Stuttgart/ Schwäbisch Hall. Der Chef der Bausparkasse Schwäbisch Hall, Mike Kammann, sieht im neuen Koalitionsvertrag von Grün-Schwarz wichtige Impulse, um den Wohnungsbau wieder in Schwung zu bringen. Es sei gut, dass die neue Landesregierung neben Mietern auch diejenigen im Blick habe, die Wohneigentum besitzen oder erwerben wollen. «Ich war positiv überrascht, als ich das Dokument gelesen habe», sagte er.
Zugleich wies er darauf hin, dass die Finanzierung der Vorhaben aufgrund der angespannten Haushaltslage schwierig sei. Insbesondere die beabsichtigte Senkung der Baunebenkosten und die Möglichkeit der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Darlehenszinsen für Eigenheime halte er bei den im Koalitionspapier angestrebten Maßnahmen für wichtig.
Wird die Grunderwerbsteuer bald erstattet?
«Die Kosten in Deutschland sind zu hoch», sagte der Vorstandsvorsitzende des Branchenprimus mit Blick auf die Baunebenkosten. Die grün-schwarze Koalition will das ändern: künftig könnte man die Grunderwerbsteuer erstatten, wenn Familien sich das erste eigene Haus kaufen, hieß es im Koalitionsvertrag.
Wie das konkret funktionieren soll, ist noch nicht klar, orientieren will sich die Landesregierung an einem ähnlichen Modell in Hessen. Hier wird die Grunderwerbsteuer mit einer Förderung von 10.000 Euro pro Käufer maximal bis zur tatsächlichen Höhe in Raten zurückgezahlt. «Die Maßnahme finde ich extrem hilfreich. Das wird die Nachfrage ankurbeln», sagte Kammann.
Kammann trotz allem skeptisch
Der Bausparkassen-Vorsitzende gab aber auch zu bedenken: «Die Umsetzung wird natürlich wegen der Finanzen schwierig werden. Einen tragfähigen Haushalt auf Landesebene hinzubekommen ist für mich das Damoklesschwert.» Auch fehlten Kammann konkrete Maßnahmen im Koalitionspapier. Diese müssten «jetzt relativ schnell entschieden werden, damit es noch Wirkung entfalten kann». Denn der Vorstandschef spricht aus der Praxis: «Wir haben in der Historie viele Erfahrungen gemacht, dass Gesetze und Verordnungen erlassen worden sind, die nachher für die Bau-, Immobilien- und auch Finanzindustrie nicht praxistauglich waren.»
© dpa-infocom, dpa:260525-930-124962/1

