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Wiedersehen mit dem Ex-Verein
Vom Fan zum VfB-Vizekapitän: Prömel schreibt Fußball-Märchen

Grischa Prömel
Neuzugang Grischa Prömel ist sofort ein Anführer beim VfB Stuttgart. (Archivbild) Foto: Tom Weller
Vizekapitän, erstes Tor, Champions-League-Premiere und Wiedersehen mit der TSG Hoffenheim. Grischa Prömel erlebt in Stuttgart einen Traumstart. Sein Weg zur VfB-Führungskraft ist besonders.

Stuttgart. Als Achtjähriger steht Grischa Prömel an einem emotionalen Champions-League-Abend vor dem Rasen des Stuttgarter Stadions. Den VfB-Fan-Schal hat er für diese Partie gegen die Glasgow Rangers (1:0) um den Hals gewickelt - genau wie seine zwei Brüder, wie ein Foto zeigt. 23 Jahre später ordnet Prömel als Neuzugang das Spiel des VfB in der Bundesliga ebenso wie in der Königsklasse. Sein Fußball-Märchen kommt ihm selbst «ein bisschen surreal» vor.

Prömel ist im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt unweit des Stadions geboren, wenige Kilometer weiter aufgewachsen. «Es ist einfach etwas Besonderes. Wenn man in Esslingen aufgewachsen ist, gibt es nicht viel, von dem man träumt. Ein kleiner Traum ist natürlich, für den VfB zu spielen», sagte er zuletzt.

Nie spielte der 31-Jährige auf seinem Weg zum Bundesliga-Profi für den schwäbischen Traditionsverein. Doch mit seinem ablösefreien Wechsel in diesem Sommer wurde der Traum noch Wirklichkeit.

Ein Highlight folgt dem anderen

Nun hat Prömel Schlag auf Schlag sein erstes Bundesliga-Heimspiel mit den Schwaben inklusive seines ersten Pflichtspiel-Tors für den VfB hinter sich. Er hat beim 3:1 gegen Viking Stavanger zum ersten Mal in der Champions League gespielt. In dem Stadion, in dem er die Stuttgarter einst als Fan anfeuerte.

Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) ist ein Auswärtsspiel dran - aber auch das ist für ihn kein Bundesliga-Alltag. Es kommt zum schnellen Wiedersehen mit seinem Ex-Club TSG Hoffenheim. Mit Prömel als VfB-Führungskraft. Eingewöhnungszeit brauchte der Mittelfeldspieler nicht. In Windeseile etablierte er sich in der Mannschaft, verdrängte Ex-Kapitän Atakan Karazor aus der Startelf, stieg sofort zum Vizekapitän auf. Prömels Stellenwert ist auf Anhieb enorm.

«Wir sind froh, dass er da ist», lobte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß. Prömel nutze jede Gelegenheit zu betonen, wie besonders es für ihn sei, für den VfB zu spielen. «Und das spürst du.» Der Routinier sei ein «sehr positiver Mensch» und identifiziere sich zu 100 Prozent mit dem Club, so Hoeneß. Prömel tue nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich gut. 

Mit auffallendem Auto zum VfB-Training

Als Typ macht der Mittelfeldakteur nicht nur mit seiner außergewöhnlichen VfB-Verbundenheit, sondern auch mit seiner Bodenständigkeit von sich reden. Schnell machte auch in Stuttgart die Runde, dass er noch immer den Ford Fiesta fährt, den er schon seit seinem 18. Geburtstag besitzt. 

Fußballerisch überzeugt der körperlich robuste Profi mit seiner Präsenz im Mittelfeld - als neue erste Wahl neben dem gesetzten Angelo Stiller. «Er ist als jemand gekommen, der schon sehr, sehr viele Bundesliga-Spiele und Bundesliga-Vereine auf dem Buckel hat, sich sofort in unsere Hierarchie reingearbeitet hat, sofort einen wichtigen Status hat», sagte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. Prömel gehe «verbal und inhaltlich» voran.

Grischa Prömel
Grischa Prömel (r) kam gegen Viking Stavanger zu seinem ersten Champions-League-Auftritt. Foto: Harry Langer

Prömel warnt vor Hoffenheim

Mit seinen 31 Jahren steht Prömel im Kontrast zu etlichen jungen Spielern, die der VfB in den vergangenen Jahren oft verpflichtete. Er kam gereift - nach Bundesliga-Jahren mit dem 1. FC Union Berlin und Hoffenheim. Als ein gestandener Spieler, der auch kritisch den Zeigefinger hebt. Der VfB habe sich das Leben gegen Viking Stavanger am Mittwochabend teilweise selbst schwer gemacht, meinte Prömel bei DAZN. Gegen Hoffenheim werde es schwerer. 

Dennoch war er natürlich froh, dass sich an diesem Champions-League-Abend mit einem Sieg der Kreis schloss. «Das sind Momente, die für ewig bleiben, davon hat man immer geträumt, jetzt ist man selbst auf der Bühne. Ich konnte es genießen», sagte Prömel. Und lacht auf dem nächsten Erinnerungsfoto.

© dpa-infocom, dpa:260911-930-668543/1