Ludwigsburg | 03. Juli 2017

Musik-„Battle“ – innovativ und begeisternd

Mit einem grandiosen Konzerterlebnis startet die Jugendmusikschule in ihren Tag der offenen Tür. Das Jugendsinfonieorchester begeistert mit einem Konzert der ganz besonderen Art.

Erobern die Herzen des Publikums im Nu: Mit dem ungewöhnliche Konzert bewirbt sich das Orchester beim „Prix Jeuness Musicales“. Foto: Oliver Bürkle
Erobern die Herzen des Publikums im Nu: Mit dem ungewöhnliche Konzert bewirbt sich das Orchester beim „Prix Jeuness Musicales“. Foto: Oliver Bürkle

Ein noch sehr junges Ensemble präsentiert sich unglaublich erfrischend. Abgelegt sind steife Etikette, das Kleben am Notenblatt und am Stuhl. Es ist der Mut zur Bewegung, zur Sprache, zur Improvisation, die mit klassischer, konzertanter Darbietung von der Frühklassik bis zu zeitgenössischer Moderne ein beinahe schon avantgardistisches Meistwerk macht.

Ein Wettstreit, neudeutsch „Battle“, steht im Mittelpunkt der Idee, die die jungen Musiktalente 2016 selbst auf einer Orchesterreise ins spanische San Sebastian entwickelt haben. Ständig würden sie verglichen, überlegten sie sich. Faul oder fleißig, jung oder alt, Jungen oder Mädchen, Solist oder eher Teamplayer, gut oder ausbaufähig, Preisträger oder Normalo. „Einsortiert, akzeptiert, ausgegrenzt – Loser oder Superstar“, so der Titel der Programms. Ein Symbol gegen Schubladendenken in der Musik,

Und diese Thematik bringen sie ganz genial auf die Bühne. Ein Gesamtkunstwerk aus Musik und Tanz, aus traditionellem Konzert und frei schwebender Kakophonie, aus Zitaten und Überraschungen. Die Jeans sind zerrissen und die Wahrheit ist ungeschminkt. Statt gestylt und geschleckt, zeigen sie sich wie in der Probe.

Stamitz, Shostakovich, Gemiani und Kagel haben sie einstudiert. Dazwischen allerhand Unerwartetes aus Barock und Klassik. Es ist überaus spannend, was da wohl als Nächstes um die Ecke kommt. Wie in historischer Schlachtformation stehen sich die Instrumente gegenüber. Sie schießen melodisch aufeinander. Pauken und große Trommel liefern sich akustische Gefechte. Der eine Musiker nimmt dem anderen seinen Part ab und am Ende finden sie doch wieder zusammen. Musik ist ein für sich und doch ein Miteinander.

Die Musikpädagogin, Dirigentin und Leiterin des Projekts, Ute Kabisch, ist mit den 26 jungen Musikern hohes Risiko gegangen und zusammen haben sie die Herzen des Publikums gewonnen. Nein, im Sturm erobert. Angespornt von Meltem Nil, die ihnen beibrachte, sich im freiem Raum auch zu bewegen, mit den Fingern zu tanzen und mit rhythmischem Springen ein furioses Streichquartett zu begleiten, das in ein einem Reigen endet. Mit unfassbarer Präzision fügt sich in diesem Programm ein Teil ins andere.

Zahlreiche Sponsoren ermöglichten das Projekt erst, das die volle Unterstützung von dem demnächst gewesenen Musikschulleiter Wilfried Peschke genoss: der Freundeskreis, die Aktion Sterntaler, Lautmacher mit seiner Sound- und Lichttechnik.

Mit diesem Projekt bewirbt sich das Jugendsinfonieorchester um den diesjährigen deutschen „Prix Jeunesse Musicales“. Damit steht es mit 13 anderen in der Endrunde. Die Jury saß am Samstag mit in der Reithalle. In ein paar Wochen sollen die Sieger feststehen. Leider aber war der sensationell-innovative Auftritt bei der samstäglichen Matinee nicht nur qualitativ einmalig. Die Premiere soll nämlich zugleich auch Abschlusstakt gewesen sein. Das aber wäre bei dieser Gesamtleistung aller eine wahrhaft künstlerische Verschwendung.

Thomas Faulhaber
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