitt. Der 31-jährige gelernte Wirtschaftsjournalist wird dem Realo-Flügel der Partei zugeordnet und gilt als enger Vertrauter von Ministerpräsident Cem Özdemir. Während seiner Laufbahn bei den Grünen war er Vorstandsreferent für Finanz- und Haushaltspolitik in der damaligen Grünen-Bundesgeschäftsstelle unter Ricarda Lang und Omid Nouripour. 2025 kandidierte er in seinem Heimatkreis Waldshut für den Bundestag – jedoch ohne Erfolg. Zuletzt arbeitete er als strategischer Leiter des Wahlkampfs von Özdemir.
Neben Strukturfragen will sich Schmitt vor allem um einen intensiveren Austausch mit anderen Landesverbänden und dem Bund kümmern. «Ich denke, dass etwas mehr Südwest-Grün auch auf Bundesebene überzeugen kann.»
Schwelling und Haggenmüller treten nicht wieder an
Aktuell sind Lena Schwelling und Pascal Haggenmüller die Landesvorsitzenden der Grünen im Südwesten. Beide treten nicht erneut an. Sie führen die Partei seit 2021.

«Knapp fünf intensive Jahre als Berufspolitikerin liegen hinter mir», schrieb Schwelling Ende Juli auf Instagram. «Eine Aufgabe hat diese Jahre geprägt: das Unmögliche möglich zu machen und die Grünen über die Ära Kretschmann hinaus zur prägenden politischen Kraft in Baden-Württemberg zu machen.» Dieses Ziel habe man gemeinsam erreicht und mit Cem Özdemir als Ministerpräsidenten ein neues Kapitel grüner Geschichte aufgeschlagen. «Doch mein Kapitel als Landesvorsitzende dieser großartigen Partei wird enden», schrieb sie weiter. «Ich werde dort nicht erneut kandidieren.»
Haggenmüller hat im vergangenen Wahlkampf im Wahlkreis Bretten für den Landtag kandidiert und über die Landesliste ein Mandat gewonnen. Weil die Satzung des Landesverbands eine Trennung von Amt und Mandat vorsieht, wird auch er sich nicht mehr um den Parteivorsitz bewerben.
© dpa-infocom, dpa:261017-930-852489/1
