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Endspurt im Wahlkampf
«Rotzfrech», «nicht ehrlich» - Hagel attackiert Özdemir

Manuel Hagel
Hagel könnte der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte des Landes werden. Foto: Michael Kappeler
Der Ton im Wahlkampf wird auf den letzten Metern schärfer. Hagel greift seinen grünen Kontrahenten an.

Stuttgart. Eine Woche vor der Landtagswahl hat CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel seinen grünen Kontrahenten Cem Özdemir scharf angegriffen - und ihm Unehrlichkeit vorgeworfen. «Er verspricht Dinge, die seine eigene Partei niemals mitgehen wird. Das ist nicht ehrlich», sagte der CDU-Landesvorsitzende der «Welt» in einem Interview. «Nicht ehrlich ist es auch, wenn der grüne Spitzenkandidat nun rotzfrech behauptet, dass die grüne Partei "Auto kann".» Dabei sei der Kampf gegen das Auto «geradezu der Gründungsmythos der Grünen», so Hagel.

Hagel warf Özdemir vor, dass er vor noch nicht langer Zeit mit seinen Grünen das Verbrenner-Aus 2035 in den Koalitionsvertrag der Ampel hineinverhandelt habe. «Jetzt, wo sich zeigt, dass der "Kampf gegen das Auto" in Wirklichkeit ein Kampf gegen unseren Wohlstand und unsere Arbeitsplätze war, versucht er, die Grünen noch schnell zur Autopartei umzuetikettieren.»

Hagel sieht «aggressive Angriffe» Özdemirs 

Es gebe offenbar bei den Grünen einen großen Unterschied zwischen Wahlkampfparolen und Regierungsprogramm, so Hagel. «Die Aussagen des Spitzenkandidaten sind von der Programmatik der eigenen Partei weit
entfernt.» 

Gefragt danach, dass Özdemir sich an ihm und seiner Partei stark abarbeite, sagte Hagel, dass zuletzt deutlich geworden sei, dass es einen Unterschied im Stil gebe. «Er steht ja auch unter einem enormen Druck, nachdem die Ampel in Berlin gescheitert ist und jedermann sieht, was diese Politik in unserem Land angerichtet hat», so Hagel über seinen Kontrahenten. Diese «aggressiven Angriffe des grünen Kandidaten» würden die Ränder stärken.

«Rotzfrech» - Wörtchen mit Wiedererkennungswert

In Baden-Württemberg wird am 8. März ein neuer Landtag gewählt. Hagel und Özdemir konkurrieren um das Ministerpräsidentenamt. Bislang kam es im Wahlkampf eher selten zur direkten Konfrontation zwischen den beiden. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) tritt nicht wieder an - er regiert bislang mit einer grün-schwarzen Koalition. Die CDU lag über Monate in Umfragen komfortabel vor den Grünen - in jüngsten Erhebungen ist der Abstand aber deutlich geschmolzen. Derzeit käme nur eine Fortsetzung des Bündnisses aus Grünen und CDU auf eine Mehrheit im Landtag. 

Das Wort «rotzfrech» fällt nicht zum ersten Mal in diesem Wahlkampf. Grünen-Spitzenkandidat Özdemir hatte auf dem Parteitag seiner Partei Mitte Dezember die CDU scharf angegriffen mit Blick unter anderem auf die Schuldenpolitik im Bund - und gesagt, nach der Bundestagswahl habe die Union «der Bevölkerung rotzfrech ins Gesicht gelogen».

© dpa-infocom, dpa:260301-930-752724/1