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Aufatmen am Monrepos: Die Wasserqualität des Sees hat sich verbessert

Der Sauerstoffgehalt im See hat sich bereits verbessert. Foto: Holm Wolschendorf
Der Sauerstoffgehalt im See hat sich bereits verbessert. Foto: Holm Wolschendorf
Der Zustand des Monrepos-Sees beschäftigt die Sportfischer Ludwigsburg bereits seit Jahren. Im Januar wurde nun der Abfluss freigebaggert. Gewässerwart Andreas Schulz ist vorsichtig optimistisch.

Ludwigsburg. „Es ist nicht fünf vor, sondern längst fünf nach zwölf“, sagte der Vorsitzende des Sportfischervereins Ludwigsburg, Hans-Rainer Würfel, im vergangenen Sommer im Gespräch mit unserer Zeitung. Dem Monrepos-See ginge die Luft aus, man mache sich große Sorgen um den langjährigen Patienten. Ein Dreivierteljahr später klingen die Sportfischer schon etwas optimistischer. Der Grund dafür: Im Januar wurde der Mönch, also der Abfluss des Sees, freigeschaufelt. Seitdem kann das schlechte Wasser wieder besser abfließen.

Die Hofkammer des Hauses Württemberg, der die Domäne Monrepos gehört, sowie die Sportfischer Ludwigsburg, die sich für den Erhalt des Sees einsetzen, hatten zusammen die Bagger organisiert, die den Abfluss des Sees wieder funktionstüchtig machen. Dieser leitet das Wasser in den Gündelbach Richtung Freiberg, von dort geht es in den Neckar. Mehrere Baggerschaufeln Äste, Laub und Schlamm wurden entfernt. Andreas Schulz, Gewässerwart der Sportfischer, spricht von sieben bis acht Tonnen Material, mit dem der Mönch verstopft war. Das war ein Grund für die schlechte Wasserqualität des Sees.

Jetzt läuft wieder das verschlammte Wasser von unten ab

Andreas Schulz vergleicht den See mit einer Badewanne: Der Mönch ist der Abfluss, der verstopft war. Wenn frisches Wasser hineingelassen wird – im Fall des Monrepos-Sees ist das Regen – aber kein Wasser abfließen kann, läuft die Wanne über. Was überläuft, ist das gute, frische Wasser an der Oberfläche, so Schulz. Je weiter man nach unten kommt, desto schlammiger und sauerstoffarmer wird das Wasser. Das bleibt jedoch im See, wenn der Abfluss verstopft ist. Jetzt, wo dieser wieder frei ist, kann das untere, schlechtere Wasser wieder abfließen, das Wasser im See wird also frischer, hat mehr Sauerstoff.

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Hat sich zwei Monate nach dem Baggern die Wasserqualität bereits verbessert? Andreas Schulz ist vorsichtig optimistisch. Seit Sommer 2021 misst ein Sensor den Sauerstoffgehalt im See. Schulz bekommt die Werte direkt auf das Handy. Zwei Monate seien zu wenig Zeit, um es ganz sicher sagen zu können, so der Gewässerwart. Aber: Ab dem Moment, als der Abfluss wieder frei war, seien die Messwerte des Sauerstoffgehalts steil nach oben gegangen und bisher auf dem Niveau geblieben. „Das zaubert mir ein kleines Lächeln ins Gesicht“, so Schulz.

Der Abfluss wird jetzt regelmäßig gereinigt

Auch bei der Hofkammer ist man erfreut über die Verbesserung. „Durch die Sanierung des Mönchs sind die Sauerstoffwerte im See aktuell hervorragend“, sagt Rainer Setzer, der bei der Hofkammer für die Domäne Monrepos zuständig ist. Das sei auch zu erwarten gewesen, da sauerstoffarmes Wasser abfließt und nicht wie zuvor das sauerstoffreiche Oberflächenwasser. Damit nicht wieder die Bagger anrücken müssen, werde der Abfluss nun einmal wöchentlich gereinigt, im Herbst, wenn viel Laub fällt, öfter, so die Sportfischer.

Und es sind weitere Maßnahmen geplant. „Wir sind hier ständig im Spagat zwischen Naherholung und Erhaltung der Natur“, so Gewässerwart Andreas Schulz. In den nächsten Wochen werden die Sportfischer viele Wasserpflanzen einsetzen – und zwar an Stellen, die stark verschlammt sind. Die Pflanzen dienen als Filter für das Wasser. „Wir müssen mit ziemlicher Masse reingehen, weil es viel Schwund gibt“, sagt Andreas Schulz. Vor allem Graugänse und Enten, aber auch Fische würden gerne an den jungen Pflanzen knabbern. Damit das nicht passiert, werden die Pflanzen mit Hasengitter umzäunt, bis sie angewachsen sind. In letzter Zeit habe das gut funktioniert. „Das stimmt uns zuversichtlich“, so Andreas Schulz.

Über Nacht sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser stark ab

Außerdem stehen seit vergangenem Jahr Lüfter im hinteren Bereich des Sees, wo der Sauerstoffgehalt am kritischsten ist. Die können eingeschaltet werden, wenn zu wenig Sauerstoff im Wasser ist. Außerdem laufen sie immer in den Morgenstunden zwischen 4 und 9 Uhr. Denn über die Nacht sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser stark ab.

Eigentlich sollte der See immer wieder komplett abgelassen werden. „Das wäre mal wieder notwendig“, sagt Hans-Rainer Würfel. Er ist seit 50 Jahren Präsident der Sportfischer, die aktuellen Maßnahmen sei sein sechster Anlauf, den See zu retten, sagt er. 2007 ist der Monrepos-See zuletzt komplett abgelassen worden. „Dadurch regulieren wir auch unseren Fischbestand“, sagt Würfel. Denn es komme immer wieder vor, dass Fische eingesetzt werden, die eigentlich nicht in heimischen Gewässern vorkommen. Aber dass der See demnächst abgelassen wird, ist sehr unwahrscheinlich. „Das ist nicht umsetzbar“, sagen die Sportfischer. Es regne zu wenig, also würde sich der See nur sehr langsam wieder füllen. „Wir müssten auf Bodenseewasser zurückgreifen, aber wer zahlt das?“

Schlamm an verschiedenen Stellen im See wird untersucht

Laut Rainer Setzer von der Hofkammer laufen derzeit auch Untersuchungen für weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität. Seit vergangenen Sommer werden monatlich Wasserproben genommen und ausgewertet. Im April und Mai wird zudem ein Limnologe, ein Wissenschaftler, der sich mit den Ökosystemen Binnengewässer beschäftigt, nochmals vor Ort Schlammdicken an verschiedenen Stellen im See ermitteln und daraus Handlungsalternativen entwickeln, so Setzer. Diese werden wohl voraussichtlich im Juni vorliegen. Die Sportfischer hingegen hoffen, dass bald wieder ein Runder Tisch mit Stadtverwaltung und Landratsamt zustande kommt, um über Maßnahmen zu sprechen.

Info: Die Sportfischer berichten auf ihrer Internetseite von den Arbeiten rund um den Monrepos-See: www.sfv-ludwigsburg.de.