Logo

Schallschutz

Die erste Wand sorgt bereits für mehr Ruhe

Großer Bahnhof für die neue Schallschutzwand, die derzeit in Freiberg errichtet wird. Weil diese auf der Nordseite der Schienenstrecke jetzt fertig ist, hatte die Deutsche Bahn zum Frühstück eingeladen. Vertreter von Bahn, Verwaltung, Politik und Bürgerschaft waren gekommen und beobachteten, wie das letzte Element eingesetzt wurde.

Foto: Holm Wolschendorf
Foto: Holm Wolschendorf

Freiberg. Es hatte etwas von Bordbistro: Rühreier brutzelten in der Pfanne, Weißwürste simmerten im Kochtopf, es gab Brezeln, Kuchen und jede Menge heißen Kaffee. „Angesichts der kühlen Temperaturen wäre jetzt auch ein Glühwein nicht schlecht“, witzelte Thorsten Krenz, Konzernbevollmächtigter der Deutsche Bahn AG für das Land Baden-Württemberg. In einem Zelt hatte das Unternehmen Tische und Bänke aufgebaut, um die Fertigstellung der ersten von zwei Schallschutzwänden in Freiberg zu feiern. Entlang der Strecke Backnang – Ludwigsburg werden in der Stadt auf einer Länge von 2,2 Kilometern Wände errichtet – eine nördlich und eine südlich der Gleise. Gut die Hälfte ist bereits fertig, noch in diesem Jahr sollen auch die Anwohner südlich der Bahnstrecke in den Genuss der schallabsorbierenden Wände kommen. Die Stützen auf der Südseite stehen bereits, jetzt kommen noch die Sockel und der Einbau der Elemente. Nach Auskunft von Sabine Weiler, bei der DB Netz AG Leiterin der Lärmsanierung im Bereich Südwest, verlaufen die Arbeiten planmäßig und werden voraussichtlich Anfang Dezember abgeschlossen sein. Da vorwiegend nachts und vom Gleis aus gearbeitet wird, fahren die S-Bahnen zwischen 23 und 4.30 Uhr nur auf einer Seite.

„Angesichts des Klima- und des Umweltschutzes gewinnt eine umweltfreundliche Mobilität an Bedeutung“, sagte Thorsten Krenz. Die Bahn werde dem gerecht, indem sie die Infrastruktur, mehr Fahrzeuge, mehr Personal und eine bessere Qualität zur Verfügung stelle. Mehr Verkehr auf der Schiene müsse allerdings nicht gleichbedeutend sein mit einer Zunahme an Lärm. „Wir brauchen die Akzeptanz der Menschen, die an der Strecke wohnen“, sagte Krenz. Dafür existiere das Lärmsanierungsprogramm des Bundes. In Ergänzung zu den Wänden entlang der Bahnstrecke könnten an insgesamt 130 Wohneinheiten passive Maßnahmen getroffen werden. Dazu gehören der Einbau von schalldämmenden Fenstern und Lüftern. Nach Auskunft von Sabine Weiler werden die jeweiligen Eigentümer im Dezember angeschrieben. Wer nach einer Begutachtung eines Spezialisten entsprechende Einbauten in seinem Haus haben möchte, bezahlt einen Eigenanteil von 25 Prozent. Die ersten Baumaßnahmen starten 2010, nach zwei bis drei Jahren sollen sie abgeschlossen sein. Doch die Bahn sogt auch dort für mehr Ruhe, wo der Lärm entsteht: direkt an den Zügen. 80 Prozent der Güterwaggons seien bereits mit lärmreduzierenden Bremssohlen umgerüstet worden. „Ende 2020 werden alle Güterwaggons auf leisen Sohlen unterwegs sein“, sagte Thorsten Krenz.

„Mit diesen Schallschutzwänden wird für mehr Ruhe in Freiberg gesorgt – das war dringend notwendig“, sagte Bürgermeister Dirk Schaible. Schließlich sorge ein erweiterter Personennahverkehr auch für mehr Lärmbelastung. Der Schultes erinnerte an den bestehenden Lärmschutz, der 2009 im Zuge des Gleisausbaus in Richtung Benningen realisiert wurde. Umso dankbarer sei er, dass jetzt auch die anderen Anwohner geschützt würden.

Zahlen und Fakten

Acht Schallschutzwände hat die Deutsche Bahn bislang im Landkreis Ludwigsburg errichtet. 2008 und 2009 ging es los in Ludwigsburg, Tamm, Asperg und Bietigheim. Danach kamen Vaihingen, Sachsenheim, Sersheim und zuletzt (2018) Kirchheim dran. Noch in diesem Jahr wird die Wand in Freiberg fertiggestellt, nächstes Jahr erhält auch Besigheim einen Lärmschutz entlang der Bahntrasse. Um den Krach zu reduzieren, hat die Deutsche Bahn 2018 in Baden-Württemberg rund 11,3 Millionen Euro investiert. Mit dem Geld errichtete sie neue Schallschutzwände mit einer Gesamtlänge von 5,4 Kilometern. Bundesweit wurden von den rund 3700 Streckenkilometern bislang rund 1700 Kilometer mit Lärmschutz ausgestattet. Dabei hat die Deutsche Bahn rund 700 Kilometer Schallschutzwände aufgebaut und rund 58.400 Wohnungen mit passivem Lärmschutz ausgestattet. (elf)

Autor: