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Schmuck
Warum immer öfter synthetische Diamanten am Trauring funkeln

Synthetische Diamanten bei Trau- und Verlobungsringen
Sehen sich zum Verwechseln ähnlich: links ein natürlicher, rechts ein synthetischer Diamant. Foto: Bernd Weißbrod
Die Hochzeitsaison startet – und so mancher steht vor der Frage: Wie sollen die Ringe aussehen? Sind Diamanten als Hingucker gefragt, greifen Kunden laut der Branche vermehrt zu solchen aus dem Labor.

Pforzheim/Köln. Vor allem wegen hoher Edelmetallpreise steigt nach Einschätzung von Experten die Nachfrage nach synthetischen Diamanten in Deutschland – auch bei Trau- und Verlobungsringen. Sie würden zunehmend vor allem dort eingesetzt, wo größere Steinqualitäten gefragt sind, die mit natürlichen Diamanten für viele Kunden nicht mehr erreichbar wären, teilte der Bundesverband Schmuck-, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien (BVSU) in Pforzheim mit. Zudem seien die Preise für synthetische Diamanten über die Jahre deutlich gesunken, das Angebot sei vielfältiger geworden.

Sehen nur ähnlich aus

Dabei geht es um künstlich hergestellte Produkte. Über Tage und Wochen müssen dazu Temperaturen von etwa 1.000 Grad aufrechterhalten werden. Natürliche Diamanten kommen hingegen in spezifischen geologischen Formationen im Erdmantel vor. Beide haben die gleiche Kristallstruktur und im geschliffenen Zustand nahezu identische chemische, physikalische und optische Eigenschaften. Fachleute können sie aber auch dann unterscheiden.

Synthetische Diamanten bei Trau- und Verlobungsringen
Fachleute prüfen Diamanten und zertifizieren die Echtheit. Foto: Bernd Weißbrod

Vor allem aber können synthetische Diamanten laut Natural Diamond Council (NDC) in Industrieanlagen – überwiegend in China und Indien – in potenziell unbegrenzter Menge produziert werden. Durch technologischen Fortschritt sanken die Produktionskosten. Natürliche Diamanten indes sind seltene Edelsteine.

Massiver Preisverfall

Als synthetische Diamanten vor einigen Jahren in kommerziellen Mengen auf dem Schmuckmarkt auftauchten, waren die Preise dem NDC zufolge meist rund zehn Prozent niedriger als für natürliche Diamanten derselben Größe. «Mit der Ausweitung des Marktes für synthetische Diamanten und dem zunehmenden Wettbewerbsdruck hat sich das Verhältnis zwischen den Preisen für natürliche Diamanten und für synthetische Diamanten jedoch auseinanderentwickelt.» Die Unterschiede seien nicht für alle Größen und Qualitäten gleich.

Beispielsweise sei der Durchschnittspreis für einen runden, nahezu farblosen, synthetischen Diamanten von einem Karat mit sehr leichten Einschlüssen von 2018 bis 2025 im Großhandel um 95 Prozent auf 98 US-Dollar gesunken. Im Einzelhandel betrage das Minus 76 Prozent auf 855 US-Dollar.

«Synthetische Diamanten sind im Schmuckmarkt angekommen», erklärt Joachim Dünkelmann vom Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ) mit Sitz in Köln. «Die Nachfrage nach synthetischen Diamanten wächst, weil sie optisch eine Alternative sein können und preislich vergleichsweise attraktiv sind.» Für alle, die damit handeln, sei der anhaltende Preisverfall infolge gigantischer Produktionsmengen aber problematisch.

Geht es um Kosten oder Symbolik? 

Kundinnen und Kunden hingegen dürften sich freuen – nicht zuletzt, wenn eine ohnehin schon teure Hochzeit ansteht. «Bei Verlobungsringen ist der Stein eigentlich schon fast ein Muss», stellt BVSU-Hauptgeschäftsführer Guido Grohmann fest. «Bei Trauringen sind Steine im Allgemeinen eher bei der Dame gefragt, sehr selten beim Herren.» Damit seien diese beiden Märkte von besonderem Interesse für Anbieter synthetischer Diamanten.

Deutschland hat den eigentlichen Trend zu den im Labor hergestellten Produkten aber aus Grohmanns Sicht «verschlafen». «Der große Aufschwung synthetischer Diamanten ist bereits einige Jahre vorbei.»

Synthetische Diamanten bei Trau- und Verlobungsringen
Der Ring mit dem natürlichen drei Karat großen Diamanten (links) kostet nach Angaben des Händlers rund 65.000 Euro. Jener mit der synthetischen Variante nur rund 4.000 Euro. Foto: Bernd Weißbrod

Das größte Problem aus Sicht der Verbände ist, dass einige Anbieter versuchen, synthetische Diamanten als «echte» Diamanten zu verkaufen. Dabei müssen sowohl (natürliche) Diamanten als auch synthetische als solche klar gekennzeichnet sein, wie BVJ-Geschäftsführer Dünkelmann erläutert. «Hierzu bestehen bereits seit Jahren international anerkannte und fixierte Standards.» Für Kunden und Kundinnen sei es wichtig zu wissen, was man kauft, wie es hergestellt wurde und wo es herkommt. «Abkürzungen oder andere marketinggemachte Fantasiebegriffe sind nicht zulässig.»

Verfügt man über das nötige Kleingeld, kommt es nach seiner Einschätzung auch auf die immaterielle Botschaft an: Es gebe preiswerteren Schmuck mit synthetischen Diamanten, der schön anzusehen sei. «Wer etwas Besonderes, Wertvolles und Einzigartiges sucht, der wählt Schmuck mit Diamanten, die über Milliarden Jahre unter großem Druck und Hitze im Erdinneren gewachsen sind», so Dünkelmann. «Beides hat seine Berechtigung.»

© dpa-infocom, dpa:260426-930-993626/1