Ludwigsburg | 08. Dezember 2017

Schulsozialarbeit soll aufgestockt werden

Für viele Kinder und Jugendliche sind sie die ersten Ansprechpartner, wenn es Probleme gibt: die Schulsozialarbeiter. Während die Stelle an der Schule am Steinhaus minimal aufgestockt wird, wird fürs Schulzentrum seit langem zusätzliches Personal gesucht. Um Bewerber für den Posten an Realschule und Gymnasium zu finden, beantragen die Schulleiter eine Vollzeitstelle.

Der Bedarf an Schulsozialarbeitern ist hoch – und für sie wird die Arbeit auch nicht weniger. Das wurde am Dienstagabend im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats einmal mehr deutlich. „Man muss schon Prioritäten setzen, was man machen kann“, sagte Matthias Cramme. Der Mitarbeiter der evangelischen Jugendhilfe Hochdorf ist zum einen als Jugendberufshelfer der Stadt zu 25 Prozent in der Jugendberufshilfe der Friedrich-Schelling-Schule tätig, zum anderen Schulsozialarbeiter an der Schule am Steinhaus.

Kernpunkte bei letzterer Tätigkeit seien Beratung und individuelle Hilfe – „es geht um Konflikte unter den Schülern, um Gewalt in der Familie, um Sucht und selbstverletzendes Verhalten“, nannte Cramme einige Beispiele. Er kümmert sich auch um die Schülerfirma „Woodpecker“ und hat zudem das Projekt „Mrs./Mr. Respect“ ins Leben gerufen, bei dem Schülern vermittelt werden soll, dass positives Verhalten honoriert wird. „Sie haben viel zu tun“, stellte Stadtrat Christian Herbst (SPD) fest, „reicht Ihnen das Volumen?“. Cramme erklärte, dass im vergangenen Jahr ein Antrag auf zehnprozentige Erhöhung gestellt worden sei, allerdings seien lediglich fünf Prozent genehmigt worden. Das heißt, im Oktober dieses Jahres wurde die Stelle auf 50 Prozent erhöht.

Mit einer Aufstockung wird auch am Schulzentrum – Christoph-Schrempf-Gymnasium und Maximilian-Lutz-Realschule – geliebäugelt. Allerdings geht es hier um eine 50-prozentige Erhöhung auf eine Vollzeitstelle. „Ich bin seit fast eineinhalb Jahren alleine an den beiden Schulen“, berichtete Karina Richter. Auch sie leistet viel Einzelfallberatung und stößt neue Projekte an, von denen allerdings eines wegen der Personalsituation so nicht mehr weiterlaufen kann. Karina Richter selbst arbeitet 60 Prozent, die weitere 50-Prozent-Stelle ist unbesetzt. Wie Ruth Schneider von der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz, von der die Schulsozialarbeiter kommen, erklärte, sei die Stelle seit geraumer Zeit ausgeschrieben. „Es gab mehrere Bewerbungsgespräche, aber wir fanden niemanden, der bereit war, 50 Prozent zu arbeiten.“ Der Sozialarbeitermarkt „ist praktisch leer gefegt“. Erfolgsversprechend seien hingegen Vollzeitstellen.

Wie Bürgermeister Steffen Bühler sagte, gebe es einen Antrag der beiden Schulleitungen, der auch von Eltern unterstützt würde, das Stellenvolumen am Schulzentrum von derzeit 110 auf 160 Prozent zu erhöhen – so könnte eine Vollzeitstelle geschaffen werden. „Man erhofft sich dadurch, dass man jemanden findet, der auch langfristig bleibt“, erklärte Bühler. Die Verwaltung würde nun intern prüfen, wie sich die Aufstockung finanziell auswirken würde. „Und wir müssten auch mit den Nachbarkommunen reden, die an der Schulsozialarbeit finanziell beteiligt sind.“ Die Aufstockung müsste letztendlich vom Besigheimer Gemeinderat beschlossen werden, aber die anderen betroffenen Kommunen müssten zustimmen.

Gemessen an den Wortmeldungen der Stadträte dürfte zumindest die Zustimmung aus Besigheim einhellig ausfallen. „Es wäre gut, wenn man das schnell auf den Weg bringt“, sagte Eva Herbst-Schetter (SPD). Achim Schober (CDU) wollte wissen, ab wann mit einem zweiten Schulsozialarbeiter gerechnet werden könnte. Der Bürgermeister bremste die Euphorie etwas: „Wir müssen den anderen Kommunen Zeit zum Beraten geben.“

Dorothee Kauer
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