Sinsheim. Fisnik Asllani schlenderte im weißen Hemd durch die Katakomben, Andrej Kramaric verließ die Arena von Sinsheim mit ernster Miene: Die TSG Hoffenheim hat in der Fußball-Bundesliga einen klassischen Fehlstart hingelegt und steht früh in der Saison unter Druck. Beim bitteren 2:3 nach 2:0 gegen Borussia Dortmund fehlte Asllani (Trainingsrückstand) erneut, während Kramaric wieder eine Nebenrolle als Joker einnahm.
Lemperles Gefühl ist «extrem beschissen»
Doch wenn sich die Kraichgauer weiter drei Gegentore pro Spiel erlauben, dürften auch ein fitter Asllani und ein Startelf-Comeback von Kramaric nicht groß weiterhelfen. «Wir stehen mit null Punkten da, das Gefühl ist extrem beschissen», sagte Torschütze Tim Lemperle, dessen 2:0 aussah wie eine Vorentscheidung.
Davor und danach ließ Hoffenheim beste Chancen ungenutzt, um die Partie frühzeitig zu entscheiden. Schon gegen den 1. FC Köln hatte Hoffenheim nach zweimaliger Führung mit 2:3 verloren.
«Es fühlt sich im Moment nicht gut an, mit null Punkten nach zwei Spielen dazusitzen. Die Jungs hatten nach Köln eine extrem starke Trainingswoche. Sie haben es in den ersten 60 Minuten sehr gut umgesetzt, das hat mich beeindruckt», sagte Cheftrainer Christian Ilzer. Die TSG setzte den stärksten Bayern-Rivalen eine Stunde lang massiv unter Druck, führte mit 2:0 - und brach dann weg.

Foul vor erstem Dortmund-Tor?
Schlüsselszene aus Sicht der Hoffenheimer war das Anschlusstor von Serhou Guirassy, dem ein vermeintliches Foul an TSG-Neuzugang Patrick Wimmer vorausgegangen war. «Ganz klares Foul - es ist unstrittig», sagte Ilzer. Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck kommunizierte nach dem Tor mit dem Videoassistenten, doch der Treffer hatte Bestand. Danach kippte das Spiel, bis ein Eigentor von Albian Hajdari für die Entscheidung sorgte. Joker Fabio Silva hatte zuvor ausgeglichen.
«Der Trainer sagte uns eben, dass wir alle einen Schritt enger zusammen machen und nicht aufgeben sollen. Wir haben heute ganz viel gezeigt. Man hat gesehen, dass wir gut Fußball spielen können. Und wenn wir da dranbleiben, werden wir auch Erfolge holen», sagte Lemperle. Vor 30.150 Zuschauern - darunter rund ein Drittel in gelb gekleidete BVB-Fans - sammelte Ilzer sein Team in einem Kreis und munterte die Profis auf.
Der Österreicher sagte: «Mit einer 2:0-Führung darf man keinen Millimeter nachlassen, das wurde heute gnadenlos bestraft.» Die Extraklasse von Guirassy sowie der beiden Joker Silva und Ethan Nwaneri machten sich in der turbulenten Schlussphase bemerkbar. Hoffenheim hat zwar auch viel Qualität in der Offensive, kann ohne Asllani und mit Kurzzeit-Kramaric (diesmal 17 Minuten) nur bedingt nachlegen.
Letztmals null Punkte mit Kuranyi im Sturm
Wirklich einfacher wird es nicht. In der kommenden Woche wartet das Baden-Württemberg-Duell mit dem VfB Stuttgart, danach geht es direkt in der Europa League los. «Jeder hat gesehen, was für Qualitäten die TSG hat», sagte BVB-Trainer Niko Kovac. Ilzer ordnete zu den beiden Niederlagen ein: «Den einen oder anderen schmerzvollen Hieb haben wir mit auf die Reise bekommen. Wir werden gestärkt rausgehen.»
Letztmals mit null Punkten in die Bundesliga gestartet war Hoffenheim vor elf Jahren. Trainer war damals Markus Gisdol, im Sturm spielte noch Kevin Kuranyi. Nur Oliver Baumann, den bei den drei Gegentreffern keine Schuld traf, stand schon damals im Tor der TSG.
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