Ludwigsburg | 21. Juli 2017

Für vier Mädchen gibt es die Höchstpunktzahl

Ein Ludwigsburger Streichquartett erzielt beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ ein außergewöhnliches Ergebnis

Preisgekrönt: Lehrerin Maike Brandenbusch mit Lynn My Le Trinh, Victoria und Emilia Landenberger sowie Lavinia Laukner (von links). Foto: Oliver Bürkle
Preisgekrönt: Lehrerin Maike Brandenbusch mit Lynn My Le Trinh, Victoria und Emilia Landenberger sowie Lavinia Laukner (von links). Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Mit Schostakowitschs düsteren Kriegsszenen und dem galoppierenden Rhythmus von Haydns Reiterquartett erzielten vier junge Streicherinnen der Jugendmusikschule Ludwigsburg jüngst ein Spitzenergebnis. Sie überzeugten die Jury beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ auf der ganzen Linie und erzielten die Höchstpunktzahl von 25 und damit einen ersten Preis. Die Juroren beim Bundeswettbewerb gehen mit der Höchstpunktzahl keineswegs inflationär um, neben dem Ludwigsburger haben dies nur noch zwei Streichquartette aus Stuttgart erreicht.

Wer Lynn My Le Trinh aus Ludwigsburg, Lavinia Laukner aus Sersheim sowie Victoria und Emilia Landenberger aus Asperg trifft, lernt aufgeschlossene Mädchen kennen. Die 16-jährige Geigerin Lynn trägt gerne Hut und spielt auch Klavier, außerdem singt sie mit Begeisterung. Die 16-jährige Geigerin Lavinia geht auf Anhieb auch als Sportlerin durch. Kein Wunder, denn sie absolviert mehrmals in der Woche ein Schwimmtraining. Die 15-jährige Cellistin Emilia betreibt noch Leichtathletik und die 17-jährige Victoria hat im Vorfeld der Teilnahme bei „Jugend musiziert“ von Violine auf die größere Bratsche umgelernt, was sich einfach anhört, es aber nicht ist, denn zwischen den beiden Instrumenten liegen Welten.

Die vier Gymnasiastinnen haben bei „Jugend musiziert“ bereits solistische Erfolge erzielt, sie spielen im Landesjugendorchester, sind Stipendiatinnen der Begabtenförderung und traten jetzt erstmals im Quartett an. Ihre Instrumentallehrerin Meike Brandenbusch hat sie ein Jahr lang auf die Teilnahme bei „Jugend musiziert“ vorbereitet und vor allem im Vorfeld des Bundeswettbewerbs wurde nochmals intensiv an Dimitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8 gefeilt. Nicht nur technisch, sondern auch emotional näherten sie sich dem düster-komplexen Werk an. Kanonendonner, Krieg, Tod: „Mir war es wichtig, dass sie die Bilder vor sich sehen“, sagt Brandenbusch. Es entwickelte sich damit eine Direktheit, die ganz wichtig für die Umsetzung war. Damit gelang es, die Botschaft hinter der Musik zu vermitteln.

Mut bewiesen sie auch mit Joseph Haydns „Reiterquartett“, das wild-schroff und keineswegs nur gefällig ist. Um eine solche musikalische Ausgereiftheit zu erlangen, braucht man eiserne Disziplin und einen festen Willen. Die vier Mädchen üben täglich mehrere Stunden. Lynn wollte nach eigenem Bekunden schon mit drei Jahren Geige lernen, in der Grundschule war es dann endlich soweit. Seither gibt es für sie nichts Schöneres. Die 16-Jährige, die das Ludwigsburger Goethe-Gymnasium besucht, ist Konzertmeisterin im Landesjugendorchester, was für ihre besondere musikalische Qualität spricht. Die hochbegabte Zehntklässlerin wird wohl bald an eine Musikhochschule wechseln, sie macht derzeit diverse Aufnahmeprüfungen. Ein großes Vorbild der vier Streicherinnen hat Lynn jüngst bei ihrem Vorspiel in München zugehört: Die 34-jährige Weltklasse-Geigerin Julia Fischer. „Bei ihr stimmt einfach alles“, schwärmt Lynn. Die Freude ist groß, denn die vier Mädchen können Julia Fischer heute Abend bei ihrem ausverkauften Konzert im Rahmen der Schlossfestspiele erleben. Ein großer Moment, der sie zusätzlich motiviert, auf diesem Weg weiterzugehen.

Hören sie neben Klassik auch noch andere Musik? Die vier Mädchen lachen. „Natürlich“, sagen sie einmütig. Sie nennen Rock, Pop und Jazz. Nur eines trifft ihren Geschmack überhaupt nicht: Schlagermusik sei überhaupt nicht ihr Ding.

Ebenfalls einen ersten Preis beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ erzielte das Fagottquartett der Ludwigsburger Jugendmusikschule mit Tobias Reikow, Jonathan Schmalzridt, Franziska Auch und Philipp Fischer. Sie holten mit 24 Punkten fast die Höchstpunktzahl.

Angelika Baumeister
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