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Schlossführerin sagt ade
Kammerzofe, die Geschichte schrieb: Anne Raquet verlässt Schloss Ludwigsburg

Anne Raquet trat 1999 erstmals als Kammerzofe vor ihr Publikum.
Anne Raquet trat 1999 erstmals als Kammerzofe vor ihr Publikum. Foto: SSG/p
Über zwei Jahrzehnte lang war sie Herz, Stimme und Seele des Residenzschlosses Ludwigsburg. Nun ist Anne Raquet in den Ruhestand verabschiedet worden.

Ludwigsburg. Als „Kammerzofe Christine“ verzauberte Anne Raquet Generationen von Besuchern, berührte mit ihrer Wärme und machte Geschichte lebendig wie kaum eine andere, so die Schlossverwaltung in einer Mitteilung. Am Samstag hat sie sich in den Ruhestand verabschiedet. Doch ganz loslassen wird sie nicht: Für ausgewählte Kinderführungen bleibt sie dem Schloss erhalten und macht Geschichte auch weiterhin auf unverwechselbare Weise erlebbar.

Über viele Jahre war Anne Raquet eine prägende Stimme und ein vertrautes Gesicht in der barocken Residenz – zuerst als Kammerzofe, später in der Schlossverwaltung, wo sie Vermittlungsformate speziell für Kinder entwickelte. Stephan Hurst, Leiter der Schlossverwaltung Ludwigsburg, würdigt ihren besonderen und langjährigen Einsatz: „Es gibt Menschen, die einen allein durch ihre Art für sich einnehmen. Anne Raquet ist so jemand – mit Elan, Freude und dieser besonderen Gabe, Menschen mitzunehmen und Geschichte auf ihre ganz eigene Art und Weise lebendig werden zu lassen.“ Und weiter: „Anne Raquet hat dieses Schloss nicht nur mitgestaltet – sie hat ihm Persönlichkeit gegeben.“

Manuel Liehr, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, ergänzt: „Anne Raquet hat die Besuchervermittlung in Ludwigsburg bereichert.“ Mit Kreativität, unermüdlichem Engagement und einem außergewöhnlichen Gespür für ihr Publikum – vor allem für Kinder – habe sie Maßstäbe gesetzt. Zahlreiche ihrer Ideen wurden zu Publikumslieblingen und dienten anderen Schlossverwaltungen als Inspiration.

„Ganz ohne Schloss möchte ich dann doch nicht sein.“Anne RaquetSchlossführerin

Den Besucherinnen und Besuchern begegnete sie stets mit Humor und Servicegedanken: „Wir machen alles möglich – außer übernachten … das habe ich oft zu unseren Kunden gesagt“, erinnert sich Anne Raquet. Nicht nur bei Gästen war sie geschätzt. Dreimal sprang sie zudem als stellvertretende Leiterin der Schlossverwaltung ein und übernahm Verantwortung mit Selbstverständlichkeit. Völlig verabschieden möchte sie sich dennoch nicht: „Ganz ohne Schloss möchte ich dann doch nicht sein. Daher freue ich mich, weiterhin ausgewählte Kinderführungen begleiten zu dürfen.“

Im Februar 1999 trat Anne Raquet erstmals als Kammerzofe vor ihr Publikum – der Beginn eines Erfolgsformats. Mit der Idee, als „allein im Schloss“ verbliebene Dienerin die Gäste in eine längst vergangene Welt zu entführen, betrat sie konzeptionelles Neuland. Rund 4.000 Führungen und 80.000 Besucher später war klar: Die Kammerzofe war nicht nur eine Rolle – sie war ein Erlebnis. „Anne Raquet verstand es meisterhaft, historische Fakten mit lebendiger Erzählkunst, Humor und feinem Gespür für ihr Publikum zu verbinden“, so Stephan Hurst.

2015 wechselte sie in die Schlossverwaltung – doch auch dort blieb sie Ideenschmiedin und Antreiberin, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Mit ihrer Kreativität entwickelte sie neue Formate, darunter „Nachts im Schloss“, „Treppauf, treppab“ sowie „Meine erste Schlossführung“ für Drei- und Vierjährige. Gerade im Umgang mit Kindern zeigte sich ihre besondere Begabung. Sie begegnete ihnen auf Augenhöhe, mit Wärme, Geduld und echter Zuwendung. Für viele kleine Besucherinnen und Besucher war sie die erste Begegnung mit Geschichte – und eine, die in Erinnerung blieb.

Mit der von ihr initiierten „Soiree Royale“ setzte sie zudem ein weiteres kreatives Ausrufezeichen im Veranstaltungskalender des Residenzschlosses – auch dieses Format entwickelte sich rasch zu einem Publikumserfolg und unterstrich ihren Anspruch, Geschichte nicht nur zu vermitteln, sondern erlebbar zu machen. (red)