Ludwigsburg. Ein bekanntes Gesicht, ein Filmteam und jede Menge Trubel: In der Ludwigsburger Weststadt steht derzeit Schauspieler Sebastian Bezzel für eine Thrillerkomödie vor der Kamera. Der als Dorfpolizist Franz Eberhofer bekannte Schauspieler dreht in einem Firmengebäude, das kurzerhand zum Sitz eines Autozulieferers umfunktioniert wurde. Doch das ist längst nicht der einzige Film, dem Ludwigsburg als Kulisse dient. Immer wieder wurde die Barockstadt zum Drehort für Film- und Fernsehproduktionen – darunter auch einige Gruselfilme, die Bekanntes aus der Umgebung schaurig schön inszenieren. Perfekt also für einen Filmabend vor Halloween! Doch welche Filme und Kurzfilme wurden in Ludwigsburg gedreht?
„Vergessene Ritter“: Eine Vogelscheuche macht Jagd auf Kinder
Ein verlassener Ort, sieben Kinder und eine Vogelscheuche, die plötzlich zum Leben erwacht: „Vergessene Ritter“ bringt ziemlich klassische Horror-Zutaten mit. Der 31-minütige Kurzfilm entstand im Jahr 2000 unter der Regie von Thomas Grampp. Gedreht wurde vom 20. Mai bis 4. Juni an insgesamt 18 Drehtagen – ausdrücklich in Ludwigsburg und Umgebung.
Die Geschichte beginnt als harmloses Kinderspiel: Sechs Jungen und ein Mädchen treffen sich auf einem verlassenen Militärgelände, um Ritter und Musketiere zu spielen. Doch daraus wird ein Horrortrip. Eine Vogelscheuche verfolgt die Kinder und eines nach dem anderen fällt ihr zum Opfer. Nur Jonathan überlebt. 15 Jahre später kehrt er mit seiner Freundin an den Ort zurück – und die Vogelscheuche steht noch immer dort. In den Hauptrollen sind Fabian Busch und Julia Brendler zu sehen. Brendler ist heute unter anderem aus der ZDF-Krimireihe „Nord Nord Mord“ bekannt.
Besonders interessant ist der Mann hinter dem Drehbuch: Daniel Stamm studierte an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg und schrieb das Skript zu „Vergessene Ritter“. Später machte er in Hollywood Karriere – vor allem mit Horror. 2010 inszenierte er „The Last Exorcism“ („Der letzte Exorzismus“), später folgten „13 Sins“ und „Prey for the Devil“. Ein schöner Ludwigsburger Horror-Funfact: Zehn Jahre nach der mordenden Vogelscheuche ließ Stamm in Hollywood den Teufel los.
„Dosenmutter“: Wenn die Kaffeedose plötzlich mordet
Der wohl kurioseste Beitrag ist zugleich einer der jüngsten. „Dosenmutter“ von Regisseur Alexander Peskador wurde vom 8. bis 23. Dezember 2025 in Ludwigsburg gedreht. Der 24-minütige Horror-Kurzfilm der Filmakademie Baden-Württemberg und des SWR erzählt von Wilhelm, der nach dem Tod seiner Mutter deren Haus verkaufen will. Dumm nur: Mama kehrt aus dem Jenseits zurück – als mordlustige Kaffeedose.
Wo genau das Haus steht, wird nicht verraten. Technisch hatte es der Dreh allerdings in sich: Für Szenen aus dem Inneren der Dose wurde mit Virtual Production gearbeitet. Regisseur Peskador nennt als Vorbilder Alfred Hitchcocks „Psycho“, Loriots „Ödipussi“ und Mario Bavas „Blutige Seide“. Einen Preis hat die Killer-Dose ebenfalls abgeräumt: 2025 erhielt „Dosenmutter“ den Preis der Stadt Ludwigsburg des Fördervereins der Filmakademie.
„Stigma“: Blut fließt – und alle malen weiter
Deutlich weniger lustig wird es in „Stigma“. Der knapp sechs Minuten lange Horrorfilm von Max Porstmann entstand 2024 an drei Drehtagen komplett in Ludwigsburg. Eine Künstlerklasse zeichnet ein Modell – bis die Frau plötzlich aus den Händen und Augen blutet. Das Verstörende daran: Niemand hilft. Stattdessen wird einfach immer weiter gemalt.
Porstmann studiert Regie an der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg: „Stigma“ war sein erstes Filmprojekt. Große Filmstars sucht man in dem Nachwuchsprojekt zwar vergeblich, dafür schaffte es der Film auf mehrere Festivals, darunter das Brussels International Fantastic Film Festival und das Sehsüchte-Festival. Für seine visuellen Effekte war „Stigma“ zudem für den Baden-Württembergischen Filmpreis nominiert.
„Klingenberg“: Ein Altenheim in der Jägerhofkaserne
Dass auch eine ehemalige Kaserne ziemlich unheimlich wirken kann, zeigt „Klingenberg“. Für den 50-minütigen Thriller von Maximilian Buck wurde 2011 insgesamt 15 Tage in Ludwigsburg gedreht. Der ehemalige Kommissar Wolfgang Klingenberg landet gegen seinen Willen im Altenheim. Als ein Bewohner verschwindet, wittert er eine Verschwörung – und wird kurzerhand mit Medikamenten ruhiggestellt.
Das vermeintliche Altenheim war in Wirklichkeit die Jägerhofkaserne. Besonders hübscher Funfact: 14 Senioren des Seniorenclubs des MTV Ludwigsburg standen als Komparsen vor der Kamera. Sie wurden im Film gepflegt, vernachlässigt – und teilweise sogar „ermordet“. Mit dabei war außerdem Rudolf Waldemar Brem, bekannt aus zahlreichen Filmen von Rainer Werner Fassbinder. Regisseur Buck drehte später unter anderem den schwäbischen Krimi „Trash Detective“.
„Bissige Hunde“: Bankraub mit späteren „Tatort“-Stars
Noch eine Spur größer wurde es Ende 2011 bei „Bissige Hunde“. Alex Eslam drehte seinen 90-minütigen Diplomfilm zwischen November und Dezember unter anderem in Ludwigsburg, außerdem in Stuttgart und Meißen. Die Geschichte: Ein Polizist kommt zu einem Banküberfall – und muss feststellen, dass ausgerechnet sein eigener Sohn der Täter ist.
Die Besetzung kann sich rückblickend sehen lassen: Rick Okon wurde später als Dortmunder „Tatort“-Kommissar und durch „Das Boot“ bekannt, Karin Hanczewski ermittelte jahrelang im Dresdner „Tatort“. Dazu kommen Sönke Möhring und Jeanette Hain. Eslam selbst, Absolvent der Ludwigsburger Filmakademie, inszenierte später unter anderem die Mysteryserie „Souls“. Für „Bissige Hunde“ gab es 2015 unter anderem Nominierungen der Deutschen Akademie für Fernsehen für das Drehbuch und beim Fernsehfilmfestival Baden-Baden.
Ganz Hollywood ist Ludwigsburg damit noch nicht. Doch für einen Halloween-Filmabend reicht die örtliche Gruselbilanz allemal – schließlich kann nicht jede Stadt von sich behaupten, dass in einer ihrer Kasernen Senioren verschwanden und irgendwo zwischen ihren Straßen eine Kaffeedose zum Killer wurde.



