Stuttgart/Langenargen. Eingewanderte Krebse haben heimische Arten vielerorts in Baden-Württemberg verdrängt. Invasive gebietsfremde Flusskrebse seien in allen Haupteinzugsgebieten im Südwesten (Rhein, Neckar, Main, Bodensee und Donau) weit verbreitet, erklärte Christoph Chucholl von der Fischereiforschungsstelle des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg in Langenargen am Bodensee. Diese Regionen seien für die heimischen Krebsarten irreversibel als Lebensraum verloren.
Dramatische Bestandsverluste
Der Edelkrebs sei dadurch in seinem ursprünglichen Primärlebensraum – sommerwarmen Fließgewässern und natürlichen Seen – praktisch ausgestorben, erklärte der Fachmann. Er komme noch in kleinen Teichen und Weihern sowie Abgrabungsgewässern vor.

«Restvorkommen der kleineren heimischen Arten Stein- und Dohlenkrebs existieren vor allem noch in den naturnahen Gewässeroberläufen», hieß es. Teils dramatische Bestandsverluste etwa in Südbaden, dem Bodenseegebiet oder den Schwäbisch-Fränkischen Waldbergen fielen räumlich und zeitlich sehr eng mit der Ausbreitung oder Verschleppung von Signalkrebsen zusammen.
Wiederansiedlungen und Revitalisierung von Gewässern
Naturschützer wollen heimische Krebsarten fördern. Das könne man zum Beispiel durch Wiederansiedlungen in Gewässern ohne invasive Arten machen, den Schutz geeigneter Lebensräume sowie Maßnahmen zur Förderung der Klimaresilienz der Gewässer, teilte Artenschutzreferentin Alexandra Ickes vom Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg in Stuttgart mit.
Der Nabu und der Umwelt- und Naturschutzverband BUND Baden-Württemberg setzen sich ferner im Projekt Gewässerbündnis BW für die Revitalisierung von Bächen und Flüssen ein, wovon auch heimische Krebse profitieren könnten. Direkte Projekte zu Krebsen gebe es dort derzeit nicht.
© dpa-infocom, dpa:261008-930-806192/1
