Ludwigsburg | 20. April 2017

Auf den Spuren der Vorfahren

Die Nachfahren der Freudentaler Juden leben in der ganzen Welt – unter anderem in Isreal, Guatemala, Kalifornien, England, Spanien und Frankreich. Doch eines haben sie gemeinsam: ihre Wurzeln liegen alle in Freudental. Dort haben ihre Vorfahren gelebt und dorthin kehren sie jetzt zurück. Vom 26. bis zum 30. Oktober treffen sie sich in der Stromberggemeinde. Es ist das erste große Nachfahrentreffen dieser Art unter Federführung der Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Pädagogisch-Kulturellen Centrum Ehemalige Synagoge Freudental (PKC). Und die Organisatoren hoffen auf einen regen Austausch – der Nachfahren untereinander, aber auch mit der Öffentlichkeit.

Die Idee für dieses Treffen geht auf den Arbeitskreis „Erinnern und Gedenken“ zurück, der sich vor drei Jahren mit dem Ziel gegründet hat, die jüdische Geschichte im Ort sichtbarer zu machen. Das Nachfahrentreffen sei eine der ersten Ideen gewesen, berichtet Bürgermeister Alexander Fleig, der dem Arbeitskreis angehört. Schließlich habe man durch die lange jüdische Geschichte eine besondere Situation in Freudental, die den Ort von anderen Kommunen im Landkreis unterscheide, ergänzt Isolde Siegers vom PKC.

Die Kontakte zu den Nachfahren waren durch den Historiker und LKZ-Redakteur Steffen Pross, der ebenfalls Mitglied im Arbeitskreis ist, ohnehin vorhanden. Er hat das Schicksal der Freudentaler Juden während des Dritten Reichs umfangreich aufgearbeitet und steht auch in Kontakt mit den Angehörigen. Etwas über 50 Adressen seien mittlerweile bekannt, die Bereitschaft für ein Nachfahrentreffen sei groß gewesen. „Die Idee wird gut angenommen, alle freuen sich darauf“, berichtet Siegers. Demnächst sollen die Einladungen verschickt werden, doch erste Zusagen gibt es bereits: Angehörige von den Familien Herrmann, Spatz, Stein, Levi, Wertheimer und Weil hätten ihr Kommen bereits angekündigt. „Insgesamt rechnen wir mit rund 15 Nachfahren“, sagt Fleig. Einige von ihnen sind bereits in Freudental gewesen, für andere wird es der erste Besuch im Ort sein. Damit auch wirklich jeder kommen kann, der möchte, werden noch Sponsoren gesucht, die sich an den Reisekosten beteiligen. „Wir wollen es jedem ermöglichen, nach Freudental zu kommen, das Geld sollte kein Hindernisgrund sein“, so Fleig. Und auch Übernachtungsmöglichkeiten werden noch gesucht: Einige Besucher sollen im PKC untergebracht werden, andere in Gastfamilien im Ort. „Es gibt schon einige Familien, die sich engagieren wollen“, freut sich der Bürgermeister.

Schließlich sind der Austausch und das Zusammenkommen wichtige Ziele des Nachfahrentreffens. Nicht nur untereinander sollen sich die Nachfahren kennenlernen, sondern auch in Kontakt mit den Freudentalern kommen. Deshalb ist das Programm an den fünf Tagen auch abwechslungsreich gestaltet. Einige Punkte, wie das geplante Schabbatessen, sind bewusst nicht öffentlich gehalten. Daneben ist aber viel Zeit für Begegnungen eingeplant: bei Ausstellungen von Evelyn Spatz beispielsweise, bei einer Stolpersteinverlegung und einem öffentlichen Abschlussessen im PKC. Oder bei der Eröffnung des „Gartens der Erinnerung“, der angelegt wird, um an die gemeinsame Vergangenheit von Juden und Christen im Ort zu erinnern. Vorgesehen sind aber auch Ausflüge, unter anderem zum ehemaligen Zisterzienserkloster nach Maulbronn und zur KZ-Gedenkstätte Vaihingen.

Christina Kehl
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