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Beim Bogenschießen die eigene Mitte finden

Schulsozialarbeit kooperiert mit Schülerlebenswerkstatt – Start noch im November – Beratungsbedarf steigt

Neues Angebot an der Schule: Bogenschießen.Archivfoto: privat
Neues Angebot an der Schule: Bogenschießen. Foto: privat

großbottwar. Intuitives Bogenschießen entspannt, und das ist wohl das, was Kinder und Jugendliche heutzutage brauchen. Die Schulsozialarbeit am Schulzentrum Großbottwar mit Grundschule, Realschule und Schule an der Linde will mit diesem Angebot noch im November starten. Der Bericht der Mitarbeiterinnen Helga Pfahler und Zeynep Özbay wurde im Verwaltungsausschuss zustimmend zur Kenntnis genommen.

Die Planungen für das Projekt Bogenschießen begannen bereits im Sommer als Kooperation mit der gemeinnützigen Schülerlebenswerkstatt. Damit sollen die Schüler lernen, Aufmerksamkeit zu fokussieren, die eigene Mitte zu finden und zu innerer Ruhe zu kommen. „Es geht nicht darum, die Mitte der Zielscheibe zu treffen“, machten die Schulsozialarbeiterinnen deutlich. „Für die Schüler ist es eine Bestätigung, dass sie etwas können, etwas hinkriegen“, ergänzte Dorothee Kocher von der Evangelischen Jugendhilfe Hochdorf, die seit drei Jahren die Schulsozialarbeit am Schulzentrum in Großbottwar mit seinen weit über 900 Schülern organisiert.

Das Material ist bereits vorhanden, Standort soll der Schulgarten sein. Nun müsse das alles noch versicherungstechnisch abgeklärt werden. Mit Angeboten wie dem Bogenschießen will die Schulsozialarbeit die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen fördern. Denn wie der Jahresbericht zeigt, ist der Beratungsbedarf gestiegen, wenn auch nicht so stark, wie das Balkendiagramm vermuten lässt: Im Schuljahr 2018/19 werden 267 Beratungen genannt, im Vorjahr lediglich 63. Der Grund für die höheren Zahlen: Gruppengespräche werden jetzt als Einzelgespräche gewertet.

„Die Grenze der Belastbarkeit bei den Schülern sinkt weiter“, so die Einschätzung von Dorothee Kocher. Vorrangige Themen bei den Schülern waren Konflikte mit anderen, das Verhalten im Unterricht, Freundschaftsverständnis, Liebeskummer, aber auch familiäre Probleme. Gespräche mit Eltern wurden ebenfalls geführt. Die Themenschwerpunkte hier: Informationen über Hilfsangebote, die Unterstützung durch den Allgemeinen Sozialen Dienst des Landratsamtes und auch die richtige Wahl der Schulart.

„Wir sehen es als gesellschaftlichen Auftrag, die Eltern mit ins Boot zu holen“, sagte Zeynep Özbay, nachdem SPD-Rätin Marlene Gerstberger mehr Elternarbeit angemahnt hatte, um etwas gegen das zunehmend respektlose Verhalten zu unternehmen. „Wir brauchen im Rathaus nicht nur Energie-, sondern auch Familienberatung“, ergänzte Doris Daniel (SPD). Andreas Strohm (CDU) sprach von immer komplexeren Anforderungen in der Gesellschaft, während es Robert Wien (Freie Wähler) kritisierte, dass immer mehr Probleme im Elternhaus auf den Staat abgewälzt würden. Auf Nachfrage von Benjamin Traa (CDU) machten die Sozialarbeiterinnen deutlich, dass Großbottwar auch nicht von der Drogenproblematik verschont bleibe und Fremdenfeindlichkeit vor allem bei Fußballspielen ein Thema sei. Dunkelhäutige Schüler würden da oft angegangen.

Der Schwerpunkt des Berichts lag auf Kooperationen mit Großbottwarer Vereinen und Einrichtungen, und da wird einiges geleistet. Die Schulsozialarbeiterinnen nannten nicht nur die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, sondern erwähnten auch die Teilnahme am Kinderstadtfest und regelmäßige Besuche in der Stadtbücherei. Kooperationen gebe es außerdem mit Jugendcafé, Jugendhäusern im Bottwartal sowie mit Vereinen vor Ort. Der CVJM stelle für erlebnispädagogische Tage sein Areal zur Verfügung, die Tischtennisabteilung des Turnvereins biete eine Schnupperstunde für die „Starke Mädchen AG“ an, die Polizei informiere über formelle Vorgänge beispielsweise bei häuslicher Gewalt und der Verein „Frauen für Frauen“ vermittle Beratungen.

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