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Als Kulturschule auf neuen Wegen

Modellprojekt des Landes in Kooperation mit Karl-Schlecht-Stiftung – Feierstunde mit dem Regierungspräsidenten

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Strahlende Gesichter gab es, als die Tafel mit dem Aufdruck „Kulturschule“ feierlich enthüllt wurde. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Es ist nur ein kleines Schild an der Wand des Schulhauses, aber ein großes Ereignis in der langen Geschichte des Friedrich-Schiller-Gymnasiums. Es gehört jetzt zu dem erlesenen Kreis von zehn Kulturschulen im Land Baden-Württemberg, darunter befinden sich nur drei Gymnasien.

Festlich war der Rahmen, als das Schild offiziell enthüllt wurde und schließlich alle Gäste zusammen „Freude schöner Götterfunke“ anstimmten. Diese Ode an die Freude hat immerhin ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums verfasst: Der Freiheitsdichter Friedrich Schiller besuchte die Schule in den Jahren 1767 bis 1772. „Wir sind das einzige wirkliche Schiller-Gymnasium“, betonte Schulleiter Klaus Arnold. Auf diesen Lorbeeren kann und will sich das Gymnasium nicht ausruhen. Mit der Zertifizierung als Kulturschule wurde ein weiteres zukunftsweisenden Projekt in Angriff genommen.

Was der Besuch der Kulturschule konkret für die Schüler bedeutet, zeigte der weitere Verlauf des Abends: Ein Abstecher galt der Filmakademie. Mit diesem Kooperationspartner werden schon seit einigen Jahren Filmprojekte umgesetzt. Außerdem stand der Besuch des Bürgertheaters auf dem Programm: In dem Stück „Akte Oppenheimer“ haben Schüler einer sechsten Klasse mitgespielt. Ihre Begeisterung für das Theaterspielen kommt nicht von ungefähr, nehmen die Schüler aus dem Ganztagsbereich doch an regelmäßigen Workshops der Kunstschule Labyrinth auf dem Gelände der Karlskaserne teil.

„Die kulturelle Durchdringung des Schullebens wird noch intensiver werden“, richtete Rainer Fanta, der Kulturbeauftragte des Schiller-Gymnasiums, den Blick in die weitere Zukunft. Er hat das Vorhaben maßgeblich vorangetrieben. Die Lernorte werden sich künftig noch stärker in die Kultureinrichtungen verlagern, zu denen die Schule eine Kooperation pflegt. Und das sind neben der Kunstschule Labyrinth sowie der Filmakademie das Deutsche Literaturarchiv Marbach. Künstler und Schauspieler kommen auch in den Unterricht, um mit den Jugendlichen zusammenzuarbeiten.

Regierungspräsident Johannes Schmalzl verwies auf die „unglaubliche Tradition“, über die Kultur in Ludwigsburg verfügt und zitierte den Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, wonach einseitige Bildung keine Bildung ist. Und genau dort setze das Konzept der Kulturschulen an. „Die Beschäftigung mit Kultur, die Beherrschung künstlerischer Methoden über die Inhalte der einzelnen Fächer hinaus dient der Erweiterung und Festigung der persönlichen Kompetenzen unserer Schüler“, so Schmalzl. Auch in naturwissenschaftlichen Fächern sollen künstlerisch-kreative Methoden zur Anwendung gelangen. Gleichzeitig ermögliche das Projekt Schülern unabhängig von ihrer Herkunft die Teilhabe an Kultur. Für Schmalzl handelt es sich bei der Kulturschule um eine hervorragende Ergänzung des Sozialcurriculums der Schule, wie das Sucht- und Gewaltpräventionsprogramm „Stark – Stärker – Wir“, Selbstverteidigungs- und Schutzengelprogramm.

Allerdings bedarf es auch finanzieller Unterstützung, um das Projekt umzusetzen. Die Karl-Schlecht-Stiftung fördert das auf fünf Jahre angelegte Modellprojekt an allen zehn Schulen im Land mit rund einer halben Million Euro. 10 000 Euro pro Jahr erhält das Friedrich-Schiller-Gymnasium, unter anderem für das Erstellen eines Kulturfahrplans und Fortbildungen. „Wir wollen einen Impuls geben für die Charakterbildung und die Entwicklung von Kompetenzen“, sagte Franz Henssler, Referent der Stiftung. „Wir wollen als Stadt dazu beitragen, dass Bildung und Aufwachsen gelingen“, so der Erste Bürgermeister von Ludwigsburg, Konrad Seigfried. Er erinnerte daran, dass aus Mitteln des Fonds „Jugend, Bildung, Zukunft“ einige Kooperationen gefördert worden seien, die jetzt dazu geführt haben, dass sich das Schiller-Gymnasium Kulturschule nennen darf.