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Landschaftsschutz-Projekt

Büffelkälbchen heißt jetzt „Habo“

Das Wasserbüffel-Kälbchen, das am 30. August ganz überraschend in der Talaue zwischen Groß- und Kleinbottwar geboren worden war, hat seit gestern einen Namen und eine ganze Reihe Paten: „Habo“ heißt es, beziehungsweise heißt sie, denn es ist ein Wasserbüffel-Mädchen.

Coole Büffel mit stolzen Paten: (von links) Claus-Peter Hutter, Bernd Rempfer von der Habo SG Buffalos, Landrat Rainer Haas, Gerhard Fahr und Andreas Weigle. Fotos: Holm Wolschendorf
Coole Büffel mit stolzen Paten: (von links) Claus-Peter Hutter, Bernd Rempfer von der Habo SG Buffalos, Landrat Rainer Haas, Gerhard Fahr und Andreas Weigle. Foto: Holm Wolschendorf

Großbottwar. Großes Aufgebot gestern für das pechschwarze Kälbchen, das schon ziemlich sicher auf seinen vier Beinen steht. Und nein, es heißt nicht „Renée“, obwohl Taufpate Landrat Rainer Haas ist, der Schirmherr des Projekts „Landschaftspflege und Naturschutz durch Beweidung im Bottwartal“.

„Habo“ ist also der Name, denn die Spielergemeinschaft Handball Bottwartal hat sich in Anspielung auf die Wasserbüffelherde den Namen „Habo SG Buffalos“ gegeben und gleich noch ein dynamisches Logo mit einem rot behornten Büffel verpasst. Warum also soll der Zuwachs nicht Habo heißen, regte der Landrat an, zumal Mutter Margot in den ersten Tagen nach der Geburt niemanden so nahe an ihr Kalb herankommen ließ, dass man das Geschlecht erkennen konnte. Und „Habo“ klingt ja einigermaßen genderneutral.

Der Pate hatte gestern natürlich auch ein Geschenk mitgebracht: ein Foto von Mutter und Kind fürs Vereinsheim der Buffalos und einen schwarzen Plüsch-Büffel als Maskottchen, den die Sportler künftig, wenn sie vor dem Spiel einen Kreis bilden, in die Höhe werfen sollen. Der Landrat demonstrierte es ansatzweise; dann gehe bestimmt kein Spiel mehr verloren.

Das zweite Kälbchen, ebenfalls ein Mädchen, wurde 19 Tage nach dem ersten geboren und war für Andreas Weigle, der die Herde mit seinen Söhnen betreut, keine so ganz große Überraschung mehr. „Man kriegt mit der Zeit einen Blick dafür“, sagt er. Denn geplant war die Vergrößerung der Herde von – genehmigten – sechs weiblichen Tieren auf nun acht keineswegs. Nach etwa einem halben Jahr, wenn die Kälbchen langsam abgestillt sind, brauchen sie auch den amtlichen Segen, um als Landschaftspfleger Gras und Schilf in den Bottwartalauen klein halten zu dürfen.

Dass zwei der Büffelkühe trächtig sind, hatte offenbar auch der Besitzer, ein Bauer vom Bodensee, nicht gewusst. Wasserbüffeln sehe man die Schwangerschaft nicht so schnell an, und am Bodensee waren die Tiere in einer gemischten Herde unterwegs, da könne schon mal was „passieren“, sagt Gerhard Fahr, der Vorsitzende des Vereins für Landschaftspflege und Naturschutz durch Beweidung im Bottwartal.

Andreas Weigle, der ganz verliebt über „seine“ Herde schaut, sagt, er habe inzwischen einen Blick entwickelt: Trächtige Kühe verhalten sich anders, wobei ohnehin jede ihren eigenen Charakter habe. Ob es vielleicht auch noch ein drittes Mal Nachwuchs gebe? Da schweigt der Büffelbändiger aus dem Bottwartal und strahlt übers ganze Gesicht. Er kann auch erklären, warum Gourmets auf original Bottwartal-Mozzarella verzichten müssen: „Die Büffelkühe geben ja nur Milch, wenn sie ein Kälbchen haben, und das müssten wir ihnen dann wegnehmen.“

Das wäre nicht im Sinn einer naturnahen Haltung, die in der Talaue praktiziert wird. Denn in erster Linie geht es um Naturschutz. Die mächtigen, friedlichen Tiere fressen dominante Pflanzen ab, so dass weniger robuste nachwachsen können; sie bilden mit ihre Leibern Mulden, in denen sich Wasser sammelt und die Vögel anlocken. Zoologen und Biologen, die das Projekt begleiten, warten auf Bekassinen, Claus-Peter Hutter von der Umweltstiftung Nature Life International, der Initiator des Projekts, erlauschte gestern einen Zilpzalp, dem es im Bottwartal offenbar so gut gefällt, dass er sich noch nicht auf die Reise gen Süden gemacht hat. „Die Wiesenlandschaft wird aufgewertet“, ist Hutter überzeugt.

Im nächsten Sommer soll dann noch der Fuß- und Radweg, der an der Weide entlangführt, zu einem Fünf-W-Weg aufgewertet werden. Infos über Wald, Wein, Wiese, Wasser und Wirtschaft gibt es dann auch über QR-Codes.

Landrat Rainer Haas konnte der überraschenden Doppelgeburt übrigens noch einen ganz praktischen Nutzen abgewinnen: „Sechs Büffel gekauft und fürs gleiche Geld acht bekommen – da freut sich der Schwabe!“

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