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Atemlos durch Feinstaub und Rauchen

Asthma, chronische Bronchitis, Lungenkrebs: Hohe Erkrankungszahlen haben zum einen mit dem Rauchen, aber auch mit der Luftverschmutzung zu tun. Neue Behandlungsmöglichkeiten und Ursachen standen im Mittelpunkt des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Stuttgart.

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Ludwigsburg. Ohne Lunge kann der Mensch nicht leben, denn sie sorgt dafür, dass Sauerstoff aus der Atemluft ins Blut aufgenommen wird. Sie füllt fast den ganzen Brustkorb aus, hat zwei Flügel und in den auch Bronchien genannten Verästelungen werden auch Fremdkörper und Krankheitserreger abgefangen. Wenn nun der Husten chronisch wird, von Auswurf begleitet ist und Atemnot bei körperlicher Belastung zum Alltag gehört, dann handelt es sich in den meisten Fällen um eine Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD).

Drei bis fünf Millionen Deutsche sind von diesem Leiden betroffen, es ist eine Volkskrankheit und gehört mit einem Anteil von 13 Prozent zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. „Das ist ein wachsendes Problem“, sagte Dr. Thomas Voshaar vom Krankenhaus Bethanien in Moers und Präsident des Verbandes Pneumologischer Kliniken. Verbesserungsbedarf sah er vor allem bei der Notfallversorgung.

Wenn ein Betroffener mit schwerer Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert wird, ist schnelle, gezielte Hilfe angesagt. Die Wirklichkeit sieht laut Voshaar aber anders aus: Bei nur der Hälfte der mit den Symptomen eingelieferten Patienten waren überhaupt Daten einer Lungenfunktionsuntersuchung verfügbar. Diese sind aber wesentlich, um den Schweregrad einer Atemwegsobstruktion zu erkennen.

Die Sterblichkeit ist laut Voshaar hoch und sinkt nur dort, wo Lungenspezialisten tätig sind. Aus diesem Grunde ist nun die Einrichtung spezialisierter „Respiratory Failure Units“ angedacht. In diesen Organisationseinheiten können Betroffene gezielter behandelt werden. Die Realisierung soll nach dem Vorbild der „Stroke Units“ beim Schlaganfall und der „Chest Pain Units“ bei Herzerkrankungen erfolgen. In welchen Kliniken das umgesetzt werden soll, ist aber noch nicht bekannt.

Der Kongresspräsident und Chefarzt der Klinik Schillerhöhe in Gerlingen, Professor Dr. Martin Kohlhäufl, sah beim Thema COPD gerade mit der Telemedizin die Möglichkeit, eine Versorgung und Datenüberwachung unabhängig vom Aufenthaltsort der Patienten sicherzustellen.

So werden seit fünf Jahren im Telemedizinischen Zentrum am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart in Kooperation mit der Schillerhöhe Gerlingen Versicherte der Techniker-Krankenkasse, die an einer COPD leiden, telemedizinisch bereut. Die Betroffenen managen ihre Erkrankung selbst und Verschlechterungen werden durch die Fernüberwachung frühzeitiger erkannt, Krankenhauseinweisungen können so vermieden werden.

„Die Akzeptanz bei den Patienten ist hoch“, so Kohlhäufl. Im Januar hat die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg im Rahmen des Förderprogramms „Ziel und Zukunft“ nun ein IT-gestütztes innovatives pneumologisches Versorgungsmodell zur Förderung freigegeben. Ziel ist vor allem die verbesserte Versorgung von Patienten mit Asthma und COPD im ländlichen Bereich. Hier soll der Einsatz von Telecoaching per E-Mail oder Videosprechstunde erprobt werden. Die telemedizinische Betreuung ist vor allem während der Sommermonate eine Möglichkeit, Gefahren frühzeitig zu erkennen und zu intervenieren, denn steigender Hitzestress erhöht das Sterberisiko bei Patienten mit Lungenkrankheiten.

Darauf wies Professor Dr. Christian Witt, Pneumologe an der Charité in Berlin, hin. Der Grund für die steigende Belastung: Bei Hitze gibt der Körper nicht nur über die Haut, sondern auch über die Lunge Wärme ab, bei COPD-Patienten ist dieser Wärmetransport aber eingeschränkt, es kommt in der Folge zu massiven Problemen.

Und die werden in Zeiten des Klimawandels nicht weniger. In den Atemwegen können sich aber nicht nur chronische Entzündungen entwickeln.

Als Lungenkrebs bezeichnet man einen bösartigen Tumor, der im Lungengewebe oder in den Bronchien entsteht. Mit rund 56 000 Neuerkrankungen im Jahr handelt es sich um die vierthäufigste Krebserkrankung in Deutschland und vor allem bei den Frauen nehmen die Zahlen zu.

Das vom Chefarzt der Klinik Schillerhöhe genannte Problem: Es gibt kein Frühwarnsystem und die Krankheit wird erst erkannt, wenn sie schon weit fortgeschritten ist. Die Behandlung mit Operation, Chemotherapie ist schwierig und nicht immer erfolgversprechend. Jetzt gibt es mit der Immuntherapie einen neuen Ansatz. Die Körperabwehr wird dabei so optimiert, dass sie Krebszellen zerstört.

„Das Wirkprinzip ist der Natur abgeschaut und die Erfolge sind verblüffend“, sagte Kohlhäufl beim Kongress. Hinzu kommt, dass die Infusionen mit den Medikamenten, die die Killerzellen in Formation bringen, gut verträglich und Nebenwirkungen deutlich seltener sind als bei der herkömmlichen Chemotherapie. Ein Wundermittel also, das nur einen Haken hat: Die Behandlung ist teuer.

Auf Nachfrage nannte Kohlhäufl vier- bis fünfstellige Beträge im Monat. Da der Hauptrisikofaktor für Lungenkrebs das Rauchen sei, sollte die Tabakentwöhnung deshalb immer im Vordergrund stehen, so Kohlhäufl.

Das Rauchen produziert zweifelsohne hohe gesellschaftliche Kosten. Professor Dr. Stefan Andreas von der Lungenfachklinik Immenhausen sprach von 49 Milliarden Euro im Jahre 2013.

Dem hätten 14,1 Milliarden Euro an Tabaksteuern gegenübergestanden. Noch immer rauchen rund 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland, wogegen in anderen Ländern wie Finnland oder Schweden die Raucherquote durch strikte Tabakprävention bereits deutlich auf unter 20 Prozent gesenkt werden konnte. Tabakentwöhnung bringt im medizinischen Betrieb aber nicht das Geld.

Das soll sich nach Willen der Experten nun ändern und die stationäre Tabakentwöhnung mit medikamentöser und psychosozialer Unterstützung möglich werden.